16. Februar 2021 / 09:18 Uhr

Thomas Oehlrich gibt alles für Leipzig: "So lange mich der SC DHfK braucht, spiele ich weiter“

Thomas Oehlrich gibt alles für Leipzig: "So lange mich der SC DHfK braucht, spiele ich weiter“

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Thomas Oehlrich
Auf ihn war Verlass: Thomas Oehlrich (M) 2016 im Trikot des SC DHfK Leipzig. © Christian Modla
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Thomas Oehlrich spielt aktuell für die zweite Mannschaft des SC DHfK Leipzig und führt die U23 in der 3. Liga an. Für das erste Team lief der 37-Jährige auch schon als Kapitän auf und trug maßgeblich zu den zwei Aufstiegen bis in die Bundesliga bei. 

Leipzig. Im August wird Thomas Oehlrich 37 Jahre alt, aber vom Handball kann der gebürtige Oschatzer einfach nicht lassen. In der zweiten Mannschaft des SC DHfK hält er immer noch die Knochen hin, führt das Talente-Team der U23 in der 3. Liga an. Als Kreisläufer und eisenharter Abwehrchef, von dem die gegnerischen Angreifer oft abprallen. Schon seine Statur – 1,98 Meter, über 100 Kilo Muskelmasse – gebietet Respekt.

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Auf Abruf für Erstliga-Team

„Oehle ist eine robuste Maschine, auf die man sich immer verlassen kann“, sagt Geschäftsführer Karsten Günther, „und eine absolute Autoritätsperson in jeder Mannschaft. Wenn er gebraucht wird, ist er da.“ Der DHfK-Chef ist mit seinem langjährigen Kapitän seit 2010 einen weiten Weg gegangen, mit zwei Aufstiegen bis in die Bundesliga, zu denen Oehlrich maßgeblich beitrug. In besonderer Erinnerung hat Karsten Günther noch ein Zweitliga-Spiel gegen Nordhorn: „Da ist Oehle erst in der Halbzeitpause in voller Polizeimontur direkt von einem Einsatz gekommen, ein paar Minuten später hatte er das Trikot an und stand auf dem Parkett seinen Mann. Die ganze Halle hat gestaunt.“

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Sein letztes Erstliga-Spiel absolvierte Thomas Oehlrich zum Saisonausklang 2018/19 beim Heimsieg über die Rhein-Neckar-Löwen, aber noch im vergangenen Herbst hielt er sich auf Abruf bereit und unterzog sich gemeinsam mit der Bundesliga-Mannschaft zweimal wöchentlich Corona-Tests. Auf Bitte von Trainer André Haber. „Wir hatten eine Ausnahme-Situation, viele Ausfälle und nur noch einen Kreisläufer“, erklärt der Coach, „ich bin froh und dankbar, dass ich Thomas jederzeit anrufen kann, wenn Not herrscht. Er ist ein toller Typ und stets der Fels in der Brandung.“

Thomas Oehlrich freut sich über diese Anerkennung. Ständige Einsatzbereitschaft stellt für ihn aber eine Selbstverständlichkeit dar. Er ist ein Mann der Tat, große Worte mag er nicht. „Handball gehört zu meinem Leben und hat meine Persönlichkeit mit geprägt“, sagt er nur, „ich habe viel erlebt, viele Freunde gewonnen und stets die Atmosphäre in vollen Hallen genossen. Mit meiner Karriere bin ich zufrieden und auch ein bisschen stolz darauf, dass ich fast 20 Jahre im Leistungssport durchgehalten habe.“

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Beim Zweifelderball entdeckt

Vielleicht wäre für ihn sogar noch mehr möglich gewesen. Dass er nicht Bundesliga-Spitzenspieler wurde oder gar das Nationaltrikot trug, kann er jedoch verkraften. „Ich war ja nie Vollprofi und allein auf Handball fokussiert, sondern habe immer im Polizeidienst gearbeitet. Im Gegensatz zu anderen konnte ich nicht zweimal täglich, sondern nur abends mit der Mannschaft trainieren“, gibt er zu bedenken „durch die Doppelbelastung hatte ich jahrelang 80-Stunden-Wochen, das war manchmal hart.“

Begonnen hatte alles in der Schule, als er in der 3. Klasse beim Zweifelderball von einem Trainer des SHV Oschatz entdeckt wurde. Bis heute fährt er oft in seine Heimatstadt. Seine Eltern und seine Schwester wohnen noch in Oschatz , während Thomas Oehlrich mit seiner Frau und der achtjährigen Tochter Mia in Delitzsch lebt.

oehle
Ohren zu beim Aufstiegsjubel des SC DHfK Leipzig. © Christian Modla

Dorthin führte auch sein nächster Schritt als junger Handballer. Über die Sachsen-Auswahl kam er 2000 zu den Concorden, bei denen der bisherige Linksaußen zum Kreisläufer wurde, im Nachwuchs unter Trainer Matthias Wolf reifte und später den Sprung zu den Männern schaffte. Zum Delitzscher Team zählten auch Silvio Heinevetter, Lars Kaufmann und Erik Göthel. 2005 gelang der Bundesliga-Aufstieg, allerdings hatte der damals 19-jährige Oehlrich in der Eliteklasse nur wenige Einsätze.

Unverzichtbare Stütze

Nach dem prompten Abstieg folgten für ihn erfolgreiche Jahre in der 2. Liga, er wurde Leistungsträger und Kapitän und wäre wohl noch lange in Delitzsch geblieben, wenn die Concorden nicht 2010 in die Insolvenz geschlittert wären. „Das war bitter, ich hatte gerade meinen Vertrag verlängert und bis zum Schluss auf eine Wende gehofft“, erzählt Thomas Oehlrich.

So aber wechselte er nach Leipzig in die 3. Liga, gemeinsam mit Ulrich Streitenberger, Steve Baumgärtel, Rene Boese und Trainer Uwe Jungandreas, der Oehlrich auch beim SC DHfK zum Kapitän machte. Vor allem dank der starken „Delitzscher Fraktion“ erlebte der Handball in der Messestadt einen weiteren Schub. Thomas Oehlrich führte das Team gleich in seiner ersten Saison in die 2. Liga, in den Jahren danach galt der Abwehrchef als unverzichtbare Stütze.

Doch der Erfolg frisst mitunter seine Kinder. In der Saison 2014/15 war er nicht mehr erste Wahl, und als Trainer Christian Prokop im Winter Lukas Binder zum neuen Spielführer bestimmte, traf das Thomas Oehlrich hart. „Das kam unvermittelt, war schwer zu verstehen, ich hatte wochenlang daran zu kauen“, gesteht er, „aber die Entscheidung des Trainers musste ich respektieren.“ Und auch das Leistungsprinzip, „obwohl es ein komischen Gefühl war, oft nur noch von der Bank aus zuzuschauen.“


Ausbildung zum Polizeimeister

Reingehauen hat er sich dennoch in seinen Einsätzen als Reservist und durfte dann am 11. Mai 2015 mit dem SC DHfK durch einen 31:26-Erfolg gegen Hildesheim vor über 4000 Zuschauern in der Arena den Erstliga-Aufstieg feiern. „Das war ein wunderbarer Moment“, sagt Thomas Oehlrich, gibt aber auch zu: „Es ging mir schon an die Nieren, dass ich die Mannschaft in der Bundesliga nicht mehr als Kapitän aufs Parkett führen durfte.“ Den Grün-Weißen blieb er trotzdem treu, brachte fortan auch in Liga eins seine Leistung und verdiente sich – nun mehr oder weniger als Stand-by-Profi – weiter den Respekt der Gegner und der Fans.

Schon 2004 hatte Thomas Oehlrich eine Ausbildung zum Polizeimeister abgeschlossen, ging auf Streife, hatte zahllose Einsätze bei der Bereitschaftspolizei und arbeitet inzwischen beim LKA. Über seinen Beruf kam er auch zu internationalen Handballturnieren. Mit der deutschen Polizei-Auswahl fuhr er unter anderem nach Frankreich, Rumänien und Dänemark und wurde nach einem dritten Platz dreimal in Folge Europameister. „Das hat viel Spaß gemacht, ich war übrigens der einzige Sachse im Team.“

Spaß haben will er auch künftig, ein- bis zweimal pro Woche im Training und nach der Corona-Zwangspause wieder in der 3. Liga. „So lange mich der SC DHfK als Führungsfigur für die zweite Mannschaft braucht, spiele ich weiter.“ Schonen wird er sich dabei mit Sicherheit nicht. Und vielleicht kommt irgendwann noch mal ein Anruf von Trainer André Haber, dass dem Bundesliga-Team die Leute ausgehen. Dann wird Thomas Oehlrich als Nothelfer zur Stelle sein. Ohne Wenn und Aber.

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