06. Dezember 2019 / 11:05 Uhr

Muskeln zeigen für Tokio 2020: Turnstar Andreas Toba meldet sich eindrucksvoll zurück

Muskeln zeigen für Tokio 2020: Turnstar Andreas Toba meldet sich eindrucksvoll zurück

Jens Strube
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Erfolgreiches Jahr: Andreas Toba wurde 2019 zum zweiten Mal deutscher Turn-Mehrkampfmeister und führte Deutschland bei der WM zur Olympia-Teilnahme 2020.
Erfolgreiches Jahr: Andreas Toba wurde 2019 zum zweiten Mal deutscher Turn-Mehrkampfmeister und führte Deutschland bei der WM zur Olympia-Teilnahme 2020. © Marijan Murat/dpa
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Die NP-Sportlerwahl 2019 – am 21. Januar küren wir unsere Top-Athleten bei der Sportgala im Theater am Aegi. Sie bestimmen mit Ihrer Wahl, wer oben steht. Wir stellen täglich einen Kandidaten vor. Diesmal: Hannovers Top-Turner Andreas Toba (29).

Die ganze Nation hat 2016 mitgelitten, als Sie sich bei den Olympischen Spielen das Kreuzband gerissen haben. Sie turnten für das Team weiter, wurden zum „Hero de Janeiro“, hatten danach aber häufig starke Knie-Probleme. Gab es in der Zeit schon Gedanken, den Sport ruhen zu lassen?

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Auf jeden Fall. Gerade vorletztes Jahr, als ich die Infektion in meinem Knie hatte. Das war schon ziemlich bitter. Ich lag im Krankenhaus, als die EM in Rumänien lief, dem Heimatland meiner Eltern und wo noch ein großer Teil meiner Familie lebt. Da hätte ich echt gerne mitgeturnt, ging aber leider nicht mit der Infektion. Da war ich mir auch nicht sicher, ob ich mich irgendwann von der ganzen Sache noch erhole und wenn ja, ob ich dann noch fit genug bin.

Dieses Jahr haben Sie sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Was treibt Sie an, immer wieder zurückzukommen?

Der Sport macht mir einfach Spaß, auch wenn es anstrengend und schwierig ist und ich auch ziemlich oft auch darüber nachdenke „Wozu mach ich den ganzen Mist?“. Ich habe aber ein super Team um mich herum und Familie und Freunde, die mich unterstützen. Darüber bin ich einfach unglaublich dankbar. Ohne sie hätte es nicht funktioniert.

Deutsche Meisterschaften, EM, WM: Was war Ihr persönliches Highlight im Jahr 2019?

Natürlich, dass ich in Zusammenarbeit mit meinem Trainer den deutschen Meistertitel im Mehrkampf geholt habe. Auch dass ich unser Land bei der Heim-WM vor eigenem Publikum repräsentieren durfte und meinen Teil dazu beitragen konnte, dass wir uns für die Olympischen Spiele qualifizieren. Nicht jeder hat das Privileg, so etwas zu erleben. Das sind natürlich Dinge, die ganz besonders sind.


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<b>Andreas Toba</b> - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 Zur Galerie
Andreas Toba - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 ©

Bei der Heim-WM im Jahr 2007 in Stuttgart waren Sie als Zuschauer dabei. In einem Interview sprachen Sie mal von einem „Gänsehautmoment“, als die deutsche Mannschaft einlief. Zwölf Jahre später: gleicher Ort, gleiches Turnier. Wie hat es sich angefühlt, nun selbst eine WM vor heimischem Publikum zu turnen?

Die ganzen Emotionen, die da freigesetzt werden, kann ich gar nicht in Worten beschreiben. Alles war so groß, dann dazu so viele Zuschauer und die Lautstärke in der Halle – es war einfach krass. Ich war natürlich angespannt, aber auch froh, als ich endlich dran war und turnen durfte. In dem Moment war ich nur dankbar, ein Teil davon sein zu dürfen.

Sie haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Quali geglückt ist. Wie stehen Ihre Chancen für Tokio 2020?

Es werden natürlich noch interne Qualis geturnt. Da entscheidet sich, wer dann bei den Olympischen Spielen dabei sein darf. Das wird auch noch mal eine Herausforderung sein. Aber das ist auch für jeden anderen Turner nicht so leicht, mit dieser Situation umzugehen. Ich denke trotzdem, dass es möglich ist. Ich habe jetzt so lange dafür trainiert, die Hoffnung werde ich bis zum Schluss wahren.

Angenommen, Sie sind in Tokio dabei: Was ist Ihr Ziel?

Wenn ich die Form von der WM anpeile, dann ist es natürlich so, dass ich bei den Spielen gerne im Mehrkampf-Finale turnen möchte. Das wäre mein Traum, den ich mir jetzt gerne im nächsten Jahr erfüllen würde. Das hatte ich mir vor knapp vier Jahren auch gewünscht. Aber damals kam diese blöde Verletzung dazwischen.

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In der Bundesliga turnen Sie für den TV Wetzgau in Schwäbisch Gmünd, haben mit der Mannschaft die Saison als Dritter beendet. Wie sehen Ihre Bundesliga-Pläne darüber hinaus aus?

Im nächsten Jahr gibt es nur eine Priorität – das ist die Teilnahme für die Olympischen Spiele zu sichern und dort noch mal anzutreten. Aber so, wie es bisher lief, bin ich ziemlich zufrieden mit meinem Liga-Verein. Ich muss nur schauen, ob nächstes Jahr die Prioritäten noch dieselben sind. Wenn alles normal läuft und ich gesund bleibe, wird es sicher noch eine Bundesliga-Saison geben. Aber wie, wann und wo, das ist alles noch Zukunftsmusik.

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Mit der TuS Vinnhorst turnt aktuell auch ein hannoversches Team in der Bundesliga. Eine Option für Sie?

Liebend gerne würde ich für eine hannoversche Mannschaft turnen, weil es einfach mein Zuhause ist. In Anbetracht meines fortgeschrittenen Alters als Turner ist es natürlich eine Option. Aber ich habe mich damit bisher noch nicht wirklich beschäftigt. Als Hannover keine Mannschaft hatte, wurde ich in Schwäbisch-Gmünd angenommen, als wäre ich jemand, der schon immer dort geturnt hat. So etwas gibt es nicht oft. Deswegen habe ich da auch eine große Wertschätzung und Dankbarkeit dem Verein gegenüber.

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Imke Onnen - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 ©

Sie sind in Hannover geboren, wohnen und trainieren hier. Was schätzen Sie an der Stadt?

Ich bin einfach mit Hannover verwurzelt. Ich liebe die Stadt. Besonders der Maschsee und die anliegende Turnhalle, die jetzt neu ist. Das ist alles super aufgebaut, gerade auch für meinen Sport ziemlich perfekt gemacht. Dazu hat die Stadt extrem viele schöne und wichtige Ecken, die auch auf mein Leben Einfluss hatten. Hannover hat einfach alles und ist dabei nicht zu groß. Es ist familiär, aber auch nicht so, dass man hier jeden kennt. Für mich ist Hannover einfach die geilste Stadt in Deutschland.

Sie haben in Ihrer Karriere viele Medaillen und noch mehr Erfahrungen gesammelt. Gute Trainer-Voraussetzung. Szenario: Andreas Toba in zehn Jahren als Nachwuchstrainer in Hannover?

Prinzipiell schon, klar. Natürlich gefällt es mir total, mit Kindern zu arbeiten. Ich habe die jeden Tag in der Halle und gebe ihnen auch Hinweise, wenn ich selbst trainiere. Das macht mir einfach Spaß zu sehen, wie die Fortschritte machen. Aber man muss dann sehen, wo mein Platz sein wird. Nachwuchstrainer, mal gucken. Aber in zehn Jahren Trainer in Hannover sein, kann ich mir auf jeden Fall vorstellen.

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TSV Hannover-Burgdorf - Handball, Bundesliga-Spitzenteam - 0137/9880823-01 ©

Zur Person:

Andreas Toba (29) ist gebürtiger Hannoveraner und gehört zu den besten Mehrkampf-Kunstturnern Deutschlands. Seit 2012 wird er von Adrian Catanoiu trainiert. Bei den Olympischen Spielen 2016 riss sich Toba im Mannschaftswettbewerb das rechte Kreuzband. Trotz der schweren Verletzung turnte er am Pauschenpferd und sicherte dem Team dadurch die Finalteilnahme. Für diese Willensleistung gewann der „Hero de Janeiro“ im selben Jahr den Publikums-Bambi. Auf der Erfolgsliste des zweifachen Olympiateilnehmers vom TKH stehen mehrere deutsche Meistertitel. Toba ist auch Turner des Jahres 2019.