05. Dezember 2022 / 22:38 Uhr

Offiziell: Oliver Bierhoff verlässt den DFB – Vertrag mit sofortiger Wirkung aufgelöst

Offiziell: Oliver Bierhoff verlässt den DFB – Vertrag mit sofortiger Wirkung aufgelöst

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Löste seinen Vertrag beim DFB vorzeitig auf: Oliver Bierhoff.
Löste seinen Vertrag beim DFB vorzeitig auf: Oliver Bierhoff. © IMAGO / Sven Simon
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Oliver Bierhoff und der Deutsche Fußball-Bund gehen mit sofortiger Wirkung getrennte Wege. Das teilte der DFB am späten Montagabend mit. Der Vertrag mit dem Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie ist aufgelöst worden.

Vier Tage nach dem zweiten deutschen Vorrunden-Aus bei einer Weltmeisterschaft in Folge hat es personelle Konsequenzen beim Deutschen Fußball-Bund gegeben. Wie der DFB am Montagabend mitteilte, habe man sich mit Geschäftsführer Oliver Bierhoff darauf verständigt, den eigentlich bis Ende Juli 2024 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen. Bierhoff war 2004 zum Verband gekommen und zunächst als Manager der Nationalmannschaft tätig. 2018 wurde er Direktor Nationalmannschaften und Akademie und 2022 Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie der DFB GmbH & Co KG.

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 "Oliver Bierhoff hat sich große Verdienste um den DFB erworben. Auch wenn die letzten Turniere hinter den sportlichen Zielen zurückblieben, steht er für große Momente. Sein Wirken wird für immer mit dem WM-Erfolg in Brasilien verbunden bleiben. Er verfolgte auch in unruhigen Zeiten stets seine Ziele und Visionen und hat den DFB nachhaltig geprägt. Ich danke Oliver Bierhoff im Namen der DFB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für alles, was er für uns und den Fußball in Deutschland geleistet hat", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf in einer Erklärung des Verbandes.

Bierhoff erklärte, dass er mit seinem Abgang "den Weg frei für neue Weichenstellungen" mache. "Es war eine intensive, spannende und lehrreiche Zeit, in der wir gemeinsam große Erfolge feiern konnten, Rückschläge verarbeiten mussten und außergewöhnliche Projekte umsetzen durften", sagte der 54-Jährige und bedankte sich bei seinen Weggefährten: "Mein Wirken war stets getrieben von der Überzeugung, mein Bestes für den DFB und die Nationalmannschaften zu geben. Umso mehr schmerzt mich das Abschneiden der Männer Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Russland und Katar. Ich gehe deshalb auch nicht ohne die nötige Selbstkritik."

Und weiter: "In den vergangenen vier Jahren haben wir es nicht geschafft, an frühere Erfolge anzuknüpfen und den Fans wieder Grund zum Jubeln zu geben. Einige Entscheidungen, von denen wir überzeugt waren, haben sich nicht als die richtigen erwiesen. Das bedauert niemand mehr als ich. Dafür übernehme ich die Verantwortung." Die Nachfolge Bierhoffs, der seinen Rücktritt unmittelbar nach dem WM-Aus noch ausgeschlossen hatte, bleibt zunächst offen. Im Sommer 2024 findet die Europameisterschaft in Deutschland statt.

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Bierhoff räumt den Posten als für die Nationalmannschaften und die Akademie verantwortlicher DFB-Direktor noch vor dem für Mitte der Woche avisierten Krisengespräch mit Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke. Dort wird über die Nachfolgeregelung in den DFB-Gremien beraten. Welche Konsequenzen der Rücktritt für die Zukunft von Hansi Flick als Bundestrainer hat, war zunächst unklar.

Mit seinem Amtsantritt 2004 hatte Bierhoff beim DFB Neuland betreten und eine Funktion übernommen. die es so beim Verband noch nie gab. Als Teammanager war er an der Seite von Bundestrainer Jürgen Klinsmann maßgeblich am Sommermärchen bei der Heim-WM zwei Jahre später beteiligt. Mit großem Erfolg schaffte er um die DFB-Elf eine Aufbruchstimmung, die letztlich im WM-Triumph 2014 in Brasilien mit Joachim Löw als Bundestrainer gipfelte.

Für Bierhoff folgte parallel zum sportlichen Niedergang spätestens nach dem EM-Aus 2016 ein kontinuierlicher Akzeptanzverlust bei den Fans. Seine Marketingkonzepte wurden ihm negativ ausgelegt. Der von ihm eingeführte Begriff "Die Mannschaft" als Markenbotschaft für die Nationalmannschaft verfing überhaupt nicht. Die Fertigstellung der DFB-Akademie in Frankfurt als neue Verbandszentrale war ein Kontrapunkt zur kritischen Stimmung und eine Herzensangelegenheit für den Europameister von 1996.

Auch bei den Turnierplanungen lief es für den früheren Mittelstürmer nicht mehr rund. Sein hymnisch gefeiertes Hüttendorf Campo Bahia in Brasilien war der letzte Glücksgriff als Teamquartier. Für das Hotel in Watutinki nahe Moskau gab es 2018 viel Kritik - besonders nach dem WM-Aus. Das Zulal Wellnes Resort in Al-Ruwais im Norden Katars wurde auch zum Symbol einer zu sehr behüteten und abgeschotteten Nationalmannschaft. Nach dem erneuten Vorrundenscheitern war Bierhoff noch mehr als Flick in den Fokus der enttäuschten Fans geraten. Neben der Enttäuschung über das sportliche Abschneiden des Teams häufte sich auch Kritik am Umgang des DFB mit der Debatte um die faktisch von der FIFA verbotene "One Love"-Binde.

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