22. Februar 2021 / 16:22 Uhr

„Olaf Becker hatte mir schon vor Jahren gesagt, dass er mich mal als Trainer sieht“

„Olaf Becker hatte mir schon vor Jahren gesagt, dass er mich mal als Trainer sieht“

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Die Adler aus Handorf und Trainer Philipp Wulfes (vorn, links) zeigten auch beim PAZ-Cup im Januar 2020 gute Spiele. Sie erreichten als Mannschaft aus der 1. Kreisklasse die Endrunde.
Die Adler aus Handorf und Trainer Philipp Wulfes (vorn, links) zeigten auch beim PAZ-Cup im Januar 2020 gute Spiele. Sie erreichten als Mannschaft aus der 1. Kreisklasse die Endrunde. © Isabell Massel
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Mit dem Fußballspielen war es bei Philipp Wulfes 2017 vorbei. Nach seiner schweren Knieverletzung blieb er dem Fußball aber erhalten: Als Trainer. Mit dem TSV Adler Handorf und einer Reihe Spieler, die älter sind als er, führt er die Tabelle der 1. Kreisklasse B an. 

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Ein Knacken – und das war’s mit der Laufbahn von Philipp Wulfes als Fußballspieler. „Das war 2017 im Spiel gegen Adenstedt. Bei einem Laufduell bin ich im Rasen hängen geblieben. Sogar mein Gegenspieler hatte das Geräusch gehört“, sagt Wulfes, der damals für den TSV Adler Handorf spielte. Kreuzbänder und Meniskus waren kaputt. Und weil es nach dem ersten Flicken nicht gut war, musste er ein zweites Mal operiert werden.

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Heute ist er Trainer der Mannschaft, die in der 1. Kreisklasse B Tabellenführer ist. Denn auf diesem Niveau zu spielen, würde mit dem Knie nicht mehr funktionieren. „Aber auch mit heilem Knie hätte ich in dieser Mannschaft als Spieler nichts zu suchen. Die Jungs haben eine solche Qualität – ich wäre eher einer für die Zweite“, gibt Wulfes zu.

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Dafür ist er mit 27 Jahren einer der jüngsten Trainer einer Herren-Mannschaft im Kreis Peine. Im Team hat er Kicker, die fast zehn Jahre älter sind, wie zum Beispiel René Hauer. Autoritätsprobleme gibt es dennoch nicht. „Wenn René mir etwas sagt, dann reflektiere ich das natürlich. Und ich richte mich dann danach. Ich bin ja auch nicht allwissend.“

Zudem ist der Student nicht allein, sondern er hat Karsten Klein und Christian Neumann als erfahrene Co-Trainer an seiner Seite. Wulfes redet deshalb auch weniger von sich, als vom „Trainerteam“, wenn es um das Einstellen der Mannschaft geht. Keine langen Ballpassagen und Einzelaktionen, sondern schnelles Spiel – das strebt das Trainerteam an. Wulfes ist über die Zusammenarbeit auch unter dem Aspekt der Entlastung froh. Denn Ende des Jahres steht in seinem dualen Handelsmanagement-Studium die Bachelor-Prüfung an. Beim einen oder anderen Training kann er nicht dabei sein.


Mit dem Kicken begann Philipp Wulfes beim Bültener SC. „Dort war Christian Neumann mein Trainer, jetzt ist er mein Co-Trainer.“ In der A-Jugend war Olaf Becker der Coach von Wulfes. „Er hatte mir schon vor Jahren gesagt, dass er mich mal als Trainer sieht.“ Bei den Herren spielte Wulfes mal in der Ersten Herren, mal in der Zweiten. „So richtig Stammspieler in der Ersten war ich eigentlich nie. Dafür habe ich aber bis auf Torwart fast alles gespielt. In der Meistersaison 14/15 wurde ich meistens außen eingesetzt.“

In der Saison hatte er seinen ersten Doppelpack geschnürt. „Beim Spiel gegen Abbensen bin ich zweimal von links reingezogen und habe den Ball ins obere Eck geschossen – in Arjen-Robben-Manier. Das ist heute noch ein Running-Gag unter den Jungs.“ Es blieb der einzige Doppelpack. „Dafür waren es zwei schöne Tore.“

Nach seiner Verletzung übernahm Wulfes das Amt als Co-Trainer, und als ein Nachfolger für Coach Stephan Schrul gesucht wurde, stimmte er zu, als er gefragt wurde. „Der TSV Adler ist für mich eine Herzensangelegenheit, da musste ich nicht lange überlegen, als die Anfrage kam“, sagte Wulfes im Juni 2019. Die Entscheidung fiel um so leichter, als der Wunsch zur Beförderung ihres Co-Trainers auch aus den Reihen der Spieler kam. Das erleichterte Wulfes den Start als jüngster Trainer der Liga.

Dass er als relativ junger Kerl aus den eigenen Reihen im Team ein Akzeptanzproblem bekommen könnte, hatte Wulfes nicht befürchtet. „Ich hatte mit dem Mannschaftsrat vorher darüber gesprochen. Privat verhalte ich mich natürlich anders, als wenn ich beim Spiel bin. Aber es zeigt sich, dass es klappt. Auch die Älteren akzeptieren das.“

Von Matthias Press