10. Oktober 2019 / 14:30 Uhr

Oben gegen unten: Berlin Volleys gastieren zum Auftakt bei den Netzhoppers KW-Bestensee

Oben gegen unten: Berlin Volleys gastieren zum Auftakt bei den Netzhoppers KW-Bestensee

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Bundesliga-Klassiker: das Derby der Netzhoppers (l.) gegen die Berlin Volleys.
Bundesliga-Klassiker: das Derby der Netzhoppers (l.) gegen die Berlin Volleys. © Oliver Schwandt
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Zum Auftakt der Volleyball-Bundesliga empfangen die Netzhoppers KW-Bestenseeden übermächtigen Meister Berlin Volleys zum Berlin-Brandenburg-Derby.

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Die Bilanz im Berlin-Brandenburg-Derby ist eindeutig, die Netzhoheit zementiert. In 28 Vergleichen zwischen den Netzhoppers KW-Bestensee seit deren Bundesliga-Aufstieg 2006 und den Berlin Volleys gab es für die Hauptstädter 27 Siege und nur eine Niederlage. Diese datiert auf den 18. Februar 2012, als die Netzhoppers in ihrer „Brandenburger Hölle“ das Topteam nach einem 18:16 im Tiebreak mit 3:2 besiegten. Am Samstag startet die Volleyball-Bundesliga-Saison 2019/20 gleich mit dem Kracher Bestensee kontra Berlin (18 Uhr, Landkost-Arena).

Die Hoffnung auf eine ähnliche Überraschung anno 2012 sei zwar immer da, wie Trainer Mirko Culic, der in seine zwölfte Saison mit den Netzhoppers geht, versichert, aber die Schere zwischen denen da oben und denen da unten ging in den letzten Jahren immer weiter auseinander. Während die Volleys im Frühjahr zum zehnten Mal die Meisterschale in die Höhe stemmen konnten, verpassten die Dahmeländer als Neunter die Playoffs. Besonders krass manifestiert sich die Treppenstufe im Etat. Während die Berliner laut Manager Kaweh Niroomand ihren Etat dank über 100 Sponsoren auf mehr als zweieinhalb Millionen Euro erhöht haben, liegen die Bestenseer nach dem Rückzug ihres Hauptsponsors gerade mal bei 400 000 Euro. Und da stehe es schon Spitz auf Knopf, gibt Manager Arvid Kinder sorgenvoll zu.

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Während sich David aus finanziellen Gründen nur einen zehn Spieler umfassenden Kader leisten kann, spricht Goliath angesichts von zehn Akteuren, weil drei Stammkräfte noch mit ihren Nationalmannschaften in Tokio bei einem Weltcup-Turnier spielen, schon von einem Rumpfteam. Culic hat aus der Personalnot eine Tugend gemacht. Weil im Training kein Sechs-gegen-Sechs-Spiel möglich war, hat der Verein in der Vorbereitung 17 Testmatches bestritten. Der Coach ist es seit Jahren gewohnt, aus wenig viel zu machen oder zumindest das Beste herauszuholen. Aber der 56 Jahre alte Bosnier bleibt vorsichtig: „Eine Saisonprognose kann ich noch nicht abgeben, vielleicht nach der Hinrunde.“ Kinder wird konkreter: „Die Playoffs wollen wir schaffen.“ Das hieße mindestens Platz acht.

Er und Culic erinnern daran, dass vergangene Saison mit Außenangreifer Theo Timmermann eine wichtige Stütze verletzungsbedingt drei Monate ausfiel. „Ein Vorteil wird sein, dass wir ein eingespieltes Team haben“, sagt der Trainer, der mit dem zweiten Zuspieler Adrian Lennart Klooss und Mittelblocker Uchenna Ofoha, nigerianischer Nationalspieler aus Kanada, bisher nur zwei Neuzugänge hat. Mit dem Chilenen Simon Guerra Uteau hofft Kinder noch auf einen weiteren Mittelblocker.

 Volleys-Kapitän Moritz Reichert mit großem Respekt

Auch die Berliner vertrauen trotz sechs Neuzugängen auf ein eingespieltes Team, „das wir punktuell sehr gut verstärkt haben“, wie Niroomand betont. „In diesem Jahr fügte sich das Personalpuzzle ungewöhnlich früh zusammen.“ Die Ziele sind deshalb hoch wie ehedem: „Am Besten national alle drei Titel holen“, sagt Niroomand. Neben der Meisterschaft – es wäre die fünfte in Folge – seien Pokal und vor allem Supercup mal wieder fällig. Auch in der Champions League wollen die Hauptstädter weit kommen, die sich darum bemühen, nach dem Veranstalter-Erfolg in der vergangenen Saison das Finale der besten Teams Europas erneut auszurichten. „Wir haben uns für die nächsten drei Jahre beworben“, bekräftigt Niroomand, der der Max-Schmeling-Halle in zehn Jahren das Image als Volleyball-Tempel verpasste. Kein Volleyball-Verein auf dem Kontinent lockt so viele Zuschauer wie die Berliner in die Halle. Vergangene Saison kamen sie auf einen Schnitt von 5208 Besuchern. Die Netzhoppers würden am Samstag schon mal jubeln, kämen statt der üblichen 500 dank der Berliner Fans doppelt so viele in die Landkost-Arena.

Der neue Volleys-Kapitän Moritz Reichert hat allen riesigen Unterschieden zum Trotz großen Respekt vor dem Underdog: „Wir werden die Netzhoppers auf keinen Fall unterschätzen. Wir brauchen einen guten Start. Im Vorjahr ist uns das nicht gelungen und wir sind die ganze Saison über einem Punkterückstand hinterhergerannt. Dass drei wichtige Spieler fehlen, darf keine Entschuldigung sein.“ Der 24 Jahre alte Nationalspieler, der 2018 in die Hauptstadt gekommen war, stehe laut Niroomand für das neue, verjüngte Gesicht der Volleys. „Wir haben noch viel vor“, so der Manager. „Ich stecke voller Tatendrang“, freut sich Reichert darauf, „dass es endlich losgeht.“ Das sehen die Netzhoppers nicht anders.

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