14. Mai 2019 / 16:23 Uhr

Offen wie nie: Felix Magath spricht über die Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg

Offen wie nie: Felix Magath spricht über die Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Felix Magath spricht über die VfL-Meisteschaft 2009
Felix Magath spricht über die VfL-Meisteschaft 2009 © Boris Baschin
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Jubiläum: Vor zehn Jahren holte der VfL Wolfsburg sensationell den Meistertitel. Im großen AZ/WAZ-Interview spricht Meister-Trainer Felix Magath offen wie nie über den Weg zum Titel.

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In München trafen sich Felix Magath, Meistertrainer des VfL Wolfsburg 2009, und AZ/WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann zum Gespräch über den Titel. Es ging um den Kader, den Saisonverlauf und Magaths Abschied am Ende der Saison. Nach der Meisterfeier 2009 hatte sich Magath in Richtung Schalke 04 verabschiedet, kehrte allerdings knapp zwei Jahre später noch einmal zum VfL Wolfsburg zurück. Im XXL-Interview, das am Mittwoch im AZ/WAZ-Sonderheft "Zehn Jahre Meisterschaft" erscheint, spricht Magath unter anderem über...

...sein Quälix-Image:

"Das ist auch so ein Thema. Dass ich immer nur auf Konditionsarbeit und das Quälix-Image reduziert werde, ist natürlich Unsinn. Es ging ja nie darum, die Spieler einfach nur fit zu machen. Es ging darum, sie besser zu machen und vor allem ging es darum, sie gesund zu halten. Wir hatten – und das war ein Verdienst von Werner Leuthard – in der Rückrunde der Meistersaison beim VfL kaum Verletzte, obwohl wir hart trainiert haben. In den wichtigen Spielen fiel keiner aus, das war ein ganz großer Faktor."

...über die Rahmenbedingungen bei seinem Amtsantritt:

"Das war ein Vorteil, gerade für mich, natürlich. Ich wusste, was ich als Trainer will, und hatte als Manager die Möglichkeit, das ohne Reibungsverlust umzusetzen. Wenn Sie im Verein einen Trainer und einen Manager oder einen Trainer und einen Sportvorstand haben, haben Sie immer schon einmal mindestens zwei Meinungen. (...) Heute gibt es ja auch Kaderplaner und was weiß ich nicht alles für Posten, das ist ja richtig lustig. Aber je mehr Meinungen man hat, desto mehr verwässert sich die Idee von dem Fußball, den man eigentlich spielen lassen will."

...über den Kader vor der Meistersaison:

"Ich hatte auch noch eine Riesenbaustelle im Kader: Marcelinho. Der war ja noch da, als wir Zvjezdan Misimovic schon verpflichtet hatten. Um mit der Mannschaft einen Schritt nach vorn zu machen, brauchte ich einen wie Zwetschge auf der Zehn. Ich brauchte keinen, der wie Marcelinho selbst den Abschluss sucht, ich brauchte einen, der andere in Szene setzt. Aber ich konnte Marcelinho schlecht draußen lassen, dazu war er als Figur zu wichtig. Er hatte ja auch Tolles geleistet für den VfL und war in meiner ersten Wolfsburg-Saison mein Kapitän. Erst als Mitte August sein Wechsel nach Rio perfekt war, hatten wir klare Verhältnisse."

Grafite in Wolfsburg - Die Bilder

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...seinen Lieblingsspieler:

"Grafite. Er war mein wichtigster Spieler. (...) Er war gerade ein paar Tage bei uns, da hat er sich in einem Testspiel gegen unsere U23 verletzt. Der Knöchel war richtig dick, war auch am Tag danach, einem Donnerstag, nicht abgeschwollen und die Ärzte schlossen einen Einsatz am Samstag in Cottbus aus. Am Freitag kommt er plötzlich mit Sporttasche in die Kabine. Ich frage ihn: ,Graffa, was willst du mit der Sporttasche?' ,Ich will spielen', hat er gesagt. Ich habe ihn groß angeguckt: ,Was willst du?' Ich hatte ihn ja gar nicht auf dem Zettel mit seinem dicken Knöchel. Und die ganze Zeit hatte er dabei gute Laune. Egal, ob er angeschlagen war oder ob das Training hart war: Er hat nie gemault, war nie negativ. Diese Einstellung hat mir enorm gefallen, so einen Spieler hatte ich ansonsten in meiner ganzen Trainer-Karriere nicht – vorher nicht und hinterher nicht. Dabei waren gerade für ihn als großen und schweren Spieler die Lauf-Einheiten immer viel schwieriger als für die kleinen, drahtigen Ausdauer-Typen. Aber egal, wie hart es war – Graffa war der, der gute Laune hatte und verbreitete."

Zehn Jahre nach dem Titel: Andreas Pahlmann und Felix Magath beim Gespräch in München
Zehn Jahre nach dem Titel: Andreas Pahlmann und Felix Magath beim Gespräch in München ©

...die Einwechslung des Ersatztorwarts, mit der er die Bayern beim 5:1 angeblich demütigen wollte

"Das erzählen die bei den Bayern bis heute, es ist aber trotzdem Blödsinn. André Lenz war bei uns eine ganz wichtige Figur, im Training, in der Kabine, immer eine positive Ausstrahlung. Als Ersatztorwart hatte er aber nur ein relativ geringes Grundgehalt, dafür eine eher hohe Einsatzprämie. Und schon bei der Vertragsverlängerung hatte ich ihm versprochen, dass ich ihn bei passender Gelegenheit mal bringen werde. Ich konnte ja nichts dafür, dass diese Gelegenheit gerade in dem Spiel kam – und es konnte ja keiner wissen, ob wir in der Saison noch einmal so hoch führen werden. Ich war einfach als Trainer in der Pflicht, für das geradezustehen, was ich als Manager ausgehandelt und versprochen habe. Dass die Bayern das schon damals nicht einsehen wollten, dafür kann ich auch nichts."

...seinen Wechsel zu Schalke 04

"Als mich Schalke kontaktierte, hatte ich schon entschieden, dass ich Wolfsburg nach der Saison verlassen werde. (..:) Ich hätte in der Winterpause sagen müssen, ob ich das dritte Vertragsjahr noch machen will oder nicht. Darüber wollte ich mit dem VfL-Aufsichtsratsvorsitzenden und VW-Vorstand Hans Dieter Pötsch sprechen. Zu der Zeit gab‘s aber den Ärger mit Porsche und der versuchten VW-Übernahme. Pötsch war zu beschäftigt, wir vertagten uns erst auf Januar, dann auf Februar oder März, es wurde nichts draus, wir konnten über die aufkommende interne Unzufriedenheit mit mir nicht reden. So war die Gemengelage, die dann schließlich zu meiner Entscheidung führte."

Außerdem...

...verrät Magath in dem Interview, warum er Angst um den Titelgewinn hatte, ab wann er an die Meisterschaft geglaubt hat, warum ihn das schlechte Gewissen 2011 zurück nach Wolfsburg trieb und wessen Idee die Verpflichtung von Weltmeister Barzagli war..

Das komplette Interview lesen Sie am Mittwoch im Sonderheft der AZ/WAZ
Das komplette Interview lesen Sie am Mittwoch im Sonderheft der AZ/WAZ © imago sportfotodienst

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