06. Januar 2020 / 11:25 Uhr

Karate-Talent Jasmin Walther: "Man geht nicht mit blauem Auge von der Matte"

Karate-Talent Jasmin Walther: "Man geht nicht mit blauem Auge von der Matte"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Karate von links: Jasmin Walther in Aktion.
Karate von links: Jasmin Walther in Aktion. © CHRISTIAN HANKE
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Die NP-Sportlerwahl 2019 – am 21. Januar küren wir unsere Topathleten bei der Sportgala im Theater am Aegi. Ihr bestimmt mit eurer Wahl, wer oben steht. Heute im Interview: Die Karate-Kämpferin Jasmin Walther (16) aus Letter.

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Jasmin, Sie sehen nicht so aus, als würden Sie sich ständig prügeln.

Karate ist ja auch kein Kampfsport, sondern eine Kampfkunst. Die Kunst dabei ist, dass man sich verteidigt und nicht angreift. Im Wettkampfsport ist dabei der Unterschied, dass wir uns nicht die Köpfe einhauen. Wir berühren uns nicht richtig. Es ist nicht wie beim Boxen, dass man mit blauem Auge und Platzwunden von der Matte geht und sich verletzen will. Ich kann so treten und schlagen, dass ich vor dem Gesicht anhalte. Ich kann das einschätzen. Es geht um Technikausführung, Koordination und Timing.

Gab’s dennoch mal gefährliche Situationen mit Freunden, bei denen Ihre Karatekünste helfen konnten?

Wenn, dann nur im Spaß. Ich mache es spielerisch mit. Wenn ein Junge ankommt, und sagt, hey, lass uns mal boxen, und andeutet, dass er mich schlagen will – das ist für mich dann sehr langsam. Die sind erschrocken, wie schnell ich da bin, wenn sie nur auf der Hälfte des Weges sind, und wie schnell eine Hand an der Wange sein kann. Ich mache mich lustig über sie.

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Imke Onnen - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 ©
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Die Frage wäre aber dennoch – wie kommt eine junge Frau dazu, so einen ungewöhnlichen Sport auszuüben?

Man beginnt mit dem Sport, der einem Spaß macht. Bei mir ist es aus Versehen passiert. Eine Freundin von mir hat mit Karate angefangen und mich gefragt, ob ich nicht mal mitkommen will. Irgendwann meinte der Trainer, dass ich das alles gut hinkriege. Ich komme aus einer Familie, in der Sport einen hohen Stellenwert hat. Ich war beim Kinderturnen, bin geschwommen und geritten – und mit sechs Jahren bei Karate gelandet.

Ich kenne Karate aus Fernsehshows. Da steht einer im weißen Anzug mit einem bunten Gürtel und schlägt 25 Dachziegel durch. Können Sie das auch?

Mit dem, was ich mache, hat das nichts zu tun – aber Karate ist weitgefächert. Im Wettkampf gibt’s zum Beispiel Kata und Kumite. Kata ist ein Bewegungsablauf gegen einen unsichtbaren Gegner. Das mache ich nicht. Ich mache Kumite, habe einen Gegner und kämpfe in der Klasse minus 59 Kilogramm.

Wie geht das alles mit Freunden und Schule zusammen?

Das ist schon sehr zeitintensiv. Am Wochenende bin ich meist unterwegs für Kadertraining oder Wettkämpfe. Unter der Woche trainiere ich meist eineinhalb bis zwei Stunden täglich. Meine Freunde können das nicht 100-prozentig nachvollziehen, finden es aber cool, eine Freundin zu haben, die Leistungssport macht und die Welt sieht.

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Sie sind 16 Jahre jung. Gerade in Ihrem Alter hören viele mit dem Sport auf, wenn sie einen Freund oder Freundin und damit andere Interessen haben.

Ich habe keinen Freund, aber die Gedanken sind immer mal wieder da. Mit der EM im Fe­bruar in Budapest habe ich jetzt ein großes Ziel vor Augen. Wenn man diese Chance hat, die vielleicht nicht wiederkommt, bin ich auch bereit, zurückzustecken. Danach wird’s ruhiger, dann kann ich mich auch wieder auf meine Freunde konzentrieren. Sie sind ja auch schon mal ein bisschen neidisch, wenn ich mitten in der Schulzeit in Venedig bin.

Und was sagen die Lehrer dazu?

Sie haben mit mir die Vereinbarung getroffen, dass ich gehen kann, solange die Noten und Leistungen stimmen.

Was war Ihr größter Erfolg?

Der Vizeweltcup 2019, und ich bin auch deutsche Vizemeisterin geworden.

Wie feiern Sie Erfolge?

Ich genieße es für mich. Die meisten Menschen sehen zwar die Titel, aber nicht die Arbeit, die dahintersteht. Das heißt für mich, dass ich damit nicht angebe und niemandem unter die Nase reibe.

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Was ist denn Sport für Sie?

Sport muss Freude machen, aber manchmal muss man sich auch quälen. Und man muss Fortschritte erkennen.

Wie lange wollen Sie wettkampfmäßig Karate betreiben?

Karate ist ja nicht so professionell wie andere Sportarten. Ich werde nie mit Karate aufhören, aber ich werde nie von Karate leben können. Mein Ziel ist, 2022 mein Abi gut zu machen, danach will ich für ein Jahr nach Australien gehen. Herumzureisen und zwischendurch zu arbeiten, das wäre perfekt.

Karate am Strand also – und was kommt nach Australien?

Das muss ich sehen. Karate wird nie mein Beruf sein. Psychologie finde ich interessant, aber auch den Bereich Management-Marketing. Ich bin gut strukturiert und organisiert. Ich kann gut planen, und ich habe durch den Leistungssport eine gute Auffassungsgabe.

Was raten Sie, warum sollten Kinder mit Karate anfangen?

Man schult seine koordinativen Fähigkeiten und das Vermögen, sich Sachen zu merken. Man wird selbstbewusster und lernt, wann man zuhören sollte. Beim Karate muss man Respekt haben. Da stellt man sich in eine Reihe, grüßt den Trainer, der vor dir steht, und verbeugt sich vor ihm. Anders als beim Fußball reicht es nicht, durch die Gegend zu laufen. Man lernt vielmehr, was man mit seinem Körper alles anfangen kann. Karate hat mich geprägt.

Kandidatin für die NP-Sportlerwahl 2019: Jasmin Walther
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