12. Dezember 2019 / 09:31 Uhr

Olympia im Hinterkopf: Carlotta Nwajide "ist am Punkt, Traum verwirklichen zu können"

Olympia im Hinterkopf: Carlotta Nwajide "ist am Punkt, Traum verwirklichen zu können"

Jens Strube
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Carlotta Nwajide vom DRC hat derzeit alles aufs Rudern - und die Olympischen Spiele ausgelegt.
Carlotta Nwajide vom DRC hat derzeit alles aufs Rudern - und die Olympischen Spiele ausgelegt. © Christian Schwier
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Am 21. Januar findet die NP-Sportlerwahl im Theater am Aegi statt. Ihr entscheidet, welche Kandidaten am Ende gewinnen. Dafür stellen wir euch täglich die Kandidaten und Kandidatinnen vor. Diesmal: Ruderin Carlotta Nwajide vom DRC Hannover.

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Wie sind Sie zum Rudern gekommen?

Es hat alles in der Schule mit der Ruder-AG angefangen. Da ist damals in der fünften Klasse der Lehrer durch die Klassen gegangen und hat gefragt, wer rudern möchte. Meine Freundinnen hatten Lust, ich eher weniger. Ich bin da aber aus Gruppenzwang mitgegangen und dann als Einzige bis zum Ende dabeigeblieben.

Sie wohnen in Berlin. Vermissen Sie etwas an Hannover?

Auf jeden Fall. Ich vermisse schon das Training mit meiner Trainingsgruppe. Hin und wieder aber auch einfach mein früheres Leben hier, besonders meine Freunde und Familie. Auch das Studium fehlt mir aktuell. Das ist ein toller Ausgleich zum Sport.

Welche Rolle übernimmt das Rudern in Ihrem Leben?

Eine sehr große. Früher bin ich immer für das nächstmögliche Saisonziel, speziell die WM, gerudert. Aber dieses Jahr habe ich besonders die Olympischen Spiele im Hinterkopf. Ich bin jetzt an dem Punkt, meinen Traum verwirklichen zu können. Deshalb habe ich derzeit auch alles auf das Rudern ausgelegt.

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Imke Onnen - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 ©

Sie haben in diesem Jahr EM-Gold im Doppelzweier geholt. War das auch das sportliche Highlight 2019?

Gezwungenermaßen leider schon. Eigentlich wäre mein sportliches Highlight die WM gewesen. Die musste ich aber leider absagen, weil ich vor dem Turnier eine Thrombose bekommen habe. Das war schon sehr bitter. Dennoch war es eine gute Saison, weil wir den EM-Titel gewonnen haben. Das kam auch echt überraschend.

Wieso?

Ich habe gedacht, dass wir eventuell eine Medaille holen können, wenn es gut läuft. Dass wir (mit Leonie Menzel) direkt gewinnen, war schon etwas sehr besonderes. Wir wurden erst kurz vor dem Turnier in ein Boot gesetzt, haben uns aber von Anfang an sehr gut verstanden, weil wir die gleiche Idee vom Rudern haben. Es war nur schade, dass wir das dann nicht noch mal bei der WM zeigen konnten.

Wie sehr hat Sie die erzwungene WM-Absage getroffen?

Sehr doll. Die WM hat schon die höchste Priorität, ist der Saisonhöhepunkt. Dafür trainiert man das ganze Jahr. Gerade im vorolympischen Jahr ist es schon sehr wichtig zu sehen, wie man im internationalen Vergleich dasteht. Es war schon sehr traurig.

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Waren Sie in der Zeit in der Form Ihres Lebens?

Ich war auf jeden Fall sehr gut drauf, es lief schon sehr gut. Ich war auf alle Fälle in Topform.

Hatten Sie bei der Thrombose mehr Sorgen um sich, oder stand für Sie das Sportliche im Vordergrund?

Im ersten Augenblick war es schon die WM-Absage. Das würde vermutlich jedem Leistungssportler so gehen, weil wir einfach unser Leben nach dem Sport ausrichten und das immer an erster Stelle steht. Da denkt man nicht zuerst an die Gesundheit, sondern ob man trainieren kann oder nicht, kann ich Wettkämpfe fahren oder kann ich keine fahren.

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Aber?

Im zweiten Augenblick habe ich mir schon gedacht, dass eine Thrombose eine ernst zu nehmende Erkrankung ist. Ich war einfach sauer auf die Gesamtsituation, warum das jetzt passiert. Aber man kann es nicht ändern. Ich versuche das jetzt so zu sehen, dass ich jetzt noch mal eine stärkere Regeneration für den Körper hatte, um dann wieder voll anzugreifen – physisch als auch mental. Man kann aus so was gestärkt und mit noch mehr Kraft zurückkommen.

Wie haben Sie die Zeit überwunden?

Ich habe einfach das Positive gesehen. Im Gegensatz zu vorher hatte ich natürlich sehr viel Zeit. Da habe ich einen Schauspielkurs und eine Interrail-Reise gemacht. Ich habe einfach das Leben genossen, was wir Leistungssportler sonst nicht so gut können, weil einfach keine Zeit da ist. Mich motiviert das auch ziemlich stark, mich danach zurückkämpfen zu müssen. Das Ganze als Aufgabe anzunehmen.

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Schauspiel und Berlin: Sehen wir Sie also bald bei GZSZ?

Nee, eher auf einer Klimaschutzdemo. Das ist auch etwas, das mir sehr stark am Herzen liegt. Da appelliere ich auch an alle Menschen, die eigene Lebensweise zu hinterfragen.

Und was ist Ihr Ziel für das nächste Jahr?

Ich möchte mich auf alle Fälle für die Olympischen Spiele qualifizieren. Und wenn ich das geschafft habe, würde ich schon sehr gerne mit einer Medaille nach Hause kommen. Am liebsten natürlich Gold.

Zur Person

Die 24-jährige Carlotta Nwajide ist gebürtige Hannoveranerin, lebt aber in Berlin. Dennoch geht die Geografiestudentin weiterhin für den DRC in Hannover an den Start. Nach WM-Silber 2018 im Doppelvierer stand Nwajide im vergangenen Sommer erstmals international ganz oben auf dem Podium: Mit der Düsseldorferin Leonie Menzel ruderte sie im Doppelzweier zu EM-Gold. Die anschließende WM musste sie aufgrund einer Thrombose absagen.