11. Oktober 2020 / 19:17 Uhr

Nur ein Punkt für die VfL-Frauen: Darum nimmt's Trainer Lerch auf seine Kappe

Nur ein Punkt für die VfL-Frauen: Darum nimmt's Trainer Lerch auf seine Kappe

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
 Punkte verloren: Freiburg bejubelt das 1:1 durch Hasret Kayikci, Wolfsburg-Trainer Stephan Lerch nahm es auf seine Kappe.
Punkte verloren: Freiburg bejubelt das 1:1 durch Hasret Kayikci, Wolfsburg-Trainer Stephan Lerch nahm es auf seine Kappe. © imago images/Beautiful Sports
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Erstmals seit 2018 haben die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg Punkte gegen ein Bundesliga-Team liegen gelassen, das nicht Bayern München heißt. Dass es am Ende in Freiburg 1:1 hieß, nahm Trainer Lerch auf seine Kappe - und das hatte mit der Verletzung von Alexandra Popp zu tun.

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Bitterer Sonntagmittag für Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg: Beim Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg gab es nicht nur ein unglückliches 1:1 und damit die ersten verlorenen Punkte der Saison - sondern auch noch die Verletzung von Kapitänin Alexandra Popp. Die Nationalspielerin musste kurz vor Schluss vom Platz getragen werden, nachdem sie sich nach einem Luftzweikampf den Fuß verdreht hatte. Mit bandagiertem Fuß trat sie die Heimreise nach Wolfsburg an, eine genau Diagnose gibt es womöglich heute. Trainer Stephan Lerch: "Wir müssen schauen, was da ist."

Als Popp vom Feld musste, führte der VfL seit einer guten Viertelstunde im Möslestadion durch ein Tor der eingewechselten Zsanett Jakabfi mit 1:0. Weil der VfL schon fünfmal gewechselt hatte, mussten die Wolfsburgerinnen die Partie zu Zehnt beenden und kassierten prompt in der fünften Minute der Nachspielzeit den Gegentreffer, als Hasret Kayikci eine Flanke aus dem Halbfeld per Kopf verwertete. Der VfL hat damit erstmals seit 2018 wieder Punkte gegen ein Bundesliga-Team liegen gelassen, das nicht Bayern München heißt.

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Aus Sicht von der Trainer Lerch wäre das zu Elft nicht passiert - deshalb nahm er "das Unentschieden, das sich wie eine Niederlage anfühlt", auf seine Kappe. "Ich habe der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen, indem ich den letzten Wechsel schon sehr früh vorgenommen habe", so der 36-Jährige ehrlich. In der 80. Minute kam Kathrin Hendrich für Lena Goeßling in die Partie, Popp verletzte sich nur wenige Minuten später.

Deswegen machte er "der Mannschaft gar keinen Vorwurf, dass es nicht mehr zu den drei Punkten gereicht hat. Sie hat in der zweiten Halbzeit super Fußball gespielt und eine tolle Moral und Motivation gezeigt. Auch der Wille, die Partie zu gewinnen, war da." Doch die Verletzung und eine Spielerin weniger auf dem Platz zu kompensieren, habe "Kraft gekostet. Was da passiert ist, nehme ich größtenteils auf meine Kappe und gebe keine Schuld an die Mannschaft. Wir müssen das abhaken und nach vorne schauen."

Popps Verletzung setzt unter Umständen die schwarze Stürmerinnen-Serie des VfL in dieser Saison fort. Erst am Freitag hatte der Titelverteidiger bekannt gegeben, dass sich Stürmerin Pauline Bremer das Kreuzband gerissen hat, auch Ewa Pajor und Fridolina Rolfö fallen bereits aus.

"Wir sind sehr enttäuscht und niedergeschlagen", so Lerch, "denn wir hätten das Spiel gewinnen müssen. Wir waren in der zweiten Halbzeit drückend überlegen und Freiburg hatte aus dem Spiel heraus keine richtige Chance."

Jakabfi: "Fühlt sich beschissen an"

Auch Torschützin Jakabfi war sich nicht sicher, welches Gefühl überwiegt: "Das ist jetzt beides nicht einfach, gerade so kurz nach nach dem Spiel. Ich bin schon sehr traurig, enttäuscht und sauer, weil eben in der letzten Sekunde noch das Gegentor gefallen ist. Wir haben um die drei Punkte gekämpft und wollten sie mitnehmen, konnten die Aufgabe aber nicht erfüllen." Bei Popp hoffe sie natürlich, dass es "nicht allzu schlimm ist. Aber es ist nicht einfach, jetzt etwas zu sagen. Man ist einfach von den Gefühlen her so leer und es tut beides sehr weh: die Verletzung und das später Gegentor." Ihr zwischenzeitliches Tor zum 1:0 "ist mir jetzt egal. Es fühlt sich einfach beschissen an, dieses Spiel in letzter Sekunde noch zu verlieren. Ich hätte das Spiel lieber gewonnen, ganz egal wer das Tor schießt."

Durch das Unentschieden rutschte der VfL auf den zweiten Tabellenplatz ab. Angeführt wird die Liga vom FC Bayern, der parallel mit 4:0 in Hoffenheim siegte. Neben den Münchnerinnen (18 Punkte) müssen die Wolfsburgerinnen aber auch noch mit Turbine Potsdam rechnen, die punktgleich (16 Zähler) auf dem dritten Tabellenplatz lauern. "Wenn wir uns die Zahlen anschauen, sind wir jetzt in der Verfolger-Rolle", so Lerch, aber: "Es sind auch nur zwei Punkte, sie sind also jetzt nicht weit weg. Wir haben noch die direkten Duelle und alles ist noch drin. Wir dürfen uns jetzt nichts mehr erlauben und müssen unsere Hausaufgaben machen."