05. Mai 2022 / 20:37 Uhr

Nur sechs Tore in Halbzeit Zwei: SC DHfK Leipzig verliert deutlich gegen Kiel

Nur sechs Tore in Halbzeit Zwei: SC DHfK Leipzig verliert deutlich gegen Kiel

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
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Schmerzhaft: Der SC DHfK Leipzig verliert deutlich gegen Kiel. © Christian Modla
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30 Minuten lang bieten die Leipziger Handballer dem großen THW Kiel Paroli, gehen gar mit einer Führung in die Kabine - um im zweiten Spielabschnitt nur sechs eigene Treffer zu erzielen.

Leipzig. „Die verlieren in dieser Saison kein Spiel mehr.“ Diese mutige Prognose gab Sky-Handball-Experte Stefan Kretzschmar am Donnerstag eine Viertelstunde vor Spielbeginn ab. „Kretzsche“ meinte logischerweise nicht die DHfK-Männer, die zuletzt zwei Niederlagen kassiert hatten und ein schweres Restprogramm vor der Brust haben. Vielmehr sprach der gebürtige Leipziger vom DHfK-Gegner THW Kiel, der in den vergangenen Wochen 13 von 14 Partien gewonnen hat, vor Selbstvertrauen strotzt. „In Bestbesetzung sind die Kieler eines der besten europäischen Teams.“ Und ja: Der THW hatte tatsächlich in der Arena Leipzig alle Stars an Bord. Zwei Stunden später sollte Stefan Kretzschmar zumindest für diesen Abend Recht behalten: Die Leipziger konnten den Favoriten nur eine Halbzeit lang unter Druck setzen und unterlagen vor 4047 anfangs begeisterten Zuschauern 20:31 (14:13).

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Nach einer wirklich starken ersten Hälfte der Gastgeber (konzentriertes Auftreten, kaum Fehler) gab es Parallelen zum 25:29 der Grün-Weißen am Sonntag in Stuttgart. Erneut verschliefen die Sachsen den Start in den Durchgang zwei. Innerhalb von 14 Minuten wurde aus einer knappen und verdienten Führung ein Acht-Tore-Minus. In dieser Phase versuchte Trainer André Haber diesmal gleich doppelt, den Negativtrend mit Auszeiten zu stoppen. Doch seine Worte in der 34. und 38. Minute erreichten die Köpfe seiner Profis nicht. „Keiner nimmt die Köpfe runter“, sagte der Coach zunächst. In seiner letzten Auszeit appellierte Haber: „Wir spielen immer noch zu Hause! 4000 Leute sind hier! Brust raus, Kopf hoch!“ Es half nichts. Am Ende sollte Stefan Kretzschmar Recht behalten. Der hatte in Anlehnung an die jüngsten Auftritte prophezeit: „Es gibt Phasen im Leiüziger Spiel, wo plötzlich gar nichts mehr geht. Diese muss der THW nutzen.“ Und wie er sie nutzte.

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Der SC DHfK Leipzig verliert das Heimspiel gegen den THW deutlich mit 20:31. Zur Galerie
Der SC DHfK Leipzig verliert das Heimspiel gegen den THW deutlich mit 20:31. ©

Immerhin: Die Leipziger Fans feuerten ihr Team auch in der Phase lautstark an, als so gut wie nichts lief. Es sollte aber bis zur 50. Minute (!) dauern, ehe die Sachsen nach zwei Strafwürfen ihr erstes Tor in Durchgang zwei aus dem Spiel heraus erzielten. Typisch für die gebrauchte zweite Hälfte: Marc Esche traf letztlich nicht mal mehr das leere Tor. Die zweite Hälfte endete sage und schreibe 6:18.

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DHfK-Kapitän Alen Milosevic meinte am Sky-Mikro: „Ich bin erst mal sprachlos und fassungslos. Nach einer tollen ersten Halbzeit machen wir das, was Kiel will: Wir werfen überhastet und kopflos. Wir hatten am Ende keine Chance. Wir müssen nach vorn schauen und an den Dingen arbeiten, die gerade schieflaufen. Platz fünf ist noch in Reichweite.“ Kiels Trainer Filip Jicha war mehr als zufrieden: „Wir haben super gespielt und voll durchgezogen. Das Spiel Sieben gegen Sechs ist in Hälfte zwei hervorragend aufgegangen. Ich bin sehr froh, dass wir in Leipzig auch in dieser Höhe gewonnen haben.“ Sein Team ist für das Viertelfinale der Champions League gegen Paris gerüstet.

Lucas Krzikalla fügte an: "Es war ein Spiel mit zwei Gesichtern. Die erste Halbzeit lief noch ziemlich gut, dann ging nichts mehr. Die Kieler haben clever gespielt und gute Lösungen gefunden. Die Stimmung in der Halle war dennoch super. Wir hätten den Zuschauern gerne mehr geboten. Gegen die Füchse wird es im nächsten Spiel auswärts auch nicht leicht. Für die geht es auch um wichtige Punkte." Auch André Haber war nicht glücklich, richtet den Blick aber auch wieder nach vorne: "Das war ein verdienter Sieg für Kiel. In der ersten Hälfte haben wir gut gespielt, haben es dem THW nicht leicht gemacht. In der zweiten Hälfte gab es für uns die schallende Ohrfeige. Wir haben nicht frei aufgespielt. Wir sind umgestoßen worden und liegengeblieben. Wir sind absolut selbst verantwortlich für das Endergebnis. Für das nächste Spiel gegen die Füchse Berlin wollen wir uns wieder gut vorbereiten, aber auch nichts Extravagantes machen."

mit Kathleen Retzar

DHfK-Tore: Ivic 5/2, Jotic 4, Krzikalla 4, Witzke 2, Milosevic 2, Esche 1, Binder 1, Sunnefeldt 1