12. Dezember 2018 / 20:49 Uhr

NP-Talk "Anstoß": Niemand glaubt bei 96 an Abstieg - und alle an Breitenreiter

NP-Talk "Anstoß": Niemand glaubt bei 96 an Abstieg - und alle an Breitenreiter

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der NP-Anstoß mit Dieter Schatzschneider, Horst Heldt, Christoph Dannowski, Gerhard Schröder und Andreas Willeke.
Der NP-Anstoß mit Dieter Schatzschneider, Horst Heldt, Christoph Dannowski, Gerhard Schröder und Andreas Willeke. © Rainer-Droese
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Es ging um den Video-Schiedsrichter, die 50+1-Ausnahmeregelung, neue Wintertransfers für Hannover 96, den Trainer - und Gerhard Schröders Fußball-Amateurkarriere. am Mittwochabend sprachen in der NP-Talkrunde 96-Legende Dieter Schatzschneider, Sportbuzzer-Redakteur Andreas Willeke, 96-Manager Horst Heldt, Altkanzler und Aufsichtsratsmitglied Gerhard Schröder und Moderator Christoph Dannowski in der Kultkneipe "Nordkurve" miteinander.

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Der Altkanzler trinkt Wasser auf der Bühne und auch ein kleines Bier, so trocken sollte die NP-Talkrunde in der „Nordkurve“ ja nicht laufen. Und tatsächlich sprudelte Gerhard Schröder am Mittwochabend beim „Anstoß“, mit vielen guten Ideen und einigen ernsthaften Mahnungen für Innen- und Außenpolitik bei 96. Die SPD-Ikone, mittlerweile 74 Jahre alt und nebenbei Aufsichtsrats-Chef der 96-Profigesellschaft, glaubt nicht an Hannovers Abstieg, ist für den Einstieg von Investoren im Profigeschäft und hält den Videobeweis für renovierungsbedürftig.

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"In der Sache bleibt es dabei, das ist der Wahnsinn"

Im falschen Film hatte sich ja gerade Horst Heldt gefühlt. Der 96-Manager, nach seiner Anti-Video-Wutrede in Mainz zur Kultfigur geworden, hatte sich auch drei Tage später noch nicht beruhigt. „In der Sache bleibt es dabei, das ist der Wahnsinn.“ Der nicht korrigierte Schwalben-Elfmeter hatte 96 den Sieg gekostet, Heldt hat Hannovers gefährliche Verluste zusammengerechnet. „Fünf bis sechs Punkte haben uns die falschen Entscheidungen in dieser Saison gekostet.“ Der Manager kann den Videobeweis zwar leider nicht abschaffen, aber er fordert zumindest, die „Graubereiche“ bei Hand- und Foulspiel auszublenden – also am liebsten nur Abseits-Situationen zu überprüfen.

Das hat 96 ja am Ende in Mainz den Punkt gerettet. Etwas diplomatischer sieht Schröder die Video-Sache, er wünscht sich als Lösung, dass künftig nur noch die Entscheidungen gecheckt werden, die „nichts mit Absicht oder Nicht-Absicht“ zu tun haben, also auch vor allem Abseits. „Falsch“ fände der Ex-Kanzler, wie von Experten vorgeschlagen, Ex-Profis an die Kontrollschirme zu setzen. „Soll der Schatzschneider etwa am Samstag über die Bayern urteilen?“ 96-Sturmlegende Schatzschneider hat indes eine klare Video-Meinung: „Tut dem Fußball nicht gut.“

Diese Duelle von Hannover 96 und dem FC Bayern München blieben in Erinnerung:

In der Saison 1987/88 schien vor ausverkauftem Haus für die frisch wiederaufgestiegenen Roten im Heimspiel gegen den FC Bayern München alles wie immer zu laufen. Hans Pflügler traf nach Standard zur frühen Gästeführung. Doch diesen Vorsprung auszubauen, gelang dem FCB nicht. Per Kopf besorgte Peter Hobday nach dem Wechsel den umjubelten Ausgleich (Foto) gegen Jean-Marie Pfaff im Gästetor. Doch damit nicht genug: Der entfesselt aufspielende Aufsteiger legte sogar noch einen drauf. Gregor Grillemeier traf mit seinem fulminanten Fernschuss zum 2:1. Der Rekordmeister war besiegt, die Bayern hatten den Meistertitel so gut wie sicher an Werder Bremen verloren. Zur Galerie
In der Saison 1987/88 schien vor ausverkauftem Haus für die frisch wiederaufgestiegenen Roten im Heimspiel gegen den FC Bayern München alles wie immer zu laufen. Hans Pflügler traf nach Standard zur frühen Gästeführung. Doch diesen Vorsprung auszubauen, gelang dem FCB nicht. Per Kopf besorgte Peter Hobday nach dem Wechsel den umjubelten Ausgleich (Foto) gegen Jean-Marie Pfaff im Gästetor. Doch damit nicht genug: Der entfesselt aufspielende Aufsteiger legte sogar noch einen drauf. Gregor Grillemeier traf mit seinem fulminanten Fernschuss zum 2:1. Der Rekordmeister war besiegt, die Bayern hatten den Meistertitel so gut wie sicher an Werder Bremen verloren. ©
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Schröder auf Linie mit Kind-Politik

Martin Kind war gestern Abend nicht beim „Anstoß“, seine Pläne zur Änderung der 50+1-Regelung waren trotzdem präsent. Auch hier hat Schröder eine staatsmännisch klare Meinung. „Wir können nicht mehr so tun, als würde der Profifußball unter den Bedingungen von 1954 stattfinden.“ Damit liegt der Altkanzler, früher als „Acker“ Stürmer beim TuS Talle, genau auf der Linie des streitbaren Klubchefs. Und verteidigt Kind: „Es geht hier nicht um Machtansprüche von Einzelnen.“

Auch nicht für Kind, glaubt er, aber „als Teamplayer ist er mindestens so schwierig wie ich“. Schröder kann verstehen, dass Investoren nicht wollen, dass Amateure in einem Breitensportverein über das große Geld bestimmen – und unterstützt das Kind-Modell bei 50+1. Die Vereins-Opposition will er trotzdem mitnehmen, dafür möchte Schröder gerne eine Art Agenda 96 ausrufen. „Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass keine Zwischenräume entstehen.“ Er wünscht sich, dass „sich alle zusammensetzen und rational bleiben.“ Ein bisschen Droh-Horror gab’s aber auch bei der Gerd-Show: „… oder wir gehen den Weg von Eintracht Braunschweig.“

"Spielen 4:4 gegen die Bayern"

An den Abstieg glauben indes weder Heldt noch Schröder: „Ich habe in Mainz das klare Bewusstsein bei der Mannschaft gesehen, gewinnen zu wollen“, das mache Hoffnung. Für Aktionismus hielte Schröder eine Trainerdiskussion. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das meistens nichts bringt.“ Andre Breitenreiter sei weiter der Richtige, das findet auch Schatzschneider („zu 100 Prozent“) und natürlich der Manager. Heldt weiß, „der Trainer erreicht die Mannschaft und ist auch der Chef in der Kabine“. Und bald kommt auch Verstärkung: Am Nachmittag hatten Kind, Heldt und Breitenreiter über Wintertransfers gesprochen, Schatzschneider hat dahingehend einen bescheidenen Wunsch: „Zwei Neue, vor allem für hinten.“ Und einen Tipp hatte „Schatz“ auch: „Wir spielen 4:4 gegen die Bayern.“ Da lachte auch Schröder. Sein Bier hat er auch geschafft.

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