30. Juni 2020 / 14:43 Uhr

Ohne Besucher fehlt Geld: Wann wird es auf der Neuen Bult wieder voll?

Ohne Besucher fehlt Geld: Wann wird es auf der Neuen Bult wieder voll?

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auf der Neuen Bult fehlen noch die Zuschauer.
Auf der Neuen Bult fehlen noch die Zuschauer. © Frank Sorge
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Alle vermissen Besucher auf der Neuen Bult. Der Marathon-Renntag schließt am Sonntag mit einem Minus ab. Deshalb hofft Chef Gregor Baum im Überlebenskampf ab September auf Sponsoren.

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„14 Rennen – war doch gar nicht so schlimm, oder?“, fragte Bult-Chef Gregor Baum mit einer Portion Ironie in die Runde im Absattelring, als er die letzte Mini-Siegerehrung des Marathon-Renntages hinter sich gebracht hatte. 14 Rennen an einem Tag hatte es in der deutschen Turfgeschichte bislang nur zweimal gegeben, zuletzt vor 19 Jahren in Hamburg.

Weil wegen der Corona-Pandemie etliche Renntage in Deutschland ausgefallen sind und ein großer Nachholbedarf an Zucht- und Leistungsüberprüfungen für die Edelgalopper besteht, sind die Geisterveranstaltungen seit Anfang Mai so vollgepackt. „Es geht auch darum, Verdienstmöglichkeiten für die Besitzer zu schaffen. Man muss denen was anbieten“, erklärte Baum, Präsident des veranstaltenden Hannoverschen Rennvereins. „Die Besitzer haben es schwer im Moment. Insofern ist es gut, wenn wir ein großes Angebot haben.“

Bilder von der Zucht- und Leistungsprüfungen der Galopper auf der Neuen Bult in Langenhagen (7. Juni)

Impressionen der Zucht- und Leistungsprüfungen der Galopper auf der Neuen Bult in Langenhagen. Zur Galerie
Impressionen der Zucht- und Leistungsprüfungen der Galopper auf der Neuen Bult in Langenhagen. ©

Geteilte Meinungen über Anzahl der Rennen

Die Meinungen, ob es denn wirklich 14 statt zehn bis zwölf Rennen pro Tag sein müssen, gehen auseinander. Topjockeys wie Filip Minarik freut es, dass sie so viele Ritte nehmen können. Schließlich bekommen sie für jedes Rennen ein Startgeld. Minarik „kann das Gejammer über 14 Rennen nicht nachvollziehen. 14 Rennen sind doch besser als gar keins.“ Er sei „bisher nur einmal“ in seinem Leben „unglücklich gewesen. Und das war in der Coronapause“, sagte Minarik am Sonntag in Langenhagen. Montagabend war er bereits wieder beim Renntag in Köln aktiv.

Dem Magdeburger Trainer Frank Fuhrmann dagegen ist am Sonntag fast ein bisschen langweilig geworden auf der Bult. „14 Rennen sind zu viel, man steht zu lange rum. Außerdem sind es ja auch immer die gleichen, die zu einem Renntag kommen dürfen“, sagte Fuhrmann. Er vermisst jedenfalls „die Fans, die Zuschauer, die einen hochjubeln und wetten und mitfiebern. Das fehlt.“ Auf die Frage, ob eine Zuschauermenge die Pferde sogar schneller laufen lassen würde, meinte Fuhrmann: „Ich glaube, ja. Jetzt sind es gefühlt ja eher Trainingsrennen.“

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"Werden diesen Renntag ein Minus machen"

Alle wünschen sich die Rückkehr der Zuschauer so schnell wie möglich. Doch wie realistisch sind die Chancen? Bis Ende Oktober gilt das aktuelle Verbot für Großveranstaltungen. Auf die Bult kommen normalerweise 10 000 bis 20 000 Menschen pro Renntag. Bislang durften nur Beteiligte und Helfer des Rennbetriebs sowie Besitzer der Pferde auf die Bahn. Am Sonntag ging der HRV spontan noch einen Schritt weiter und lud die Rennvereinsmitglieder ebenfalls ein. Einige nahmen an. Aber auch sie konnten den Wettumsatz (insgesamt 380 542,10 Euro) nicht entscheidend ankurbeln. „Wir werden diesen Renntag ein Minus machen“, sagte Baum.

Phase eins des Masterplans des Dachverbandes Deutscher Galopp lief bis 15. Juni. Bis dahin verzichteten die großen Wettanbieter auf ihre Provision. In der jetzigen Phase zwei (bis 1. September) müssen die Rennvereine 75 Prozent der Provision zahlen. Ein Grund, warum die Bult am Sonntag die Kosten nicht decken konnte. Ab Phase drei hofft Baum, die Beschränkungen für Besucher aufweichen zu dürfen. „Oder dass zumindest Sponsoren zugelassen sind. Ohne sie geht es nicht.“ Baum malte ein düsteres Bild: „Wir werden die dritte Phase sicher nicht überleben, wenn wir auf Sponsoren weiter verzichten müssen.“

Die nächsten Bult-Termine in 2020: 25. Juli, 23. August, 20. September, 4. Oktober, 25. Oktober.