22. Mai 2020 / 12:10 Uhr

Oberliga-Rückzug ist ein Thema: Süd-Präsident Peter Janeck im Interview

Oberliga-Rückzug ist ein Thema: Süd-Präsident Peter Janeck im Interview

Marcus Alert
Märkische Allgemeine Zeitung
Peter Janeck ist seit sechs Jahren Präsident des BSC Süd.
Peter Janeck ist seit sechs Jahren Präsident des BSC Süd. © Marcus Alert
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NOFV-Oberliga Nord: Mitte Juni stehen beim BSC Süd 05 Neuwahlen des Vorstandes an. Präsident Peter Janeck spielt mit dem Gedanken, nach nunmehr sechs Jahren nicht mehr anzutreten.

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Welche Beweggründe haben Sie, sich beim BSC Süd 05 zurückzuziehen?

Peter Janeck: Es wird künftig keinen Erfolg mehr um jeden Preis geben. Hier muss ich mich nun sogar mit dem Gedanken befassen, die Abmeldung der Männer aus der Oberliga zu vollziehen. Das heißt, dass es in Brandenburg in absehbarer Zeit keinen Verein mehr geben könnte, der die Stadt überregional im hochwertigen Amateurfußball vertritt. Das bisher geringe Engagement von vielen Firmen in Brandenburg hat vor allem dazu geführt, meine zukünftige Führungsverantwortung im Verein nicht mehr weiterführen zu wollen, denn dies entspricht nicht dem Anspruch an mich selbst und dem Verständnis für Anerkennung.

Wie ist es zu dieser Situation gekommen?

Fußball und Sponsoring, das über viele Jahre eine erfolgreiche Verbindung für beide Seiten war, scheint heute nicht mehr so gesehen zu werden. In der Stadt sind große Investoren und sogar weltweit agierende Firmen seit vielen Jahren ansässig. Neue Firmen kommen immer wieder hinzu, welche die Havelstadt als guten Wirtschaftsstandort sehen. Diese werden von der Stadt und deren Vertreter gefördert und erhalten Vorzüge, die sie gerne nutzen. So werden viele Gelder gespart, Verbindungen und Bekanntschaften ausgenutzt, alle steuerlichen Vorteile zum eigenen Zweck genutzt und gute Baugrundstücke erworben, auf denen riesige Firmen entstehen.

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Gespräche mit diesen potenziellen Sponsoren hat es aber doch sicherlich viele gegeben?

Wenn ich als Vorstandsvorsitzender an diese Firmen herantrete und Gespräche führe, sprechen diese sich in der Regel gegen ein größeres Engagement in einem Verein aus. Nur ausgewählte Großveranstaltungen werden in dieser Stadt finanzkräftig unterstützt. An die Türen dieser Firmen und Vertreter brauche ich nicht zu klopfen. Es ist müßig und anstrengend immer vor verschlossenen Türen zu stehen. Eigennutz steht dort vor sozialem Einsatz in der Stadt. Diese Dinge machen es mir schwer, an engagierte potenzielle Sponsoren heranzutreten, denn dadurch wird mir bewusst, jeder von Ihnen ist sich selbst der Nächste.

Die vergangenen Jahre sind ja sportlich mehr schlecht als recht gelaufen. Wie war das möglich?

Es gibt in unserer Stadt viele kleine Firmen und Unterstützer, die seit vielen Jahren alles geben, was möglich ist, um unseren Sportverein mit zu tragen und zu unterstützen. Darüber hinaus sind viele freiberufliche Trainerinnen und Trainer, die diese Tätigkeit als ehrenamtliche Helfer unseres Vereins betreiben, täglich im Einsatz.

Der Etat ist von Jahr zu Jahr etwas geschrumpft, die Kosten aber gestiegen. Warum?

Der Fußball von heute ist nicht mehr der, mit dem viele Fans aufgewachsen sind. Alles ist größer, bunter, lauter - und nicht zuletzt teurer. Nur mit Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern und darüber hinaus mit den vorhandenen Sponsoren lässt sich die Oberliga einfach nicht mehr stemmen.

Zumal ein Teil des Geldes ja auch in das Sportgelände fließt. Warum ist das so?

Unser Sportplatz gehört der Firma ZF. Das heißt, dass wir fast sämtliche Investitionen selbst stemmen müssen, da die Stadt nur kommunale Sportanlagen finanziell fördert oder auch wie den Sportplatz Wiesenweg oder das Quenzstadion selbst betreibt. An unseren Betriebskosten beteiligt sich ZF zumindest zur Hälfte. Doch das ist natürlich aus unserer Sicht viel zu wenig.

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Wie sieht die Alternative aus?

Die Jugend rückt somit in den Vordergrund. Der BSC Süd 05 wird sich deshalb auf neue Beine stellen müssen. 115 Jahre nach seiner Vereinsgründung kann dann nur noch die Prämisse sein, die sportlichen Zielsetzungen neu auszurichten und mit der Abmeldung der 1. Mannschaft vom aktiven Spielbetrieb der Oberliga ein selbstbewusstes Zeichen in die ganze Region zu setzen. Die Jugendarbeit, schon immer eine Domäne des Vereins, muss nun in den Mittelpunkt der Vereinsarbeit rücken. Ich werde so dem bezahlten Amateur-Fußball bis hin in die untersten Spielklassen eine klare Absage erteilen. Ich werde nichts Schönreden und mache kein Geheimnis daraus, dass der regionale Fußball, den man den Zuschauern und Spielern in den letzten Jahren geboten hat, den Verein in den letzten Jahren finanziell gefordert und personell überfordert hat.

Und da gibt es keine Alternative?

Ich sehe unter den finanziellen Voraussetzungen, die der Verein derzeit hat, keinen Sinn darin, krampfhaft einem weiteren Bestehen der aktiven Mannschaft hinterher zu laufen und hohe Aufwandsentschädigungen für Spieler zu zahlen. Diese sind in den letzten Jahren so in die Höhe gestiegen, dass ich persönlich nicht mehr gewillt bin, diese Gelder zu zahlen. Selbst in den untersten Spielklassen scheint es nur noch mit Geld zu gehen, die emotionale Bindung an die Vereine scheint in vielen Fällen keine Rolle mehr zu spielen. Alle vorhandenen finanziellen und personellen Mittel wurden bisher dem untergeordnet und alles andere blieb oft außen vor. Wir müssen nun die verbliebenen Mittel bewusst wieder auf die Jugendarbeit konzentrieren. Jedes Kind muss künftig wieder in jeder Altersstufe die Möglichkeit haben, beim BSC Süd 05 Fußball spielen zu können. Es macht mich sehr traurig, dass die guten Voraussetzungen unserer Plätze und Einrichtungen, die wir als Verein und ich als Präsident in den letzten Jahren geschaffen haben, nicht mehr für den hochwertigen überregionalen Amateurfußball genutzt werden können. Wir werden damit ein Ausbildungsverein für zukünftige gute Spieler sein, die dann nur noch in anderen Städten, Regionen, Vereinen und Ligen spielen werden.

In Bildern: Trainer vom BSC Süd 05 von Eckart Märzke bis Mario Block.

<b>Eckart Märzke:</b> 1. Juli 1991 bis 25. April 2004. Zur Galerie
Eckart Märzke: 1. Juli 1991 bis 25. April 2004. ©

Welche Rolle hat bei dieser Entscheidung die Coronakrise gespielt?

Durch die Einstellung des gesamten sportlichen Lebens und die Schließung sämtlicher Sport, Spiel- und Freizeitanlagen in der derzeitigen Situation um die Corona-Pandemie sind auch sämtliche Betätigungen eingestellt und damit auch unsere finanziellen Einnahmemöglichkeiten sind dadurch schlagartig weggebrochen.

Wie sieht Ihr persönliches Fazit aus?

In den sechs Jahren als Präsident des BSC Süd 05 habe ich viel Kraft, Zeit, Anstrengungen und Geld in den Brandenburger Verein investiert. Wir hatten sportliche Entwicklungen nach oben und genauso nach unten. Ich habe immer versucht, guten Fußballsport und ehrgeizigen und jungen Fußballern aus Brandenburg sowie der ganzen Region eine bestmögliche Plattform hierfür zu bieten. Der Rückzug aus dieser hochklassigen Amateurliga würde viele Schritte zurück bedeuten, ein Neuanfang über Jahre hinweg sehr schwer werden. Das ist mir selbst und allen hier bewusst. So würde die ehemalige Sportstadt Brandenburg wieder um ein Aushängeschild ärmer.