11. Mai 2021 / 16:28 Uhr

Hohe Kosten, kaum Ertrag: Wolfsburg-Sportdirektor begründet U23-Rückzug

Hohe Kosten, kaum Ertrag: Wolfsburg-Sportdirektor begründet U23-Rückzug

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wünscht sich, dass mehr Talente den Weg zu den Profis schaffen: Marcel Schäfer, der Sportdirektor des VfL Wolfsburg.
Wünscht sich, dass mehr Talente den Weg zu den Profis schaffen: Marcel Schäfer, der Sportdirektor des VfL Wolfsburg.
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Der VfL Wolfsburg wünscht sich, dass künftig mehr Talente den Sprung ins Bundesliga-Team schaffen sollen. Er setzt dabei auf eine Kooperation mit SKN St. Pölten. Sportdirektor Marcel Schäfer erklärte am Dienstag, warum sich der VfL für den Klub aus Niederösterreich entschied.

Am Montag hatte Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg mitgeteilt, dass er bei der Talentförderung neue Wege geht. Das U23-Team wurde abgemeldet. Stattdessen werden die Youngster des Klubs künftig bei Kooperationspartner SKN St. Pölten kicken. Warum der VfL so entschied, hängt auch mit dem Kosten-Nutzen-Faktor der U23 zusammen, wie Sportdirektor Marcel Schäfer erklärte.

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Zu wenige Talente haben in den vergangenen Jahren den Sprung über die U23 zu den Profis geschafft – trotz Investitionen im angeblich siebenstelligen Bereich. „Wir haben einfach gesehen, dass wenn man das Sportliche und das Wirtschaftliche ins Verhältnis setzt, überhaupt kein vernünftiges oder gesundes Verhältnis mehr besteht. Das muss man klar sagen“, so Schäfer. Wenn man viel Zeit, aber auch viel Geld in ein Team investiere, „dann versucht man natürlich auch, einen Ertrag zu bekommen“. Aber dem war nicht so.

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Kurzum: In den vergangenen Jahren haben einfach zu wenige Talente den Sprung nach oben geschafft. Schäfer zählte auf: „Da war zum einen Robin Knoche, der sich über die U23 in den Profi-Kader gespielt hat und Elvis Rexhbecaj. Wenn man sich jetzt mal den Zeitraum anschaut, in dem sie es geschafft haben, dann sprechen wir da über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren. Das lässt dann schon zu wünschen übrig.“ Dennoch sei es „keine einfache Entscheidung“ gewesen, sich von diesem Team zu trennen - und das dann den handelnden Personen zu verkünden. „Aber wir sind überzeugt davon, dass die Spieler, die uns erhalten bleiben, von unserem neuen Weg profitieren.“

Man habe in der Vergangenheit viel probiert, „es wurde auch gut gearbeitet“, betonte Schäfer. „Aber jetzt wollen wir neue Wege gehen, weil wir glauben, unsere Spieler noch besser und noch professioneller ausbilden und so die Durchlässigkeit in die Bundesliga erhöhen zu können.“ Die schlechten Ergebnisse der U23 in jüngster Vergangenheit seien „kein Faktor“ bei der Entscheidung gewesen, das Team abzumelden und auf eine Kooperation mit den Niederösterreichern zu setzen, so der VfL-Rekord-Feldspieler.

Bereits im vergangenen Jahr habe man bewusst auf viele A-Jugendspieler in der U23-Startelf gesetzt, „deshalb hat man auch das eine oder andere nicht so gute Ergebnis in Kauf genommen“, so Schäfer. „Wir wollen weg davon, dass das Ganze zu ergebnisorientiert ist.“ Die Entwicklung der Spieler müsse Priorität haben, „und nicht das Ergebnis am Wochenende. Es geht darum, unsere Talente besser zu machen“, betonte Schäfer mehrmals.

Bereits im Sommer 2018, als Manager Jörg Schmadtke und er beim VfL übernahmen, habe man sich über Pläne wie den jetzt umgesetzten Gedanken gemacht. Am Ende fiel die Wahl auf St. Pölten, weil die Bedingungen top seien. „Sie haben ein schönes Stadion und eine tolle Infrastruktur, dazu ein tolles Nachwuchs-Leistungszentrum. Dazu ein sehr erfolgreiches Frauen-Team“, zählte Schäfer auf. Das Profi-Team kämpft jedoch gerade gegen Abstieg. Beim VfL hofft man, dass es am Ende doch noch für den neuen Partner reicht.


Welche VfL-Talente in der neuen Saison dann im Kader der Österreicher stehen, „ist noch offen. Wir haben ein paar im Auge, aber es gibt da noch kein finales Ergebnis“. Alle Beteiligten müssten erst noch „in den Austausch gehen. Denn ein Spieler muss davon überzeugt sein, dass es der richtige Schritt für ihn und seine Entwicklung ist.“ Nur so sei gewährleistet, „dass diese Kooperation dann so gelebt wird, wie wir uns das alle vorstellen“.