24. Dezember 2019 / 09:16 Uhr

"War für mich bisher das beste Jahr": Kanute Jakob Thordsen träumt von Olympia 

"War für mich bisher das beste Jahr": Kanute Jakob Thordsen träumt von Olympia 

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich: Kanute Jakob Thordsen. 
Hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich: Kanute Jakob Thordsen.  © Florian Petrow
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Die NP-Sportlerwahl 2019 – am 21. Januar küren wir unsere Top-Athleten bei der Sportgala im Theater am Aegi. Sie bestimmen mit Ihrer Wahl, wer oben steht. Wir stellen täglich einen Kandidaten vor. Diesmal: Sprint-Kanufahrer Jakob Thordsen.

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Jakob Thordsen, wie viele Tage haben Sie dieses Jahr auf dem Wasser verbracht?

Puh, da muss ich kurz nachdenken. Also 300 Tage werden es sicher gewesen sein. Wir sind eigentlich fast jeden Tag auf dem Wasser, außer Sonntag, da haben wir Ruhetag. Diesen Winter hatten wir bisher auch Glück, dass es nicht so lange zugefroren war. Und im Moment sieht es ja mit den Temperaturen auch ganz gut aus, was ich persönlich ein bisschen schade finde. Im Winter sollte es eigentlich kalt sein. Aber das interessiert ja kaum einen.

Wie meinen Sie das?

Manche Leute sagen: Das Klima interessiert uns nicht, das ist erst für die Generation, die nach uns kommt, wichtig. Es wird noch schlimmer werden. Mich interessiert das sehr. Ich finde das cool, dass ich eine Sportart habe, die draußen stattfindet. Und man merkt die Veränderungen, ich bin jeden Tag draußen: Meine Wintersachen habe ich eigentlich noch gar nicht gebraucht. Das ist doch komisch.

Wie zufrieden waren Sie sportlich mit Ihrem Jahr?

Es war für mich bisher das beste Jahr. Ich hatte nur im Frühjahr Probleme, weil ich mir da den Bauchmuskel gezerrt habe. Bei der U23-WM habe ich über 1000 Meter die Silbermedaille geholt und über 500 Meter im Einer Gold gewonnen. Das war dann auch die Qualifikation für die A-Mannschaft und haben da über 1000 Meter im Vierer gewonnen und den WM-Titel verteidigt. Das war schon cool.

NP-Sportlerwahl: Das sind die zehn Kandidaten für die Wahl zum Sportler des Jahres 2019 mit Telefonnummer zum Abstimmen

<b>Andreas Toba</b> - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 Zur Galerie
Andreas Toba - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 ©
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Was sind Ihre Ziele für das kommende Jahr?

Olympia ist natürlich das große Ziel. Welche Boote bei Olympia starten ist klar, wir als Einzelsportler müssen uns im Frühjahr auf einer Sichtung beweisen. Da entscheidet sich dann, wer zu Olympia fährt und auch für welches Boot. Ich will versuchen, mit einem Zweierpartner das amtierende Zweierteam zu ärgern und versuchen, diese noch mal über den Haufen zu fahren. Um dafür fit zu werden, waren wir gerade im Trainingslager in Portugal. Da haben wir zwei Wochen jeden Tag viermal trainiert.

Wie sieht ein Tag bei Ihnen aus?

Meistens gehe ich morgens vor der Arbeit noch aufs Wasser. Ich mache aktuell eine Ausbildung bei Sennheiser zum Mechatroniker. Da arbeite ich bis 15 Uhr, dann ist nachmittags ab 16 Uhr noch mal so zwei Stunden Training.

Warum ist Ihnen eine Ausbildung wichtig?

Mit unserem Sport wird man leider nie so viel Geld verdienen können, dass man sich ausruhen kann. Ich möchte deshalb eine Ausbildung abschließen, damit ich später auf etwas aufbauen kann. Anschließend würde ich gerne noch Umwelttechnik studieren. Die Ausbildung dauert aber erstmal 3 ½ Jahre.

NP-Sportlerwahl: Das sind die zehn Kandidaten für die Wahl zur Sportlerin des Jahres 2019 mit Telefonnummer zum Abstimmen

<b>Imke Onnen</b> - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 Zur Galerie
Imke Onnen - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 ©

Andere Sportler verdienen viel mehr Geld. Neidisch?

Ich bin superfroh, dass ich meinen Sport machen kann. Natürlich würde ich mit meinen Leistungen auch gerne viel Geld verdienen. Aber was mich stört ist: Wenn es richtig bei Olympia losgeht, haben die Kanuten in den Medien immer einen guten Ruf, weil wir verlässliche Medaillenkandidaten sind. Dann sind wir immer eine ganz große Nummer und eine Woche später kennt man uns dann nicht mehr. Es ist auch zum Beispiel so, dass wir unsere eigenen Doping-Kontrollen zahlen müssen. Das ist eigentlich ein Unding. Der Fußball hat seine eigenen Kontrolleure. Aber wir müssen selber zahlen, um zu beweisen, dass wir sauberen Sport betreiben.

Haben Sie neben dem Kanusport noch Zeit für andere Sachen?

Naja, klar, ich verbringe viel Zeit mit dem Sport. Aber es ist natürlich schon auch mal so, dass man am Wochenende mit Freunden zwei Bier trinken kann. Es muss halt nur so sein, dass ich den nächsten Tag noch trainieren kann (lacht).

Konnten Sie mal Urlaub machen in diesem Jahr?

2019 stand eigentlich nur der Sport im Vordergrund. Ich war mal mit meiner Freundin für vier Tage in Österreich, um ein bisschen zu entspannen. In der Zukunft würde ich gerne meinen VW-Bus ausbauen und damit die Küste von Frankreich runterfahren. Mit dem Boot auf dem Dach, das stelle ich mir schön vor.

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<b>TSV Hannover-Burgdorf</b> - Handball, Bundesliga-Spitzenteam - 0137/9880823-01 Zur Galerie
TSV Hannover-Burgdorf - Handball, Bundesliga-Spitzenteam - 0137/9880823-01 ©

Gibt es andere Sportarten, die Sie sich anschauen?

Bevor ich mit dem Paddeln angefangen habe, habe ich zehn Jahre Handball gespielt, bin dann aber beim Paddeln geblieben. Zu den Recken gehe ich deshalb auch gerne. Die haben sich in diesem Jahr wirklich alles verdient. Das ist schon krass, was da los ist.

Sie sind in Hamburg geboren, sind Sie noch oft da?

So oft ich kann. Meine Eltern, meine Schwester und meine ganzen Verwandten wohnen noch in der Stadt. Ich bin jetzt seit knapp fünf Jahren in Hannover, habe jetzt meine erste eigene Wohnung bezogen. Die Stadt ist sowas wie meine zweite Heimat geworden.

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Zur Person:

2019 war für Jakob Thordsen (20) ein ex­trem erfolgreiches Jahr. Bei der Junioren-WM holte er im Einer über 500 Meter die Goldmedaille, über 100 Meter holte er Silber. Mit der Mannschaft verteidigte er im Vierer über 1000 Meter den WM-Titel. Thordsen hat im Frühjahr sein Abitur mit der Note 2,8 bestanden, seit dem Sommer macht er eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Mechatroniker bei Sennheiser. Später will er noch Umwelttechnik studieren. Seit ein paar Wochen hat der 20-Jährige auch endlich eine eigene Wohnung in Hannover.

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