08. September 2021 / 14:47 Uhr

Grizzlys-Coach Stewart: "Defense first" für offensives Eishockey

Grizzlys-Coach Stewart: "Defense first" für offensives Eishockey

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Erklärt, was er von seinem Team auf dem Eis sehen will: Grizzlys-Coach Mike Stewart.
Erklärt, was er von seinem Team auf dem Eis sehen will: Grizzlys-Coach Mike Stewart. © Sahnefoto
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Grizzlys-Coach Mike Stewart lässt offensiv spielen, Vorgänger Pat Cortina defensiv. Das lasse sich so einfach aber nicht zusammenfassen, sagen der Trainer und Wolfsburgs Kapitän Sebastian Furchner unisono und erklären das neue Spielsystem der Grizzlys.

Defensives Eishockey unter Pat Cortina in der Vorsaison, offensives unter Mike Stewart in der anstehenden DEL-Spielzeit. Doch so einfach lasse sich das gar nicht zusammenfassen, betont der neue Chefcoach der Grizzlys Wolfsburg und erklärt seine Spielidee vom "In-Your-Face-Hockey", wie er es mal nannte. "Meine Vision ist schon Defense first." Die Verteidigung soll also das Fundament des Spiels bilden, aber der Coach will, dass seine Spieler aggressiv und früh verteidigen. Das beginnt schon im gegnerischen Drittel. Und bei Puck-Eroberung soll so schnell wie möglich nach vorn gespielt werden. Das war unter seinem Vorgänger anders.

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"Speziell in der ersten Saison unter Cortina haben wir gerade am Anfang hinten versucht, die Scheiben zu sichern, und dann so lange rumgespielt, bis sie weg waren", gibt Kapitän Sebastian Furchner zu. "Aber jetzt wollen wir sie möglichst schnell aus dem Drittel raustransportieren." Allerdings, so das Grizzlys-Urgestein, sehe man in der Öffentlichkeit zu häufig in Schwarz und Weiß. "Es ist ja nicht so, dass einer offensiv spielen lässt und der andere defensiv. Alle Systeme sind darauf ausgelegt, keine Tore zu kassieren. Wir fangen aber früher an zu attackieren - und dann ist auch der Weg zum gegnerischen Tor nicht mehr so weit..." Dieses laufintensive Spiel passe zur Grizzlys-DNA, ist sich der Kapitän sicher.

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Und das tun damit auch die Anweisungen des neuen Trainers, der keine Probleme hatte, sich in Wolfsburg zurechtzufinden. "Der Kern hier in Wolfsburg ist lange zusammen. Ich habe auch Furchi mehrmals gefragt, wie, wo und warum", erzählt Stewart mit einem Schmunzeln. Und so setzt der Coach auf die Erfahrung vor Ort, hat unlängst bekannt gegeben, dass Furchner Kapitän bleibt. Für den Stürmer ist das alles andere als selbstverständlich. "Das ist eine große Ehre für mich", sagt er. "Aber wäre ein Trainer gekommen, der etwas anderes machen will, hätte ich das auch verstehen können."

Spencer Machacek (auch von Stewart bestimmt) bleibt zudem einer der beiden Assistenzkapitäne. Dazu hat das Team die drei weiteren Mitglieder des Mannschaftsrats am Mittwoch gewählt: Gerrit Fauser, Darren Archibald und Julian Melchiori, Letzterer erhielt die meisten Stimmen und wird deshalb das zweite A auf dem Trikot tragen. Stewart: "Mir ist wichtig, dass die Entscheidung aus der Kabine kommt."

Am Freitag steht den Wolfsburgern dann in Köln (19.30 Uhr) der Saisonauftakt bevor. Es ist der Start in eine Spielzeit mit vier Spielen mehr als sonst durch den Aufstieg von Bietigheim, dazu gibt's im Februar noch die Olympia-Pause. Ein eng getakteter Spielplan steht den Grizzlys bevor. Kein Problem für Furchner. "Man spielt ja sowieso lieber als dass man trainiert", sagt er und ergänzt mit einem Lachen: "Am besten sind dann die Play-Offs: Da spielt man jeden zweiten Tag und trainiert gar nicht." In Sachen Belastungssteuerung macht der Spielplan für den Coach aber schon einen Unterschied: "Wir müssen eine gute Balance finden, wir wollen die Jungs nicht runterhobeln oder verheizen." Aber, so Stewart kämpferisch: "Wir wollen Spiele gewinnen - und das werden wir auch hinbekommen."

Das wünscht sich natürlich auch Wolfsburgs Oberbürgermeister und Grizzlys-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Mohrs: "Die Erwartungen an die Saison sind hoch wie in jedem Jahr. Ein Platz unter den ersten Sechs ist die Zielsetzung für die Hauptrunde. Ich sehe die Mannschaft als verstärkt an, freue mich auf schnelles und aggressives Grizzlys-Eishockey."


Keine Veränderungen am Kader vorm Saisonstart

Acht Neuzugänge gilt es bei den Grizzlys Wolfsburg ins Team zu integrieren. Wobei mit Luis Schinko (Schulter-OP) einer langfristig ausfallen wird - er ist damit der einzige Akteur, der bereits jetzt sicher beim Saisonauftakt in Köln fehlen wird. Nur noch einer der drei an Corona erkrankten Spieler befindet sich in Quarantäne, darf diese bis zum Liga-Auftakt eventuell aber wieder verlassen. Die anderen beiden durften am Mittwoch wieder am Trainingsbetrieb teilnehmen. Ob und wer von ihnen gegen die Kölner Haie dabei sein wird, steht noch nicht fest. Zudem ist Verteidiger Jordan Murray (Oberkörperverletzung) fraglich. "Das entscheiden wir kurzfristig", sagt Coach Mike Stewart.

In der vergangenen Woche hat außerdem Phillip Bruggisser die Wolfsburger verlassen, die Verantwortlichen konnten dem Verteidiger nicht mehr Spielzeit garantieren. Dadurch ist bei den Wolfsburgern eine neunte Import-Lizenz freigeworden (neun dürfen pro Spiel eingesetzt werden) - doch die wird nicht so schnell erneut besetzt. "Wir haben intern diskutiert, auch was das Wirtschaftliche angeht", berichtet Manager Charly Fliegauf. "Aber unsere Kaderstärke ist groß genug. Wir werden dann reagieren, wenn es notwendig ist." Die Wolfsburger werden also mit dem Kader, den sie aktuell haben, in die Saison starten. Es kommt auch erst mal kein weiterer U23-Stürmer nach der Schinko-Verletzung. Als dritter Torhüter wird Nachwuchs-Mann Leon Grothe wie schon in der Vorsaison lizenziert.

"Unser Kader ist im Schnitt größer, starker und jünger geworden", freut sich Fliegauf, der eine Mannschaft auf dem Eis sehen will, "die dem Gegner auf den Sack geht". Der Manager nimmt jetzt Coach Mike Stewart und sein Team in die Pflicht. Fliegauf mit einem Schmunzeln: "Wir haben gute Voraussetzungen für die Trainer geschaffen. Jetzt gibt es keine Ausreden."