09. September 2020 / 13:11 Uhr

Deutschlands größte Amateurliga: So wollen die Spieler diese Saison überstehen

Deutschlands größte Amateurliga: So wollen die Spieler diese Saison überstehen

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Drohen der Oberliga Niederrhein wegen des vollen Spielplans mehr Verletzungen? Das Foto zeigt Roberto Guirino von den Sportfreunden Baumberg bei einem Spiel im März 2020.
Drohen der Oberliga Niederrhein wegen des vollen Spielplans mehr Verletzungen? Das Foto zeigt Roberto Guirino von den Sportfreunden Baumberg bei einem Spiel im März 2020. © imago images / Deutzmann
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23 Mannschaften, 46 Spieltage und ein straffer Plan von Anfang September bis Ende Juni: Keine deutsche Fußball-Liga hat einen so umfangreichen Spielplan wie die Oberliga Niederrhein. Für die Spieler, Trainer und Verantwortlichen ist dieses Mammut-Programm eine große Herausforderung.

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Der erste Spieltag in der Oberliga Niederrhein ist vorbei. Großer Verschleiß ist nicht zu erkennen. Noch nicht. Denn bei insgesamt 44 Partien, neun englischen Wochen und zusätzlichen Pokalspielen gehen die Akteure an ihre Grenzen. Die 90 Minuten Spiel für Spiel bis zum Schluss durchzuziehen scheint unmöglich.

„Das wäre auch überhaupt nicht sinnvoll, da man nach ein paar Monaten nicht immer wieder bei hundert Prozent sein kann. Gerade durch eine Überbelastung steigt das Verletzungsrisiko. Viel Rotation und ein breiter Kader sind ganz wichtig“, sagt Robin Fechner vom TVD Velbert im Gespräch mit #GABFAF.

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Eine ganz normale Vorbereitung mit vier, fünf Wochen war nicht möglich. Schon am 18. August stand mit dem Pokalspiel gegen Regionalligist Rot-Weiss Essen (0:2) das erste Pflichtspiel an. Erst am 6. September ging es mit dem Oberliga-Spiel gegen den SC Düsseldorf-West (3:1) weiter. „Meine Vorbereitung ging schon einige Wochen vor dem eigentlichen Vorbereitungsstart los. Ich bin viel mit Freunden um den See gelaufen und habe oft Kraft- sowie Stabilisationsübungen gemacht“, sagt Fechner. Mit der längeren Vorbereitung im Rücken hofft der Klub auf einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz – gerade im Saisonendspurt Ende Juni, wenn bei den Profis schon die Europameisterschaft ansteht.

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Regeneration ist wichtig wie noch nie

Eine große Rolle nimmt mit Blick auf die insgesamt 44 Spiele in der Oberliga Niederrhein das Thema Regeneration ein. Unfassbar wichtig, aber bei vielen Klubs nur schwer umzusetzen. „Wir haben nicht die Infrastruktur und Kapazitäten wie die Profis. Uns steht nur ein Physiotherapeut zur Verfügung – da kann nicht jeder immer sofort drankommen“, sagt Fechner.

Selbstverantwortung ist hier gefragt. Der Verteidiger des TVD Velbert setzt auf viel Körperpflege, aktive Erholung mit Saunagängen und eine ordentliche Trainingssteuerung. Ein wichtiges Thema für alle Trainer. Denn für die richtige Umsetzung der oft dosierten Einheiten ist der Coach gefragt.

Spielern eine Pause gönnen

„Die Spieler dürfen nicht bis ans Maximum belastet werden. Da muss man genau beobachten, wer eine Pause benötigt. Wichtig ist, dass man genügend Spieler in der Hinterhand hat und den Jungs auch mal Ruhe gönnt“, sagt Martin Hasenpflug, Trainer von Germania Ratingen 04/19, gegenüber #GABFAF. Der 50-jährige Coach schraubte die Belastung in der Vorbereitung nicht so hoch wie sonst vor einer Saison mit einer normalen Größe. Und auch während der Spielzeit kann er sein gewohntes Programm nicht einfach so durchziehen. „Gerade die Spieler, die am Wochenende gespielt haben, müssen reduziert trainieren. In den englischen Wochen ist darauf noch mehr zu achten“, betont Hasenpflug.

Die Klubs setzen auf größere Kader und mehr Alternativen. Gehören sonst etwa 20 bis 22 Spieler zum Aufgebot, sind es in der durch die Corona-Pandemie veränderten Ligagröße jetzt oft etwa 26 Akteure. Und das sorgt natürlich auch im finanziellen Bereich für eine veränderte Situation. „Wir mussten vor der Saison unsere Ausgaben gegenüber dem Gesamtverein offenlegen und erklären, wie wir es in dieser Saison stemmen können. Wir rennen nicht während der Saison noch los und besorgen das Geld“, sagt Christoph Peters, Sportlicher Leiter beim TSV Meerbusch, im Gespräch mit #GABFAF.

Es ist nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch eine neue Herausforderung für die Vereine der Oberliga Niederrhein. „Uns geht es mit der großen Anlage und den vielen Kabinen noch relativ gut. Ich weiß aber nicht, wie es andere Vereine machen wollen. An manchen Plätzen ziehen sich die Mannschaften draußen um. Das wird im Winter natürlich problematisch“, meint Peters. In Meerbusch in der Nähe von Krefeld müssen die Kabinen zwischendurch immer wieder gereinigt werden. Das führt schnell zu Mehrkosten von mehreren hundert Euro.

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Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Höhere Kosten für die Klubs

Zudem bedeuten mehr Spiele auch mehr Auflauf- sowie Siegprämien und ein größerer Kader erhöhte Gehaltskosten. Peters stellt in dieser ungewohnten Situation aber das Positive in den Vordergrund: „Wir waren mit 300 Zuschauern am ersten Spieltag direkt ausverkauft. Für die Amateurvereine ist es positiv, wenn keine Fans in die Bundesliga-Stadien dürfen. Bei uns sind die Besucher ganz nah dran am Geschehen und bekommen auch sehr attraktiven Fußball geboten“, sagt der Sportliche Leiter des TSV Meerbusch.

Am Ende bleibt aber ein großer Wunsch – die Rückkehr zur Normalität. Mit einer normalen Liga-Größe, maximal 34 Spieltagen und weniger englischen Wochen.