04. Dezember 2020 / 15:55 Uhr

Oliver Bierhoff erklärt DFB-Entscheidung: Darum ist Joachim Löw weiterhin der richtige Bundestrainer

Oliver Bierhoff erklärt DFB-Entscheidung: Darum ist Joachim Löw weiterhin der richtige Bundestrainer

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Direktor Oliver Bierhoff erklärt, warum der Verband an Bundestrainer Joachim Löw festhält
DFB-Direktor Oliver Bierhoff erklärt, warum der Verband an Bundestrainer Joachim Löw festhält © imago images/Nordphoto
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Mit einem detaillierten Vortrag und dem Einsatz von Grafiken und Charts hat Oliver Bierhoff das Festhalten des DFB an Joachim Löw erklärt. Der Bundestrainer habe die jüngsten Verbandsvorgaben allesamt erfüllt.

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Anhand von zahlreichen Grafiken und Charts hat Oliver Bierhoff das Festhalten des Deutschen Fußball-Bundes an Joachim Löw erstmals öffentlich erklärt. Der DFB-Direktor betonte auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Präsidiumssitzung des Verbandes zunächst, dass er "nicht das Sprachrohr" des Bundestrainers sei. Anschließend fächerte er die an Löw gestellten Erwartungen auf und glich die Ziele mit den Ergebnissen ab. So habe der Bundestrainer mit der erfolgreichen EM-Qualifikation, dem Klassenerhalt in der Nations League und dem Sprung in den ersten Topf bei der am kommenden Montag anstehenden Auslosung der WM-Qualifikation alle Vorgaben erfüllt.

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Ein gutes Zeugnis stellte Bierhoff dem Coach auch mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft aus und verwies dabei besonders auf den seit der WM 2018 aktiveren Spielstil. Eine Erkenntnis, die er mit einer Grafik untermauerte. Unterschrieben war diese mit den Worten: "Der Spielstil wird von der Mannschaft angenommen, kann aber gerade 2020 bei der Belastung physisch nicht immer so umgesetzt werden." Dies sei die Folge der Corona-Pandemie und dem nach dem Restart extrem engen Spielplans, der eine genaue Belastungssteuerung erfordere. Bierhoff: "2020 konnte der Bundestrainer gar keine Entwicklung vorantreiben." Auch in der Champions League und der Bundesliga hätte die Qualität der Spiele zuletzt abgenommen.

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Umso mehr müsse man die Resultate unter Löw in den vergangenen Monaten anerkennen. "Es ist ein tolles Ergebnis, das der Bundestrainer unter diesen schwierigen Bedingungen und Voraussetzungen erfüllt hat", meinte der DFB-Direktor und betonte: "Ich bin davon überzeugt, dass Jogi Löw mit seinem Trainerstab diese Situation meistern wird." Auch zum 0:6-Debakel vor rund drei Wochen in Spanien äußerte sich der frühere Nationalmannschafts-Kapitän. Die Bewertung der Arbeit eines Bundestrainers könne man "nicht an einem Spiel festmachen", betonte Bierhoff, der erklärte, dass es in ihm aufgrund der Pleite "noch immer brodelt".

Bierhoff verweist auf Unerfahrenheit der Nationalmannschaft

Auf der Suche nach Erklärungsansätzen für das 0:6 verwies Bierhoff darauf, dass sich auch andere Mannschaft und andere Trainer immer mal wieder mit unerwarteten Niederlagen und nicht immer nachvollziehbaren Formschwankungen konfrontiert sehen würden. Beim DFB-Team müsse man zudem einen weiteren Punkt berücksichtigen. Bierhoff: "Da habe ich einen Fehler gemacht. Es ist keine junge Mannschaft, wie ich gesagt habe. Es ist eine unerfahrene Mannschaft." So habe das aktuelle Team "145 Prozent weniger Länderspiele bestritten" als die Weltmeister-Mannschaft von 2014. Löw selbst habe auf ihn während der Halbzeitpause in Sevilla auch keinen hilflosen Endruck gemacht: "Er war nicht in der Kabine und hat geheult oder nicht gewusst, was er macht."

Am vergangenen Montag hatte der DFB dem zuletzt zunehmend in die Kritik geratenen Coach das Vertrauen ausgesprochen. Man wolle den "den seit März 2019 eingeschlagenen Weg der Erneuerung der Nationalmannschaft mit Bundestrainer Joachim Löw uneingeschränkt fortzusetzen", hieß es da in einer Stellungnahme, in der zudem darauf verwiesen wurde, dass das Präsidium mit diesem Entschluss einer Empfehlung von Bierhoff folge.

Der Entscheidung vorausgegangen war ein Treffen zwischen Mitgliedern des DFB-Präsidialausschuss um Verbandsboss Fritz Keller sowie Löw und Bierhoff. Dabei hatte Löw seine Analyse der aktuellen Situation und der 0:6-Pleite in Sevilla dargelegt. Danach folgte eine Telefonkonferenz des DFB-Präsidiums und die Entscheidung, mit Löw weiterzumachen. Löw hatte die Nationalmannschaft 2006 übernommen und acht Jahre später zum WM-Titel in Brasilien geführt. In den darauffolgenden Jahren konnte der Bundestrainer jedoch nicht mehr an die fast gewohnten Erfolge anknüpfen. Die WM 2018 endete mit dem Aus in der Vorrunde desaströs.

Joachim Löw: Seine Bundestrainer-Ära in Bildern

Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Bereits seit 2006 trainiert Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Seit der WM 2018 musste der 60-Jährige allerdings auch den einen oder anderen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw! Zur Galerie
Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Bereits seit 2006 trainiert Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Seit der WM 2018 musste der 60-Jährige allerdings auch den einen oder anderen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Der SPORTBUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw! ©

Der von Löw anschließend eingeleitete Umbruch, bei dem unter anderem die Routiniers Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels aussortiert worden waren, führte ebenfalls nicht zu erhofften Erfolgen. In der Premieren-Saison der Nations League wurde der Abstieg nur durch eine Modus-Änderung abgewendet.