27. November 2019 / 09:09 Uhr

Offensichtliche Defizite: Braucht Hannover 96 eine neue Mannschaft?

Offensichtliche Defizite: Braucht Hannover 96 eine neue Mannschaft?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Aktuell ein Schatten seiner selbst: 
96-Kapitän Marvin Bakalorz.
Aktuell ein Schatten seiner selbst: 96-Kapitän Marvin Bakalorz. © Florian Petrow
Anzeige

Hannover 96 ist hinten anfällig und vorne zu ideenlos. Das hat sich auch im ersten Spiel nach dem Trainerwechsel zu Kenan Kocak nicht geändert. Wie soll sich die Leistung der 96-Profis noch bessern?

Anzeige
Anzeige

Für Hendrik Weydandt, einen der klügsten 96-Köpfe, ist die Sache klar. „Es ist nur ein kleines Rädchen in der Maschinerie, das klemmt.“ Was da aber hakt, „kann ich nicht sagen“. Schade, denn so könnte der Stürmer helfen zu verstehen, was mit diesem 96 los ist.

Es macht ratlos, dass auch der neue Trainer dem Team (noch) kein neues Leben einhauchen konnte. Kenan Kocak hat zwar zu Recht den Zeitfaktor angeführt, er könne schließlich „nicht alles nach drei Einheiten korrigieren“. Doch dass es nicht mal zu einem Unentschieden gegen eine durchschnittliche Zweitligamannschaft wie Darmstadt gereicht hat, ist erschütternd.

Die Roten in Noten: Das ist die Einzelkritik zum Heimspiel von Hannover 96 gegen den SV Darmstadt 98

<b>Ron-Robert Zieler:</b> Den frühen Rückstand kann er nicht verhindern, danach mehrfach reaktionsschnell. Beim 0:2-Hammer komplett chancen- und schuldlos. Läuft am Ende sogar mit nach vorne. Note 3. Zur Galerie
Ron-Robert Zieler: Den frühen Rückstand kann er nicht verhindern, danach mehrfach reaktionsschnell. Beim 0:2-Hammer komplett chancen- und schuldlos. Läuft am Ende sogar mit nach vorne. Note 3. ©

Die große 96-Kader-Umfrage: Ihr könnt entscheiden - Wer soll im Winter gehen und wer darf bleiben?

Mehr anzeigen

Hannover 96 kämpft gegen Braunschweig

Kocak startete bei 96 wie der unselige Thomas Schaaf mit einer 1:2-Heimniederlage gegen Darmstadt. Auf Schaaf folgte der Abstieg. Kocak zeigt sich überzeugt, dass es diesmal nicht so weit kommt und 96 nicht in die 3. Liga durchgereicht wird. „Wir kriegen wieder auf die Fresse, müssen aber wieder aufstehen“, fordert Kocak.

Mit jeder Niederlage rückt nun aber auch das große Ganze schärfer in den Blick – wie die Zusammenstellung der Mannschaft, die nach 14 Spielen nicht mal Zweitligastandards genügt. War Sportchef Jan Schlaudraff, eben erst in den Job gehievt, überfordert? Hätte 96-Chef Martin Kind mehr Geld lockermachen müssen? Braucht 96 eine neue Mannschaft?

Bliebe es bei Platz 16, müsste 96 in der Abstiegsrelegation gegen den Dritten der 3. Liga antreten. Aktuell ist das der Hallesche FC, der aber punktgleich mit Eintracht Braunschweig ist. 96 kämpft gegen Braunschweig um den Verbleib in der 2. Liga – das Duell möge der Fußballwelt besser erspart bleiben.

Die Vertragslaufzeiten der Spieler von Hannover 96

Hendrik Weydandt (im Team seit 2018): Vertrag <b>läuft zum Saisonende aus</b> Zur Galerie
Hendrik Weydandt (im Team seit 2018): Vertrag läuft zum Saisonende aus ©

"Da hat der Mut gefehlt"

Die Defizite sind offensichtlich. Hinten kassiert die Mannschaft weiter viel zu einfache Gegentore, das Offensivspiel ist einfallslos. Die Dominanz der zweiten Hälfte verpuffte, weil die Mannschaft keine Lösungen findet. Es gibt kaum zwingende Torchancen, die gegnerischen Abwehrketten können die behäbigen 96-Versuche locker abprallen lassen. Es fehlt am Tempo der Spieler und in der Ballzirkulation.

Kein Team der 2. Liga hat weniger Tore als die 15 von 96 erzielt. „Da war brutal viel Raum, den wir hätten bespielen können“, erkannte Kocak im Darmstadt-Spiel. „Da hat der Mut gefehlt, die vertikale Lösung zu suchen. Da haben wir abgebrochen, einen Rück- oder Querpass gespielt.“

Zur Mutlosigkeit kam der Ausfall von Cedric Teuchert, der neben Weydandt stürmen sollte, aber sich beim Abschlusstraining das Jochbein brach. „Wir haben gewisse Abläufe trainiert, und dann fällt der Stürmer aus, der eine wichtige Rolle spielen sollte“, ärgerte sich Kocak

Mehr zu Hannover 96

Ein Rätsel

Marvin Ducksch war der Ersatzmann, was sich aber schon auf St. Pauli am Samstag erledigt haben dürfte. Weydandt und Ducksch sind „ähnliche Stürmertypen, da haben Lauf- und Passwege nicht gestimmt“, monierte Kocak.

Auch stimmt die Form derjenigen Profis nicht, die der Mannschaft Stabilität verleihen sollten. Waldemar Anton wackelte gehörig, nicht nur bei seinem Slapstick-Eigentor. Marvin Bakalorz und Edgar Prib sind ein Schatten ihrer selbst. Wie sich das alles zum Besseren wenden soll, ist ein Rätsel. Es sei denn, man ist Optimist wie Weydandt, der glaubt: „Wenn’s einmal losgeht, dann geht’s richtig los.“

Die große 96-Kader-Umfrage: Ihr könnt entscheiden - Wer soll im Winter gehen und wer darf bleiben?

96-Fanmeinungen zum kuriosen Stendera-Einsatz gegen Darmstadt

96-Fankommentar zum turbulenten Stendera-Kurzauftritt gegen Darmstadt Zur Galerie
96-Fankommentar zum turbulenten Stendera-Kurzauftritt gegen Darmstadt ©

Mehr anzeigen