19. Februar 2014 / 21:15 Uhr

Oberhavel-Fußballer im Abstiegssumpf

Oberhavel-Fußballer im Abstiegssumpf

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
dpa
dpa © Lars Töffling (l.) aus Hennigsdorf ist Pressesprecher beim abstiegsbedrohten Zweitligisten Energie Cottbus.
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Profis reden über ihre Ängste

Oberhavel‒ Sebastian Mielitz (Bremen), Martin Männel (Aue) und Arne Feick (Bielefeld) haben einiges gemein. Sie kommen alle aus Oberhavel, haben den Sprung in den Profifußball geschafft ‒ und hängen mit ihren Teams aktuell im Tabellenkeller fest.

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Und nun?

Die sportliche Situation sei schon eine Sache, die ihn auch in der Freizeit beschäftigt, räumt Arne Feick (begann 1994 in Mühlenbeck) ein. Das Ringen um den Klassenerhalt stelle für Mitarbeiter und Spieler des Traditionsvereins, der auf dem vorletzten Tabellenplatz der 2. Bundesliga steht, in gewisser Weise einen Existenzkampf dar. Die Situation sei heikel, komme für die Arminia aber nicht überraschend. "Der Abstiegskampf stand für uns schon vor der Saison auf dem Programm. Wir haben den niedrigsten Etat in der Liga. Es war klar, dass es so laufen wird. Darum ist auch kein Spieler oder Fan enttäuscht oder überrascht", betont der 25-Jährige, der erst zu Saisonbeginn von einem zweijährigen Gastspiel beim Ligakontrahenten 1860 München (29Ligaeinsätze) kam. "In München hätte ich mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen können. Das wollte ich aber nicht. Dafür habe ich mich in Bielefeld in den ersten beiden Jahren zu wohl gefühlt." Die aktuelle Situation sei heikel. "Klar, müssen wir alle oft Kritik einstecken. Aber die kann uns auch stärker machen. Wir arbeiten Tag für Tag hart, um dem Anspruch gerecht zu werden. Ich werde nicht den Schwanz einziehen." Feick ist zuversichtlich, dass Bielefeld noch zwei Teams hinter sich lassen wird. "Das Potenzial gibt es her. Wir sind gewappnet. Es kommt jetzt darauf an, welche Mannschaft nun am schnellsten den Kopf aus dem Sand zieht oder gar nicht erst reinsteckt. Wenn wir es am Ende wirklich schaffen, könnten wir für unsere Verhältnisse von einer perfekten Saison sprechen."

Davon ist Zweitligist FC Energie Cottbus bei acht Punkten Rückstand zum rettenden Ufer weit entfernt. Auch für den Hennigsdorfer Lars Töffling eine schwierige Zeit. Der 44-Jährige ist Pressesprecher der Lausitzer und wird ständig mit der schwierigen Situation konfrontiert, und sei es nur beim Champions-League-gucken in der Kneipe. Vom sportlichen Kampf ums Überlegen könne er sich daher leider nicht frei machen. "Dieses Thema beschäftigt die ganze Stadt und Region." Wo es sonst ein Schulterklopfen gab, wird nun nach Erklärungen gefragt. "Meine Arbeit beeinflusst das nicht. Ein Pressesprecher kann seine Tätigkeit nicht von Erfolg oder Misserfolg abhängig machen." Töffling, viele Jahre für Hennigsdorf am Ball, betont, dass viele Existenzen vom weiteren Verlauf der Saison abhängen. "Viele Arbeitsplätze sind an den Profibereich geknüpft. Nach einem Abstieg würde es Einschnitte geben." Ihm selbst mache diese Aussicht nicht so viel aus. "Ich mache das nun seit zwölf Jahren. In meinen Jahren bei Union habe ich ein ewiges Zittern um die Lizenz und den Klassenerhalt durch. Man lernt, mit solchen Situationen umzugehen."

Der ehemalige Profi Frank Rohde betont, dass es nicht zu beschreiben sei, was Fußballer und Trainer in derartigen Situationen durchmachen. "Das ist die Hölle. Es ist extrem und grausam." Jeder müsse einen eigenen Weg finden, um damit umzugehen. "Dafür gibt es keine Formel. Es ist brutal, eine Extremsituation." Diese durchlebte er in seiner aktiven Zeit einige Male. "Mit Hamburg und Hertha habe ich gegen den Abstieg gespielt." Und auch beim BFC Dynamo, mit dem der ehemalige Oranienburg-Coach achtmal DDR-Meister wurde, habe es Druck gegeben. "Der ist immer da. Damit musst du umgehen können." Wie das Abschalten funktioniert, müsse jeder für sich gestalten. Nicht zu unterschätzen sei, dass ein Fußballer nicht nur für die Existenz des Vereins, sondern auch für die eigene kämpfe. Viele Verträge seien an die jeweilige Liga gebunden. "In den Situationen musst du Flagge zeigen." Und genau das passiere in Hamburg gerade nicht. "Was da abläuft, ist einfach traurig für so einen Traditionsverein. Ich beschäftige mich sonst kaum noch mit dem Geschäft. Weil ich da aber selbst drei Jahre gespielt habe, verfolge ich das schon intensiver. In Hamburg gibt es keine Typen, die damit umgehen können. Und wenn die Spieler erst mal in der Mühle sind, wackeln die Beine noch mehr."

Nicht viel besser ist es in der Bundesliga derzeit um Werder Bremen bestellt. Die Grün-Weißen haben Torwart Sebastian Mielitz unter Vertrag. Dieser stammt aus Neulöwenberg und kann auf 62 Bundesligaspiele verweisen. In der Hinrunde verlor der 24-Jährige seinen Stammplatz. "Darum ist für mich die Situation anders. Ich kann nicht aktiv mitwirken, was sehr schade ist. Es ist eine schwierige Situation." Mielitz ‒ der für Grüneberg, Löwenberg, Oranienburg, Neuruppin und Energie Cottbus spielte ‒ versucht, sich im Training von den negativen Gedanken frei zu machen. "So gelingt es mir oft schon, das alles nicht mit nach Hause zu nehmen. Aber ich kann mich nicht ganz frei davon machen." Der frühere Junioren-Nationalkeeper glaubt, dass sich Werders Kampf um den Klassenerhalt noch ein bisschen hinziehen wird. "Die Experten haben uns schon vor der Saison abgeschrieben. Dass sich nun alle über die Situation wundern, ist schon komisch."


Wie es für Mielitz weitergeht, ist unklar. "Ich bin im Sommer ablösefrei." Dann läuft der Vertrag in der Hansestadt aus. "Werder hat sich bis jetzt nicht gemeldet. Das finde ich sehr schade, schließlich bin ich seit neun Jahren im Verein und trage die Raute im Herzen. Aber es geht nicht immer danach, was man geleistet hat und wie man zu dem Verein steht. Es ist schade, wie es gelaufen ist." Mielitz macht sich seine Gedanken und ist zuversichtlich, etwas passendes zu finden. "Existenzängste habe ich nicht. So ist nun mal das Geschäft."

Von Stefan Zwahr