18. Mai 2020 / 07:55 Uhr

Klublegende Olaf Thon kritisiert Schalke nach Derby-Debakel deutlich und warnt vor "freiem Fall"

Klublegende Olaf Thon kritisiert Schalke nach Derby-Debakel deutlich und warnt vor "freiem Fall"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer David Wagner erlebt auf Schalke derzeit eine Krise. Klublegende Olaf Thon sieht die Saisonziele gefährdet.
Trainer David Wagner erlebt auf Schalke derzeit eine Krise. Klublegende Olaf Thon sieht die Saisonziele gefährdet. © Getty/imago images
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Nach der deutlichen Niederlage im Revierderby gegen Borussia Dortmund sieht Klublegende Olaf Thon den FC Schalke 04 am Scheideweg. S04 habe "wenig bis gar nichts" zum insgesamt positiven Re-Start der Bundesliga beigetragen, erklärte der Weltmeister.

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Anders als viele Konkurrenten ist der FC Schalke 04 äußerst formschwach aus der Corona-Zwangspause gekommen. Die "Knappen" ließen sich im Revierderby von einem erfrischend aufspielenden BVB regelrecht demütigen, verloren mit 0:4 und müssen sich viele unangenehme Fragen gefallen lassen: Warum konnte man im vermeintlich wichtigsten Spiel der Saison dem Erzrivalen nicht mal im Ansatz Paroli bieten? Warum lässt die Trendwende auf sich warten? Und wie will Trainer David Wagner die wackelige Abwehr und das Torwart-Problem in den Griff kriegen?

Einer, der sich große Sorgen um die Schalker macht, ist Klublegende Olaf Thon, der sich in einer Kolumne für den Kicker mit seinem langjährigen Ex-Klub auseinandersetzte und zu keinem guten Ergebnis kam. Sein Fazit: "Der FC Schalke 04 hat beim Re-Start sportlich (...) wenig bis gar nichts zur Werbung der Bundesliga beigetragen." Das Revierderby und die klare Niederlage hätten dagegen "gezeigt, dass die Mannschaft unter den denselben Problemen wie vor der Corona-Pause leidet, und zwar in allen Mannschaftsteilen".

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Der 54-Jährige, der in Gelsenkirchen geboren und bei S04 ausgebildet wurde, spielte von 1983 bis 1988 und nochmals zwischen 1994 und 2002 für die Schalker Profis, bemängelte sowohl die Offensive als auch die Defensive. Im Angriff sei "viel zu wenig los" gewesen, im Mittelfeld fehle es "an Zugriff", der es den starken Dortmunder Offensivkräften allzu leicht gemacht habe, die Schalker Abwehrkette aus den Angeln zu heben.

Kritik bekam auch Torwart Markus Schubert ab, der nach schweren Patzern den designierten Bayern-Profi Alexander Nübel ersetzte, aber im Derby selbst mehrfach daneben griff. Beim Ex-Dresdner "würde ich mir wünschen, dass er eine insgesamt coolere Körpersprache an den Tag legt - vor allem, nachdem er ein Tor kassiert, das er maßgeblich verursacht hat", erklärte Thon.

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Die Rückkehr der Bundesliga aus der Corona-Zwangspause wurde auch im Ausland aufmerksam verfolgt. Der SPORTBUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse zusammengefasst. ©

Thon über mögliche Ausgliederung: "Gehört immer alles auf den Tisch"

Den jungen Keeper hatte man auf Schalke nach dem Derby demonstrativ in Schutz genommen - auch, weil man um die prekäre Lage auf der Position weiß. Eine Torwart-Diskussion "wollen wir nicht anfangen", sagte Klubchef Clemens Tönnies. "Wir werden uns die Nase putzen. Jetzt sind der Trainer und die Truppe gefragt." Allerdings waren es nicht die ersten Fehler des U21-Nationalkeepers, der gegen den FC Bayern und VfL Wolfsburg ebenfalls nicht gut aussah.

Aus Sicht von Thon steht Schalke nach der herben Enttäuschung beim Re-Start am Scheideweg. "Durch das 0:4 wurde der FC Schalke in der Tabelle von Platz 6 auf 8 weitergereicht. Dies darf jetzt nicht in einen freien Fall ausarten!", warnte der Weltmeister von 1990, der auch die Aussagen von Tönnies hinsichtlich einer Ausgliederung der Profiabteilung aus dem finanziell schwer angeschlagenen Klub kommentierte. Thon: "Auf Schalke war man immer stolz darauf, ein eingetragener Verein zu sein. Ich bin dennoch der Meinung, dass immer alles auf den Tisch gehört."