06. April 2020 / 18:28 Uhr

OFC-Spieler unterstützen Vereinskneipe mit virtuellem Mannschaftsabend

OFC-Spieler unterstützen Vereinskneipe mit virtuellem Mannschaftsabend

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Gastronom Jörg Gründel war beim virtuellen Mannschaftsabend der OFC-Fußballer live zugeschaltet.
Gastronom Jörg Gründel war beim virtuellen Mannschaftsabend der OFC-Fußballer live zugeschaltet. © Robert Roeske
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Brandenburgliga: Um das Vereinslokal des Oranienburger FC Eintracht und Betreiber Jörg Gründel zu unterstützen, trafen sich die Kicker zum virtuellen Mannschaftsabend.

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Weil die Sportplätze des Oranienburger FC Eintracht an der André-Pican-Straße derzeit leer bleiben, herrscht auch im Vereinslokal von Betreiber Jörg Gründel kein Betrieb. Der Tresen, an dem sonst die Fußball-Fans zu den Heimspielen ihre Getränke ordern, ist verwaist. „Und es ist kein Ende abzusehen“, sagt Gründel. Die OFC-Kicker wollten nicht tatenlos zusehen, wie es mit ihrer Kneipe wegen fehlender Einnahmen bergab geht. Also trafen sie sich zu einem virtuellen Mannschaftsabend – und zahlten für jedes Getränk und jede Speise auf ein Spendenkonto ein.

„Wir haben gerade die Marke von 1100 Euro geknackt“, hat Frederic Schütze am Montag dem SPORTBUZZER verraten. Der 26-jährige Brandenburgliga-Kicker, der sich mit Mitspieler Miguel Unger und anderen Freunden in der Corona-Fußball-Zwangspause regelmäßig zu solchen Videochats verabredet, hatte die Idee zu diesem spontanen Hilfsprojekt für die OFC-Kneipe. „Jörg gibt so viel. Vor und nach jedem Training können wir zu ihm, er ist immer da. Jetzt können wir endlich mal was zurückgeben“, sagt Schütze. Auch Jörg Gründel, der ganz in der Nähe auch das „Bistro 23“ betreibt, schaltete sich am Freitagabend in die Online-Videokonferenz – und wurde überrascht. „Als plötzlich alle fleißig einzahlten, war ich baff.“

In Bildern: Die SPORTBUZZER-Top-Elf der Brandenburgliga-Hinrunde 2019/20.

Die <b>SPORT</b>BUZZER-Top-Elf der Brandenburgliga-Hinrunde 2019/20. Zur Galerie
Die SPORTBUZZER-Top-Elf der Brandenburgliga-Hinrunde 2019/20. ©

Frederic Schütze gibt zu: „Wir dachten, wenn da 100 Euro zusammenkommen, wäre das schon super.“ Die waren schnell erreicht. Später machte der Link zum sogenannten „Moneypool“ auch seinen Weg durch die Whatsapp-Gruppen des Oranienburger Fußballclubs. Und sogar Nachwuchsteams spendeten einen kleinen Beitrag fürs Vereinslokal. Auch Ex-Spieler meldeten sich, die gar nicht mehr für den OFC auflaufen, aber von der Aktion Wind bekamen. „Alles ganz freiwillig natürlich und jeder wie er kann“, betont Schütze, „wer durch die Krise selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, muss natürlich nichts geben.“

Jörg Gründel ist überwältigt. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, gesteht er. Dabei machen dem Gastronom, der sich 2012 kurzerhand mit dem „Bistro 23“ selbstständig machte, die Einschränkungen im öffentlichen Leben zu schaffen. 70 Prozent des Umsatzes seien weggebrochen. Weil der Fußball in ganz Brandenburg jetzt sogar auf unbestimmte Zeit ruht, wird es in der OFC-Kneipe wohl vorerst weiter still bleiben. „Ich habe mal überschlagen. Es sind grob geschätzt 1500 Euro im Monat, die den Bach runtergehen“, sagt Jörg Gründel, dem es mit der Lokalität an der Orafol-Arena nicht in erster Linie ums Geldverdienen geht. „Wie es weitergeht, hängt auch davon ab, wie es mit den restlichen Geschäften läuft.“ Sein Bistro könne er immerhin eingeschränkt weiter betreiben. Trotz angemeldeter Kurzarbeit würden jedoch weiterhin gewisse Personal- und Nebenkosten auflaufen. Auf Corona-Soforthilfe wartet er noch. „Da tut sich nichts, wir bekommen keine Infos.“ Jörg Gründel weiß: „Ewig halten wir das nicht durch.“

Gründel: "Spende hat uns den Arsch gerettet"

Verlassen kann er sich auf die Solidarität der OFC-Fußballer. Am Dienstag wollte Frederic Schütze das Spendenkonto vorerst schließen. „Dann soll Jörg erstmal das bisher gesammelte Geld bekommen“, erzählt der Mittelfeldspieler, der für Germania Halberstadt sogar schon in der Regionalliga auflief bevor er zu seinem Jugendverein zurückkehrte. „Mal schauen, wie es weitergeht. Vielleicht machen wir nochmal etwas.“

Dass die OFC-Männer, die in der Brandenburgliga auf dem 11. Rang liegen, in dieser Saison noch einmal auf den Fußballplatz zurückkehren können, glaubt Frederic Schütze nicht. „Wenn selbst der Profifußball in manchen Ländern nicht möglich ist, wie soll es dann hier bei uns im Amateurbereich funktionieren“, fragt er. „In der Haut der Verbände, die jetzt darüber entscheiden müssen, wie die Saison dann gewertet wird, möchte ich aber auch nicht stecken.“ Gastronom Jörg Gründel wird die Situation sicher genau beobachten. Er sagt: „Die Spende hat uns für die nächsten zwei Monate den Arsch gerettet. Das kann man den Jungs nicht hoch genug anrechnen und dafür möchte ich ganz groß ,Danke’ sagen!“