14. April 2020 / 15:00 Uhr

Ob Lindower SV, MSV Neuruppin oder SV Dreetz: „Das lässt einen nicht los“

Ob Lindower SV, MSV Neuruppin oder SV Dreetz: „Das lässt einen nicht los“

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Zwar ist für den 75-jährigen Hans-Jürgen Möllendorf im Fußballkreis mittlerweile Schluss. Doch über zu wenig Arbeit kann sich der Rentner beim Anblick seines großen Gartens nicht beschweren.
Zwar ist für den 75-jährigen Hans-Jürgen Möllendorf im Fußballkreis mittlerweile Schluss. Doch über zu wenig Arbeit kann sich der Rentner beim Anblick seines großen Gartens nicht beschweren. © Privat
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Fußballkreis Prignitz/Ruppin: Was macht eigentlich der frühere FK-Vorsitzende Hans-Jürgen Möllendorf?

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Ein kurzer Blick in den heimischen Garten genügt und man weiß, dass sich Hans-Jürgen Möllendorf trotz Coronavirus keinesfalls langweilt. Knapp 2500 Quadratmeter ist das eigene Grundstück groß, im Garten gibt es genug zu tun. „Die Gartenarbeit war schon immer ein kleines Hobby von mir, hier kann ich mich richtig ausleben“, verrät der 75-Jährige, der fast drei Jahrzehnte lang das Geschehen im hiesigen Fußballkreis mitbestimmt hat.

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Seit dieser Saison ist aber endgültig Schluss, im vergangenen Sommer gab Möllendorf sein letztes Amt – Staffelleiter der Altherren-Kreisklassen A und B – ab: „Ich denke, wir haben im Spielausschuss in den letzten Jahren solide Arbeit geleistet. Thomas Leitert macht das als Vorsitzender auch sehr gut. Für mich war die Zeit jetzt einfach mal reif.“ Dass dem Rentner der Abschied schwer fiel, daraus macht er kein Geheimnis. „Grundsätzlich ist alles gut, so wie es ist. Aber die vielen Jahre, das lässt einen nicht los“, gesteht Möllendorf, der auch nach seinem Abschied aus dem Fußballkreis-Vorstand noch immer auf den Sportplätzen der Region – ob bei den Brandenburgliga-Kickern des MSV Neuruppin, dem Landesliga-Team von Schwarz-Rot Neustadt oder im Waldstadion des SV Dreetz in seiner Wahlheimat – zu finden ist, um sich am Wochenende ein gepflegtes Fußballspiel zu gönnen.

MSV-Kapitän Mike Wenske nahm den Pokal für den Staffelsieg von Jürgen Möllendorf in Empfang.
Hier überreicht Möllendorf Mike Wenske, Kapitän der MSV-Altherren, den Meisterpokal. © Roland Möller

In Rheinsberg wuchs das heutige Urgestein auf, besuchte die dortige Schule und kickte erst lange bei Traktor Rheinsberg und später auch bei Traktor Lindow gegen das runde Leder. „Ich habe Grün-Weiß, den Nachfolger von Traktor, mitbegründet und war auch bis 1992, als ich mich dann im Vorstand des Fußballkreises engagiert habe, Vorsitzender in Lindow“, erklärt Hans-Jürgen Möllendorf, der bis zu seiner Rente als Mathe- und Physiklehrer, teilweise sogar als Schuldirektor, tätig war. 1992 schlossen sich in Wusterhausen die Kreise Neuruppin (Bernd Lemme), Wittstock (Fritz Burghardt) und Kyritz (Rudolf Straßberger) zusammen, am 4. April 1996 übernahm dann Möllendorf, der bereits zum Vorstand gehörte, den Chefposten – und entwickelte die Region Ostprignitz-Ruppin zu einem starken Fußballkreis.

Quizzen gegen die Langeweile: Die Fragen von Bornims Trainer Janko Müller.

Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. Zur Galerie
Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. © SPORTBUZZER

„Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und schöne Momente erlebt, das kann mir keiner nehmen“, sagt Möllendorf, der seit 2002 in Dreetz lebt – gemeinsam mit Ehegattin Renate, welche er 1968 geheiratet hat. Obwohl die positiven Eindrücke klar überwiegen, stört ihn eine Sache aber bis heute: „Wir haben 1999 keinen Kreispokalsieger ausgespielt, weil wir eine Sportgerichtsverhandlung nicht fristgerecht, also bis zum 30. Juni, hinbekommen haben.“ Am 4. April 2014, als die Kreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz zu einem Großkreis fusionierten, gab Möllendorf seinen Vorsitz nach 18 langen Jahren freiwillig ab: „Wir hatten uns darauf geeinigt, dass Klaus-Peter Kohn aus der Prignitz Vorsitzender wird. Ich habe sowieso die Meinung vertreten, dass man mit 70 Jahren nicht mehr an der Spitze stehen muss.“ Kohn hielt nicht lange durch, Mike Schläger hat mittlerweile das Sagen im Fußballkreis, was Möllendorf gut findet: „Mike ist der richtige Mann dafür, eine echte Koryphäe. Er macht nebenbei noch viele andere Sachen, immer aber mit Herzblut und investiert viel Zeit.“


Bei Ehrungsveranstaltungen vom Fußballkreis war Hans-Jürgen Möllendorf (r.) stets vor Ort.
Bei Ehrungsveranstaltungen vom Fußballkreis war Hans-Jürgen Möllendorf (r.) stets vor Ort. © Dirk Becker

Seine freie Zeit würde Hans-Jürgen Möllendorf nicht nur im geliebten Garten, sondern gerne auch auf den Fußballplätzen der Region verbringen, doch die Corona-Pandemie legt den Spielbetrieb seit Wochen lahm. „Ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die aktuell entscheiden müssen“, gibt Möllendorf zu, „ich appelliere aber an den Verstand aller, die Entscheidungen, wie auch immer sie ausfallen, zu akzeptieren. Für den Sport ist es eine Katastrophe derzeit, jeder Tag ist ein verlorener Tag, aber es ist wohl sinnvoll, dass der Ball ruht“.

Aktuelles vom Brandenburger Fußball

Vor ein paar Wochen erst weilten die Eheleute Möllendorf im Urlaub in Ägypten, die Einreise nach Deutschland glückte ohne Komplikationen. „Das war recht knapp, eine paar Tage später und wir hätten vermutlich Schwierigkeiten gehabt“, betont der ehemalige Fußballkreis-Vorsitzende, der hofft, dass sich der Deutsche Fußball Bund zu den Amateurvereinen bekennt: „Die Auswirkungen sind noch lange nicht abzusehen. Ich dr