12. Januar 2021 / 09:32 Uhr

Die Not als Chance: So will die DHB-Auswahl bei der Handball-WM in Ägypten angreifen

Die Not als Chance: So will die DHB-Auswahl bei der Handball-WM in Ägypten angreifen

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Die deutsche Auswahl um Trainer Alfred Gislason tritt ersatzgeschwächt bei der WM an.
Die deutsche Auswahl um Trainer Alfred Gislason tritt ersatzgeschwächt bei der WM an. © imago images/Sven Simon
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Mit den positiven Eindrücken aus den Partien gegen Österreich und vielen jungen Spielern reist die DHB-Auswahl zur Handball-WM nach Ägypten . Trotz der Absagewelle vieler Leistungsträger tritt das Team mit Selbstvertrauen an.

Metallkisten und Taschen sind gepackt, Trikots, Hosen, Nahrungsergänzungsmittel und kilometerweise Tape verstaut. Im Teamhotel in Neuss herrscht Aufbruchstimmung. Für Deutschlands Handballer geht es an diesem Dienstag zur Weltmeisterschaft nach Ägypten. Wenn um 10 Uhr in Düsseldorf der Charterflug EB 5214 abhebt, ist viel Selbstvertrauen mit an Bord. Der Grund: die zwei Testspiele gegen Österreich, vor allem die 34:20-Gala am vergangenen Sonntag, in der zudem das Ticket zur EM 2022 gelöst wurde. Von einem Notteam aufgrund der Absagewelle prominenter Spieler, gar einer Verlegenheitsauswahl spricht keiner mehr. Eher von der Chance für junge Spieler wie Johannes Golla, Sebastian Firnhaber, Antonio Metzner oder Juri Knorr, den nächsten wichtigen Schritt zu gehen.

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Man hat gesehen, wir haben uns gefunden. Wir können es kaum erwarten, dass es losgeht“, erklärte Tobias Reichmann. Beim Rechtsaußen steigt die Vorfreude, „auch, weil jetzt keine Zuschauer dabei sind. Das ist ein positives Zeichen und beruhigt.“ Der Gastgeber hat nach der Kritik vieler Spieler in einer Sitzung mit der Regierung sein Corona-Konzept korrigiert. Fans sind bei den XXL-Titelkämpfen mit erstmals 32 Mannschaften nicht mehr erlaubt. Auch Medienvertreter außerhalb der WM-Blase müssen nun draußen bleiben. „Das erhöht die Sicherheit für Spieler und Staff, bringt endlich Klarheit und auch Ruhe in die öffentliche Diskussion“, erklärte Axel Kromer, Sportvorstand des Deutschen Handball-Bundes (DHB), „ab jetzt steht der Sport gnadenlos im Vordergrund.

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K.o-.Runde als Zielvorgabe

Und dafür gab Kromer offiziell das Viertelfinale als erstes Ziel aus. „Wir wollen die K.-o.-Runde erreichen“, sagte Kromer auf Nachfrage vom SPORTBUZZER.

In den Vorrundenspielen gegen Uruguay (Freitag, 18 Uhr, ARD) und Kap Verde (Sonntag, 18 Uhr, ARD), „die kein Gradmesser sind“, sowie Ungarn (Dienstag, 20.30 Uhr, ZDF) werde es darum gehen, „eine Situation zu erarbeiten, um in der Hauptrunde ein Kandidat für den Einzug ins Viertelfinale zu sein“. Reichmann ergänzt: „Wir wollen mit drei Siegen in die nächste Runde.“ Mehr noch: Der Linkshänder zählt Deutschland neben Titelverteidiger Dänemark, Norwegen, Europameister Spanien und Kroatien sogar zu den Mitfavoriten.

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Lust auf die WM macht die Generalprobe gegen Österreich, vor allem die erste Halbzeit (19:5). „Was die Jungs da in der Abwehr geleistet haben, das war fantastisch“, lobte Keeper Andreas Wolff, „auch wenn es nur Österreich war: Gegen diese Abwehr hätte es jede Mannschaft der Welt schwer gehabt.“ Auch Ko-Trainer Erik Wudtke war „positiv überrascht, wie schnell das funktioniert hat“. Denn nach dem Verzicht von Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Finn Lemke fehlt das Herzstück. „Da waren die Bauchschmerzen bei allen schon recht groß“, gibt Wudtke zu.

Metzner macht beim Debüt Lust auf mehr

Neuling Firnhaber und der Flensburger Golla harmonieren als neuer Innenblock bereits beeindruckend. Auch die Alternative, die 5:1-Formation mit dem Hannoveraner Fabian Böhm als vorgezogener Spitze, passt. Auch das Nationalmannschaftsdebüt des Rückraumrechten Metzner funktionierte. Der Linkshänder des HC Erlangen war mit fünf Treffern sogar bester DHB-Werfer. „Man hat seine Nervosität anfangs gesehen. Aber er hat das insgesamt gut gemacht“, lobte Bundestrainer Alfred Gislason.

Am Montagabend gab der DHB noch eine Änderung am WM-Kader bekannt. Gislason hat Rückraumspieler Christian Dissinger nach dessen langer Trainingspause aus dem Aufgebot gestrichen. Für den 29-Jährigen rückt Lukas Stutzke vom Bergischen HC in den Kader.

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