16. Dezember 2019 / 10:40 Uhr

Sprinterin Luna Bulmahn über ihren rasanten Aufstieg: "Damit konnte niemand rechnen"

Sprinterin Luna Bulmahn über ihren rasanten Aufstieg: "Damit konnte niemand rechnen"

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hat ein überragendes Jahr hinter sich: Sprinterin Luna Bulmahn aus Hannover.
Hat ein überragendes Jahr hinter sich: Sprinterin Luna Bulmahn aus Hannover.
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Am 21. Januar findet die NP-Sportlerwahl im Theater am Aegi statt. Ihr entscheidet, welche Kandidaten am Ende gewinnen. Dafür stellen wir euch täglich die Kandidaten und Kandidatinnen vor. Diesmal: Leichtathletin Luna Bulmahn.

Dieses Jahr ist ein Vollsprint gewesen: Als jüngste Athletin ist Luna Bulmahn zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften nach Doha gefahren. Zuvor schockte die 20-jährige 400-Meter-Sprinterin aus Hannover die nationale Konkurrenz mit ihrem Finalsieg bei den deutschen Titelkämpfen. Und doch bleibt die sympathische Studentin ganz bescheiden.

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Frau Bulmahn, aus dem Nichts sind Sie in nur einem Jahr in die nationale Spitze gesprintet. Deutsche Meisterin, U23-Europameisterschaft, Weltmeisterschaft in Doha. War das nicht selbst für eine 400-Meter-Läuferin zu schnell?

Das ging schon alles sehr schnell, damit konnte niemand rechnen. Es gab vier Großereignisse dieses Jahr – und ich war überall dabei. Eine unglaubliche Erfahrung.

Wie erklären Sie sich Ihre Leistungsexplosion? In nur einem Jahr haben Sie Ihre Bestzeit um mehr als drei Sekunden pulverisiert.

Wenn ich das wüsste. Ich bin erst ein Jahr über 400 Meter gelaufen, habe jetzt mein zweites Jahr hinter mir. Der Wechsel von 200 auf 400 Meter war schwierig, mir fehlte die Ausdauer. Das geht nicht in einem Jahr, und ich sehe, dass ich noch Potenzial habe.

Eine Sekunde schneller dürfte für die Olympischen Spiele in Tokio reichen.


Tokio ist natürlich das große Ziel. Ich muss jetzt aber auch bei großen Veranstaltungen starten, um Punkte für die Weltrangliste zu sammeln.

Also keine Kreismeisterschaften.

Leider nicht. Um eine gute Zeit über die 400 Meter zu erzielen, muss ich leistungsstarke Gegnerinnen in meinem Lauf haben. Sonst läuft man nicht richtig. Daher werden es für mich wohl eher nicht die Kreiswettkämpfe.

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Imke Onnen - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 ©

Wieso eigentlich 400 Meter, die schmerzhafteste Sprintstrecke überhaupt? Quälen Sie sich gern?

Privat nicht, im Training macht’s Spaß. Ich mag diese harten Trainingsläufe und ich mag es auf jeden Fall lieber, den Körper völlig zu übersäuern, als irgendwelche Ausdauerläufe oder Krafttraining.

Die WM in Doha sollte eigentlich der absolute Höhepunkt der Saison werden.

Na ja, das Ambiente und die Atmosphäre waren nicht wie für eine Weltmeisterschaft erwartet. Am besten empfand ich es bei den deutschen Meisterschaften in Berlin. Mit Abstand. Das ist für eine WM doch wirklich sehr traurig. Doha war superheiß – wir konnten gar nicht aus dem Hotel. Man sollte es Athleten nicht antun, unter solchen Bedingungen zu starten. Für mich war die WM trotzdem lehrreich und eine tolle Erfahrung.

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Andreas Toba - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 ©

Sie sind in der Mixed-Staffel gelaufen, verpassten das Finale. Drei von vier Athleten gehören eigentlich in den U23-Kader. Ein Nachteil?

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Es war schade, dass viele Leistungsträger verletzungsbedingt ausgefallen sind. 2020 müssen die Erfahrenen wieder die Führungsrolle übernehmen. Wir hatten bei der WM in Doha keine Athletin, an die wir uns wenden konnten. Uns fehlte der Fixpunkt.

Woran machen Sie das fest?

Ein kleines Beispiel: Mit meiner Trainingspartnerin Ruth Spelmeyer bin ich bei den World Relays in Japan gestartet (Inoffizielle Staffel-Weltmeisterschaf; Anm. d. Red.). Wir Jüngeren waren total aufgeregt. Ruth mit ihrer Erfahrung hat uns die Angst genommen, uns Mut zugesprochen. Wir waren noch motivierter, uns wurde der Weg gewiesen.

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Bei den deutschen Meisterschaften waren Sie alle Konkurrenten.

Das gehört dazu, aber wir haben ganz sicher keinen Zickenterror. Ruth wusste genau, was ich im Training geleistet habe, und freute sich deswegen sehr für mich. Sie bekam mit, dass es mir nach vielen Trainingseinheiten nicht gut ging – und ich Mühe hatte, zum Zug zu kommen. Es war also überhaupt kein Konkurrenzdenken vorhanden. Bei anderen Sportlern ist es natürlich ein wenig anders, sie kannten mich nicht. Für sie war es sicher sehr schwierig zu akzeptieren, dass ich plötzlich da vorne stand. Ich war nicht einmal in der Jugend erfolgreich. Mein Erfolg kam quasi aus dem Nichts.

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Kandidat für die NP-Sportlerwahl 2019: Luna Bulmahn

Stört Sie diese Kritik?

Damit muss man im Sport umgehen. Wir alle wissen, dass wir nicht das Höllengeld verdienen und ein zweites Standbein neben dem Sport brauchen – sei es mit einem Studium oder als Influencer in Social Media. Was ist mir wichtiger? Sportler sind Sportler und keine Influencer. Es kommt auf die Einstellung zum Sport und zur Prioritätensetzung im Privatleben an.

Klare Kante – und wie geht es nach diesem steilen Aufstieg nun 2020 sportlich weiter? Gold in Tokio?

Mit meinen 20 Jahren muss es nicht mein Ziel sein, im Einzelwettkampf bei Olympia zu starten. Auch wenn es natürlich ein Traum wäre. Aber ich habe noch Zeit. Ich möchte jetzt erst mal Konstanz in meine Leistungen bringen. Wir müssen alle 400-Meter-Läuferinnen in Deutschland mobilisieren, damit nicht nur eine einzige vorneweg läuft. Sicherlich ist eine Leistungssteigerung über die 400 Meter in Deutschland notwendig, um International eine Rolle zu spielen. Das müssen wir angehen.