08. Oktober 2020 / 16:13 Uhr

Nur drei Wechsel! Das macht die heimischen Bezirksligisten buchstäblich kaputt

Nur drei Wechsel! Das macht die heimischen Bezirksligisten buchstäblich kaputt

Pascal Mäkelburg
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Foto: Boris Baschin, Wolfsburg, SPORT, Fußball-Bezirksliga 1 Staffel A, VfB Fallersleben - TSV Hillerse
Hoffentlich kann er weiterspielen: Wenn in der Bezirksliga Spieler zu Boden gehen (wie hier der Fallersleber gegen Hillerse), sind die Trainer so besorgt wie noch nie. © Boris Baschin
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Spiel um Spiel, ein dichtgedrängter Plan, aber wie gehabt nur drei Auswechslungen erlaubt - Bezirksligisten im Kreis Wolfsburg und Gifhorn haben die Lazarette voll und schlagen Alarm.

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Alle drei Tage ein Spiel – und das seit Wochen. Sieben Pflichtspiele haben die meisten der hiesigen Landes- und Bezirksliga-Fußballer innerhalb des vergangenen Monats bestreiten müssen. Wo selbst Profi-Sportler ans Limit kommen, ist dieses bei den Amateursportlern schon längst überschritten. Die allermeisten Teams gleichen eher einem Lazarett als einer Fußballmannschaft. Nun schlagen die Trainer Alarm!

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Es läuft die 64. Spielminute in der Bezirksliga-A-Partie zwischen Aufsteiger Germania Ummern und Titel-Mitfavorit TuS Neudorf-Platendorf. Soeben hatte Ummerns Super-Goalgetter Vitali Sterz erst zum 1:1-Ausgleich für den Außenseiter getroffen. Nun jedoch merkt selbst eine (Tor-)Maschine wie Sterz seinen Körper: Die Muskeln fangen an zu kribbeln. Diesen einen gut getimeten, langen Ball seines Mitspielers will er aber nochmal erlaufen und nimmt seine letzte Kraft zusammen, zieht zum Sprint an und will aus spitzem Winkel abschließen. Doch daraus wird nichts. Vorher macht der Oberschenkel zu. Zerrung! TuS-Keeper Marcel Horn hält den Ball locker. „Ich bin mir sicher, dass Vita den Ball unter normalen Belastungsumständen reingehauen hätte“, sagt VfL-Coach Jörg Drangmeister hinterher. Die Partie verlor sein Team schließlich mit 1:3.

So wie Ummerns Leistungsträger Sterz erging es nicht erst am vergangenen Wochenende vielen, vielen Kickern in den Kreisen Gifhorn und Wolfsburg. Insbesondere die Landes- und Bezirksligisten waren durch die erste Bezirkspokal-Runde im September mit Hin- und Rückspielen im Dauereinsatz. Einige, wie der TuS Neudorf-Platendorf oder der TSV Hehlingen, machten da wegen Verletzungssorgen schon nicht mehr alle Spiele. Spätestens jetzt zeigen die allermeisten Körper eine Reaktion auf die für Amateursportlern außergewöhnlich hohe Belastung. Vor allem nach der langen Corona-Pause. In beiden Bezirksliga-Staffeln mussten gleich 13 Spieler schon zur Halbzeit oder noch früher ausgewechselt werden. Andere hielten nur unwesentlich länger durch. Der TSV Hillerse musste das Gastspiel beim VfB Fallersleben sogar dezimiert beenden, als das Auswechselkontingent erschöpft war und der nächste nicht mehr konnte.. „Es sind einfach viel zu viele Spiele gewesen. Wenn es schon eine Pokalrunde geben muss, dann hätte man sich rückblickend wenigstens die Rückrunde und die englischen Wochen sparen können“, sagt VfB-Trainer Lars Ebeling, der zugibt, die Belastung selbst unterschätzt zu haben. „Aber das soll kein Vorwurf an die Entscheider sein, hinterher ist man immer schlauer.“

Bezirksliga Staffel A: VfB Fallersleben gegen TSV Hillerse

Bezirksliga Staffel A: VfB Fallersleben gegen TSV Hillerse Zur Galerie
Bezirksliga Staffel A: VfB Fallersleben gegen TSV Hillerse © Boris Baschin

Regeländerung erwünscht

Doch schon während der Pokalspiele hatte Vordorfs Übungsleiter Heinz-Günter Scheil Alarm geschlagen, sagte: „Die Jungs haben teilweise Angst gehabt, morgens stocksteif aufzustehen und nicht zur Arbeit zu können, weil die Muskulatur streikt.“ Arbeiten müssen Profis neben dem Fußball eher nicht mehr – und trotzdem haben selbst die bei vielen englischen Wochen Probleme. Umso unverständlicher ist es für die Trainer, warum sie immer noch sogar seltener wechseln dürfen als Hansi Flick und Co. „In der Bundesliga, ja selbst in der Champions League, sind mittlerweile fünf Wechsel pro Team erlaubt. Also warum nicht auch im Bezirk Braunschweig?“, stößt Drangmeister eine Regeländerung. In den Bezirken Hannover und Lüneburg darf bereits immerhin viermal gewechselt werden.

So bleibt vorerst ein nie dagewesenes flächendeckendes Lazarett mit angeschlagenen Spielern. Das hat auch Auswirkungen: „Stand jetzt gibt es natürlich leider erhebliche Einschränkungen für den Wettbewerb. Wer jetzt auch nur eine kleinere Verletzung hat, der fällt ja schon die halbe Hinrunde aus“, bilanziert Ebeling im Hinblick auf den kurzen Spielplan. Am 28. November geht’s ja schon wieder in die Winterpause. Deshalb sind die Verletzungen wie jene von Sterz gleich doppelt bitter. Es ist nur zu wünschen, dass sich nicht nur Ummerns Leistungsträger sondern auch die vielen, vielen anderen Amateurkicker schnell von der enormen Belastung der vergangenen Wochen erholen werden und noch ein fairer Wettbewerb über die Bühne gehen kann.

So tippt Jörg Drangmeister den Landesliga-Spieltag

Staffel A:

TSG Mörse – TSV Hehlingen 3:1. „Mörse wird sich nach dem 0:2-Dämpfer in Barnstorf erholt haben.“
TuS Neudorf-Platendorf – SV Barnstorf 1:2. „Barnstorf war schon zum Start gegen Mörse stark und wird sich auch gegen den TuS durchsetzen.“
FSV Adenbüttel/Rethen – VfL Germania Ummern 1:1. „Wir haben große Verletzungssorgen, vor allem im offensiven Bereich. Das Ziel ist es, trotzdem einen Punkt mitzunehmen.“
TSV Hillerse – VfR Wilsche/Neubokel 4:1. „Hillerse ist für mich der Favorit in der Staffel.“
MTV Gamsen – VfB Fallersleben 1:3. „Ich schätze den VfB individuell stärker ein.“

Staffel B:

TSV Vordorf – Lupo/Martini Wolfsburg II 1:1. „Lupo wird sich nach der Auftaktniederlage anschicken, mindestens einen Punkt zu holen.."
SV Gifhorn – Türkgücü Helmstedt 2:1. „SV war letztes Jahr stark, wird wieder oben mitspielen.“
FC Brome – WSV Wendschott 2:2. „WSV hat sich gut verstärkt, aber Brome schätze ich auch als unangenehm ein.“
1. FC Wolfsburg – VfL Wahrenholz 2:1. „Der FC wird seinen guten Start bestätigen.“