10. November 2020 / 09:56 Uhr

Nur Siege und sogar eine Medaille: Leipzig hat der DFB-Elf immer Glück gebracht

Nur Siege und sogar eine Medaille: Leipzig hat der DFB-Elf immer Glück gebracht

Nils Weinert
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bisher lief es immer sehr gut, wenn die Nationalmannschaft in Leipzig spielte.
Bisher lief es immer sehr gut, wenn die Nationalmannschaft in Leipzig spielte. © dpa
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Seit der Wiedervereinigung hat die deutsche Nationalmannschaft insgesamt sechs Länderspiele in Leipzig ausgetragen. Alle Partien in der heutigen Red-Bull-Arena wurden erfolgreich bestritten. Eine Reise in die Vergangenheit – von gefeierten WM-Gastgebern bis hin zu Wiedergutmachung nach der Schmach von Russland.

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2004: Sieg gegen Schäfers Kameruner

Angefangen hat die erfolgreiche Geschichte der Nationalmannschaft in Leipzig am 17. November 2004. Etwas mehr als 15 Jahre nach dem Mauerfall empfing Deutschland die kamerunische Auswahl im ausverkauften Zentralstadion (44.200 Zuschauer).

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Ein Duell der deutschen Übungsleiter. Auf der deutschen Seite coachte Jürgen Klinsmann die DFB-Elf um Schweinsteiger, Ballack und Co. Sein Kollege gegenüber war Winfried Schäfer – seines Zeichens Ex-Trainer vom Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart.

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<b>17. November 2004:</b> Für die deutsche Mannschaft ist das Duell mit Kamerun das letzte Heimspiel des Jahres vor der anstehenden Asienreise. Im Tor der DFB-Elf tut sich Bemerkenswertes: Erstmals seit dem 17. April 2002 sitzt Keeper Oliver Kahn nur auf der Ersatzbank. Jens Lehmann steht zwischen den Pfosten. Zur Galerie
17. November 2004: Für die deutsche Mannschaft ist das Duell mit Kamerun das letzte Heimspiel des Jahres vor der anstehenden Asienreise. Im Tor der DFB-Elf tut sich Bemerkenswertes: Erstmals seit dem 17. April 2002 sitzt Keeper Oliver Kahn nur auf der Ersatzbank. Jens Lehmann steht zwischen den Pfosten. ©

Vor der Partie kam es zu einem Disput innerhalb der Kamerun-Auswahl. Die Spieler um Weltstürmer Samuel Eto’o drohten, das Spiel gegen Deutschland zu boykottieren, weil Uneinigkeit über Prämien für die Akteure herrschte. Für den deutschen Trainer, der ebenfalls Probleme mit Gehältern und Abfindungen ertragen musste, ein No-Go, sich so zu präsentieren.

Zurück zum Sportlichen: Als klarer Favorit ins Spiel gestartet, wurde die DFB-Auswahl ihrer Position in der ersten Hälfte gerecht – jedoch ohne Torerfolg. Erst in der 71. Minute gelang dem damaligen Stuttgarter Kevin Kuranyi der Brustlöser zum 1:0 aus Sicht der Deutschen. Joker Miroslav Klose schnürte innerhalb von zehn Minuten einen Doppelpack zum 3:0 (78./88.).

DFB-Team: Lehmann – Huth, Lahm (67. Hitzlsperger), Mertesacker – Ballack, Ernst (82. Borowski), Frings, Schneider, Schweinsteiger – Asamoah (61. Klose), Kuranyi.

2005: Großes Spektakel gegen Mexiko

Seit 2005 wird vor jeder Weltmeisterschaft der Confed-Cup im Land des WM-Gastgebers ausgetragen. Eine Art Generalprobe, bei der sich die Kontinentalmeister mit dem WM-Gastgeber und dem aktuellen Weltmeister messen. Ein Jahr vor dem Sommermärchen 2006 wurde der Cup der Konföderationen auch in Leipzig ausgetragen.

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Gehörte natürlich zu den Ersten, die am Leipziger Hotel Westin eintrafen: Bundestrainer Joachim Jogi Löw. Zur Galerie
Gehörte natürlich zu den Ersten, die am Leipziger Hotel Westin eintrafen: Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw. ©

Die DFB-Elf von Trainer Klinsmann schlug sich mit teilweise dezimiertem Kader gut und schied erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger Brasilien knapp aus (2:3). Das Spiel um Platz drei im prall gefüllten Zentralstadion (43.335 Zuschauer) stand an. Ein munteres Hin und Her gegen Mexiko offenbarte einige Probleme in der Deutschen Abwehr. Während die „Jungen Wilden“ in der Offensive Tore am Fließband bescherten, klingelte es nach fast jedem deutschen Erfolg im Tor von Oliver Kahn.

Dass Stürmer Mike Hanke in der 54. Spielminute die Rote Karte sah, half dem DFB-Team nicht weiter. Nach Toren vom 20-jährigen Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Robert Huth ging es mit 3:3 in die Verlängerung. Trotz Unterzahl gelang der Klinsmann-Elf in der 97. Spielminute die Führung.

Kapitän Michael Ballack zauberte den Ball per direktem Freistoß ins Tor der Mexikaner. Das 4:3 nach Verlängerung und Platz drei im Confed-Cup war Deutschland sicher – gelungene Generalprobe.

DFB-Team: Kahn – A. Hinkel, Mertesacker, Huth, Schneider – Frings, Ballack, Deisler (67. Asamoah), Schweinsteiger (83. Ernst) – Hanke, Podolski (73. Kuranyi).

2009: Mit Robert Enke gegen Liechtenstein

Vier Jahre nach dem Erfolg über die Mexikaner stand die Qualifikation für die nächste WM auf dem Plan. Dieses Mal ging es für die DFB-Elf um die Endrunde in Südafrika. An der Seitenlinie sollte ein neuer Hoffnungsträger zu großen Erfolgen verhelfen: Joachim Löw.

Joachim Löw: Seine Bundestrainer-Ära in Bildern

Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Bereits seit 2006 trainiert Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw!  Zur Galerie
Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Bereits seit 2006 trainiert Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Der SPORTBUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw!  ©

Der Nachfolger von Klinsmann coachte die DFB-Auswahl am 28. März 2009 im Leipziger Zentralstadion, als der „Fußballzwerg“ aus Liechtenstein die deutsche Auswahl herausforderte. Heutzutage wohl unvorstellbar, trumpfte Löw mit gleich drei Spielern des VfB Stuttgart in der Startelf auf: Serdar Tasci, Thomas Hitzlsperger und Mario Gomez.

Bereits nach zehn Minuten stand es 2:0 für die Deutschen. Michael Ballack mit seinem 40. Länderspieltor und der Hamburger Marcell Jansen bescherten die Führung. Kurz nach der Halbzeit erhöhten Schweinsteiger und Podolski auf 4:0. Wenig zu tun gab es für Torhüter Robert Enke, der im Zentralstadion eines seiner letzten Länderspiele für Deutschland absolvierte. Im November desselben Jahres nahm er sich das Leben.

In Südafrika kam die Löw-Elf dann nicht über einen dritten Platz hinaus, nachdem sie im Halbfinale gegen den späteren Sieger Spanien knapp ausschied (0:1). Den meisten dürfte noch immer der ohrenbetäubende Lärm der Vuvuzelas in den Ohren liegen, wenn sie an die WM 2010 denken.

DFB-Team: Enke – Beck, Mertesacker, Tasci, Lahm – Ballack, Hitzlsperger (78. Marin), Schweinsteiger (88. Rolfes), Jansen (64. Helmes) – Gomez, Podolski.

2012: Schürrle als Lichtblick gegen Israel

Zwei Jahre später fand das erste Länderspiel in der 2010 umbenannten „Red-Bull-Arena“ statt. Und für die deutsche Auswahl ging es gegen Israel um viel, denn es war die letzte Bewährungsprobe vor der EM 2012 in Polen und der Ukraine. 43.241 Zuschauer wollten sich in Leipzig also noch einmal von der Qualität der DFB-Auswahl überzeugen, bevor es für Bundestrainer Löw und sein Team zum europäischen Kräftemessen ging.

Von Anfang an spielten Thomas Müller, Mesut Özil und Co. ihre Qualitäten gegen tief stehende Israelis aus – bekamen den Ball allerdings nicht am Schlussmann Ariel Harush vorbei. Erst fünf Minuten vor der Halbzeit gelang Gomez der Führungstreffer.

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Das Spiel plätscherte weiter dahin, bis André Schürrle in der 82. Minute Maß nahm und ansehnlich zum 2:0-Endstand traf. Für das deutsche Team nicht mehr als ein Arbeitssieg vor der EM-Endrunde im Nachbarland Polen und in der Ukraine, wo es bis zum Halbfinale auch gut verlaufen war für die Löw-Elf.

In der Runde der letzten vier Teams warteten dann griffig spielende Italiener und ein torhungriger Mario Balotelli auf die Nationalmannschaft. Zu viel für Kroos, Özil und Co., denn kurz vor dem großen Traum des Titels war nach einer 1:2-Niederlage Schluss.

DFB-Team: NeuerBoateng, Mertesacker, Badstuber, Lahm – Khedira (88. L. Bender), Kroos (86. Götze), Müller (83. Reus), Özil. Podolski (67. Schürrle) – Gomez (67. Klose).

2015: Max Kruse trifft gegen Georgien

Nachdem der Standort Leipzig vor internationalen Wettbewerben wenig Glück für das Turnier gebracht hatte, wurden vor der Weltmeisterschaft 2014 keine Testspiele in der Red-Bull-Arena ausgetragen. Erst als frischgebackener Weltmeister kehrte die DFB-Elf nach Leipzig zurück.

Im Oktober 2015 stand in der EM-Qualifikation ein Pflichtspiel gegen Georgien an. Ohne den nach dem WM-Titel zurückgetretenen Kapitän Philipp Lahm führte Manuel Neuer die DFB-Auswahl in die ausverkaufte Red-Bull-Arena (43.630).

Lange Zeit mühten sich die Deutschen gegen tief stehende Georgier ab. Im ersten Durchgang war keine der erspielten Chancen zielführend und so ging es mit einem 0:0 in die Pause. Das Elfmetertor von Thomas Müller fünf Minuten nach Wiederbeginn konnte Georgien postwendend egalisieren. Erst der eingewechselte Max Kruse, der zum damaligen Zeitpunkt beim VfL Wolfsburg unter Vertrag stand, brachte die Erlösung für das Team von Joachim Löw.

In der 79. Minute gelang dem heutigen Union-Profi der Treffer zum 2:1. Ein enorm wichtiges Tor, denn mit dem Erfolg über Georgien löste die DFB-Auswahl endgültig das Ticket für die EM 2016 in Frankreich.

DFB-Team: Neuer – Ginter, Boateng, Hummels, HectorGündogan, Kroos, Müller, Özil, Reus (90. Bellarabi) – Schürrle (76. Kruse).

2018: Sané eröffnet Torreigen gegen Russland

Nach der verkorksten WM in Russland hatte die DFB-Auswahl jede Menge wiedergutzumachen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf trat das Team vom mittlerweile scharf in die Kritik geratenen Joachim Löw auch die Reise nach Leipzig an. Die Verjüngungskur im Kader und das Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft sind nicht spurlos an der Nationalmannschaft vorbeigegangen.

In der Messestadt angekommen, konnten sich die Spieler um Werner, Gnabry und Havertz kaum vor PR-Terminen an Schulen, in Vereinen und öffentlichen Einrichtungen retten. Der DFB auf Wiedergutmachungs-Tour. Auf dem Rasen machte die Nationalelf den Eindruck, als hätte sie aus den Fehlern in Russland gelernt.

Die sportliche Aufarbeitung gegen Russland sah wie folgt aus: Leroy Sané brachte die DFB-Auswahl bereits in der achten Spielminute in Führung. Seine heutigen Teamkollegen Niklas Süle (25.) und Serge Gnabry (40.) erledigten noch in der ersten Hälfte den Rest. Nach 45 Minuten war die Partie bereits entschieden. Die 35.288 Zuschauer in der Red-Bull-Arena sahen ein frei aufspielendes Team, wie man es sich bei der WM gewünscht hätte.

DFB-Team: Neuer – Ginter, Süle, Rüdiger (60. Tah) – Kehrer, Kimmich, Havertz (65. Rudy), Hector (70. Schulz) – Gnabry (73. Müller), Werner (65. Brandt), Sané (77. Goretzka).