07. Januar 2020 / 09:53 Uhr

Der beste Morten Olsen aller Zeiten? "Ich kann noch besser spielen"

Der beste Morten Olsen aller Zeiten? "Ich kann noch besser spielen"

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recke Morten Olsen wurde 2019 Weltmeister mit Dänemark.
Recke Morten Olsen wurde 2019 Weltmeister mit Dänemark. © Frank Molter/dpa / BoxAmstrup
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Die NP-Sportlerwahl 2019 – am 21. Januar küren wir unsere Top-Athleten bei der Sportgala im Theater am Aegi. Sie bestimmen mit Ihrer Wahl, wer oben steht. Wir stellen täglich einen Kandidaten vor. Diesmal: Handball-Star Morten Olsen (35) von den Recken.

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Herr Olsen, Ihre Fingerverletzungen sind kurz vor der EM immer noch nicht auskuriert. Ist Ihre Hand eigentlich versichert?

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Nein. Klar könnte man eine Unfallversicherung abschließen. In meinem Alter ist das aber echt teuer. Ich habe mal ein Angebot bekommen aus Dänemark für über 30-Jährige. Viel zu teuer. Das macht keinen Sinn.

Sie haben vorzeitig für Sommer einen Vertrag bei GOG Handbold unterschrieben. Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass Sie doch noch ein Jahr hier bleiben?

Es gibt keine Klausel. Ich habe einfach für drei Jahre unterschrieben.


GOG sagt nicht: Ach, bleib doch noch ruhig in Hannover?

Nein, die freuen sich natürlich, dass ich im Sommer komme.

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Andreas Toba - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 ©

Bereuen Sie es schon, dass Sie so vorzeitig bei Gudme unterschrieben haben? Würden Sie nicht doch noch gerne in Hannover weiterspielen, jetzt, wo es so gut läuft?

Nein, ich bereue das nicht. Die Entscheidung habe ich bewusst frühzeitig gefasst. Es ist ja generell schwierig, richtige Zeitpunkte zu finden. Hinterher kann man immer sagen: Hätte ich mal. Ich und meine Familie haben einfach zeitig entschieden: Nächsten Sommer ist Schluss in Deutschland, dann gehen wir zur Familie in Dänemark. Von dem Zeitpunkt an wusste ich: Ok, jetzt habe ich noch ein Jahr. Das hat es mir leichter gemacht. Wenn ich mich später entschieden hätte, wäre es schwieriger gewesen, Stopp zu sagen. Dann macht man immer weiter.

Und verpasst möglicherweise den Absprung ...

Genau. Angenommen, ich hätte mich jetzt erst im Februar entschieden, doch noch ein Jahr in Hannover dranzuhängen. Dann spielen wir ein paar schlechte Monate, werden Sechster und schaffen doch keinen Platz für den EHF-Cup. Es ist gut so, wie es ist. Es gibt doch nichts Schöneres, keinen besseren Weg, den Verein zu verlassen, als mit einer Erfolgssaison. Es war als Kind ein Traum, in Deutschland Handball zu spielen. Jetzt sind es schon acht Jahre. Und ich habe jede Sekunde genossen. Im letzten Sommer habe ich mir fest vorgenommen, noch eine richtig gute letzte Saison abzuliefern, zu genießen und so viel Spaß zu haben wie möglich.

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TV-Experte Stefan Kretzschmar hat gesagt, man müsse in Hannover die Halle oder eine Straße nach Ihnen benennen ...

Das ist wohl etwas übertrieben. Hannover liegt mir sehr am Herzen. Ich würde auch niemals sagen, dass ich nicht eines Tages zurückkommen werde. Es ist einfach eine geile Stadt und nicht so weit weg von Dänemark. Wenn ich daran denke, wie der Verein sich nach vorn entwickelt hat, was wir hier gemeinsam aufgebaut haben – da bin ich schon stolz drauf. Ich ärgere mich nur, dass ich nicht zehn Jahre am Stück hier war ...

Kandidat für die NP-Sportlerwahl 2019: Morten Olsen

Sie meinen Ihren Wechsel 2013 für zwei Jahre nach Frankreich. Auch damals haben Sie frühzeitig entschieden zu gehen. Und dann haben sich die Recken für den EHF-Cup qualifiziert ...

Aber auch das war ja damals nicht abzusehen. Wir haben all die Jahre davor immer unten gespielt.

In dieser Saison können die Recken sogar das Double gewinnen. Wie realistisch sind die Chancen?

In der Liga haben wir von den Mannschaften da oben das schwerste Programm mit fünf Auswärtsspielen bei Topteams und nur einem daheim. Das Schwierige wird sein, Anfang Februar, wenn es weitergeht, direkt wieder die Erfolgswelle zu erwischen. Ich glaube, dass wir im Pokal das Final Four gewinnen können. Wir haben eine Mannschaft, die an zwei Tagen überragend spielen kann. Wir sind jetzt das dritte Mal da – und dieses Mal wollen wir auch den Pokal gewinnen. Die Meisterschaft zu gewinnen ist weitaus schwerer. Wir gehören nicht zu den Favoriten. Die anderen haben einen breiteren Kader.

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Privat ist Ihre Familie seit dem Sommer auch breiter aufgestellt. Sie und Ihre Frau haben einen zweiten Sohn bekommen, Viggo. Wie läuft es zu Hause?

Mit dem ersten Sohn Alfred war es noch einfach für mich und meine Frau. Die Aufgaben waren locker zu verteilen. Windeln wechsle ich natürlich auch. Jetzt mit Viggo ist es viel anstrengender. Er schläft zudem nachts nicht gut. Meine Frau ist ganz oft wach, muss stillen. Also muss ich viel mehr für Alfred da sein. Es erfordert mit zwei Kindern einfach alles viel mehr Zeit. Die Tage gehen nur so dahin. Das ist unfassbar.

Bleibt da noch Gelegenheit für Hobbys?

Nein. Ich habe keine Zeit mehr (lacht). Auch für Krafttraining, was ich so liebe, ist kaum noch Zeit da. Ich kann ja nicht einfach das Haus verlassen, wann ich will, und meine Frau alleine lassen mit den zwei Kindern. Das geht nicht. Aber egal, wie anstrengend das alles ist: Ich bin ein Familienmensch.

Alle Experten sind sich einig: Wir sehen gerade den besten Morten Olsen aller Zeiten. Ist das wirklich so?

Ich hatte schon ähnlich gute Jahre. In dieser Saison sind wir einfach ein richtig starkes Team. Wir spielen alle gut zusammen. Es macht einfach Spaß, vor allem mit den jungen Spielern rechts und links von mir. Aber ja, es ist wohl meine beste Saison. Aber ich glaube auch, dass ich noch besser spielen könnte.

Wer soll Sie ersetzen?

Es ist schwierig, einen Nachfolger zu finden. Aber ich muss sagen, dass unsere jungen Recken Alfred Jönsson und Veit Mävers das mittel- bis langfristig richtig gut hinbekommen können. Alfred ist ein überragendes Talent, ein richtig guter Handballer. Wir wissen in der Mannschaft, wie gut er ist. Er kommt gerade erst aus Schweden und braucht einfach noch ein bisschen Zeit.

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Zur Person:

Der 35-jährige Handballer Morten Olsen spielt seine letzte Saison für die Recken. Im Sommer kehrt der Däne zu seinem ersten Verein GOG Gudme zurück. Nach Hannover war Olsen 2010 gekommen. 2013 ging er für zwei Jahre nach Frankeich und kurz nach Katar. Dann kam der verlorene Sohn zurück zu den Recken. Olsen führte die TSV Hannover-Burgdorf schon zweimal nach Europa. Aktuell sieht es nach einem dritten Mal aus. Die Sky-Zuschauer wählten ihn zum Spieler des Jahres 2019. Im Januar führte er Dänemark zum Triumph bei der Heim-WM. Jetzt will der Olympiasieger von 2016 bei der EM den letzten großen Titel, der ihm noch fehlt.