24. März 2019 / 09:24 Uhr

Oliver Bierhoff sieht neue Rolle für die Bundesliga – ohne „absolute Topspieler“

Oliver Bierhoff sieht neue Rolle für die Bundesliga – ohne „absolute Topspieler“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hat der englische Fußball der Bundesliga den Rang abgelaufen? Oliver Bierhoff sieht Deutschland am Scheideweg.
Hat der englische Fußball der Bundesliga den Rang abgelaufen? Oliver Bierhoff sieht Deutschland am Scheideweg. © imago/Montage
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DFB-Direktor Oliver Bierhoff präsentiert seine Vision für die Bundesliga – die nicht allen Fans schmecken wird. Der 50-Jährige erklärt, wie er den deutschen Fußball zukunftsfähig machen will.

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DFB-Direktor Oliver Bierhoff sieht die Bundesliga künftig vor allem als Plattform für Talente. „England ist im Moment zu weit enteilt, aber die Bundesliga wird sich als Nummer zwei dahinter klar positionieren. Es kommen vielleicht aufgrund des Geldes nicht die absoluten Topspieler, dafür aber die besten Talente“, sagte Bierhoff der Bild am Sonntag nach dem Debakel der deutschen Mannschaften in der Champions League. Der FC Bayern, BVB und Schalke 04 scheiterten zum Teil klar an den englischen Gegnern Liverpool, Tottenham Hotspur und Manchester City.

Wird die Bundesliga „nur“ noch eine Ausbildungsliga für die Premier League? Bierhoff sieht eine Grundbedingung: Die Liga müsse bei der Suche nach den besten Nachwuchskräften im europäischen Vergleich aufholen und die „fantastische Infrastruktur“ Deutschlands nutzen, mahnte der 50-Jährige.

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Neustart in Fußball-Deutschland ein „Kraftakt“

Außerdem dürfe man die eigene Jugendarbeit nicht vernachlässigen. „Aus vielen Gesprächen höre ich, dass etliche Bundesligisten bei der Suche nach Talenten eher nach Frankreich und England schauen. Da müssen wir wieder aufholen.“ Derzeit spielen 23 Franzosen und immerhin sechs Engländer in der Liga – es waren schon mal deutlich weniger. Der Anteil der Ausländer bei den Bundesligisten liegt bei 52,6 Prozent.

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Der Neustart im deutschen Fußball sei ein „Kraftakt“, betonte Bierhoff. „Wir haben in vielen Bereichen fast zu deutsch-systematisch gearbeitet und den Protagonisten – Spielern wie Trainern – zu wenig Freiheiten gelassen“, erklärte der frühere Europameister. Künftig müsse man wieder „mehr Individualisierung, mehr Freiraum, mehr Kreativität“ zulassen.

Scholl warnte schon 2017 vor „blauem Wunder“

Der frühere ARD-Experte Mehmet Scholl hatte schon Ende Dezember 2017 einen Hang zur Gleichmacherei in der Trainerausbildung angeprangert – die sich auch auf die Jugendarbeit insgesamt niederschlägt. „Die Tedescos, die Wolfs – sie sprießen aus dem Boden und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben“, warnte der Ex-Profi in seiner Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ im BR.

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Scholl ging sogar noch weiter und erklärte: „Wir verlieren die Basis. Kinder müssen abspielen, dürfen nicht mehr dribbeln. Sie kriegen nicht die richtigen Hinweise, warum ein Zweikampf verloren wurde. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.“

Die neuen Trainer, die demnach bei ihrer Ausbildung beim DFB „elf Monate Gehirnwäsche“ verpasst bekämen, „sind nicht wirklich an den Menschen und den Fußballern interessiert. Viel schlimmer: Diese ganzen Trainer gehen jetzt in den Nachwuchs, weil oben die Plätze begrenzt sind“. Für Scholl bedeutet das eine Gefährdung der Basis des deutschen Fußballs. Damals wurde Scholl für seine Aussagen scharf kritisiert – unter anderem vom damaligen DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth, der von einem „Hilferuf eines Enttäuschten“ sprach.

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