11. Juni 2019 / 06:00 Uhr

Oliver Bierhoff exklusiv im Interview: "Leroy Sané täte der Bundesliga gut"

Oliver Bierhoff exklusiv im Interview: "Leroy Sané täte der Bundesliga gut"

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Laut DFB-Direktor Oliver Bierhoff würde Leroy Sané der Bundesliga gut tun.
Laut DFB-Direktor Oliver Bierhoff würde Leroy Sané der Bundesliga gut tun. © imago images / Horstmüller / Montage
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Oliver Bierhoff blickt mit Freude in die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft. Im Exklusiv-Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der DFB-Direktor über die neue Lust der Fans auf die deutsche Nationalelf, seine Ambitionen aufs Präsidentenamt - und den möglichen Wechsel von Leroy Sané zum FC Bayern München.

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SPORTBUZZER: Spüren Sie nach dem Katastrophenjahr 2018 einen neuen Rückhalt?

Oliver Bierhoff (51): Wir müssen mit dieser Mannschaft eine neue Geschichte erzählen. Es ist eine andere Generation, mit anderen Typen. Ich glaube, die Zuschauer haben Lust darauf. Es ist wie so oft: Wenn der Erfolg so lange da ist, wird man nachlässig. Vielleicht waren wir alle etwas zu sehr zufrieden: Fans, Öffentlichkeit, Mannschaft, alle. Wenn man dann so eine Durststrecke durchmacht, wird einem vor Augen geführt, wie es nicht sein soll.

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Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München) ©
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Bierhoff: Lob für Brandt-Wechsel nach Dortmund - Sané würde Bundesliga gut tun

Sehen Sie Spieler, die es in die Weltklasse schaffen können?

Auf jeden Fall. Aber die deutschen Teams haben auch immer von ihrer Geschlossenheit und vom Zusammenhalt gelebt. Wir hatten nie einen Messi oder Ronaldo, aber ein gutes Mannschaftsgefüge – das müssen wir uns erhalten. Ich sehe mit Freude, wie schnell einige Spieler schon wachsen. Wenn ich jetzt Leroy (Sané, d. Red.) nehme und ihn mit der Zeit vor der WM vergleiche – oder Brandt oder Gnabry. Das sind alles Spieler, die bei uns schon Akzente gesetzt haben, obwohl sie erst Anfang 20 sind. Was jetzt kommen muss, ist die Kontinuität.

Befürworten Sie es, wenn Spieler wie Brandt oder Schulz in der Bundesliga bleiben und würden Sie Sané raten, zum FC Bayern zu wechseln?

Wichtig ist, dass sie auf höchstem Level spielen. Außerdem, dass sie regelmäßig zum Einsatz kommen. Jeder Spieler wird besser, wenn er mit Topleuten trainiert und sich jede Woche mit Topteams messen muss. Ich finde die Entscheidung von Julian Brandt sehr gut, weil er beim BVB den nächsten Schritt machen kann, ohne gleich zum FC Barcelona oder Real Madrid zu gehen. Ich kann mir auch vorstellen, dass ein Timo Werner ein familiäres Umfeld braucht, in dem er sich wohlfühlt. Das ist immer sehr individuell.

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Und Sané?

Leroy kann sich überall durchsetzen. Von der Liga stechen Deutschland und England für mich etwas heraus, in Spanien sind es natürlich Teams wie Real oder Barca, wo man immer Druck hat und ausschließlich Topmitspieler. Was wir feststellen, ist, dass das Ausland die Spieler reifen lässt – auch zum Beispiel einen Bernd Leno schon nach einem halben Jahr bei Arsenal. Der Bundesliga würde es auf jeden Fall guttun, wenn ein Spieler wie Leroy Sané hier wäre.

Bierhoff will mehr ehemalige deutsche Spieler als Trainer sehen

Die halbe Bundesliga tauscht im Sommer die Cheftrainer aus. Wird das beim DFB diskutiert?

Sehr intensiv sogar. In unserer DFB-Akademie ist die Trainerausbildung angesiedelt. Bis jetzt war es so, dass wir die Trainer in der kurzen Zeit der Lehrgänge mit Wissen vollgepumpt und danach gewissermaßen allein gelassen haben. Daher haben wir den Kurs reformiert und individueller gestaltet. Wir wollen auch nach ihrem erfolgreichen Abschluss für die Absolventen da sein, sie künftig weiterhin begleiten, zum Beispiel durch Weiterbildungsangebote. Wir haben gute deutsche Trainer. Um sie müssen wir uns kümmern.

SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp hat DFB-Direktor Oliver Bierhoff zum Interview getroffen.
SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp hat DFB-Direktor Oliver Bierhoff zum Interview getroffen. © SPORTBUZZER

Die besten sind im Ausland wie Thomas Tuchel oder Jürgen Klopp.

Erst mal sind wir froh, dass wir die beiden haben. Aber es stimmt – auch dass zuletzt mehr ausländische Trainer in die Bundesliga kommen, ist ein Trend, den wir genau beobachten. Wir dürfen nicht mehr so arrogant sein und das ignorieren, sondern müssen auch in kleinere Länder wie in die Schweiz oder nach Österreich schauen, was dort vielleicht besser gemacht wird. Ich habe dort ein klares Ziel.

Nämlich?

Ich möchte wieder mehr ehemalige Spieler in diesem Job sehen, andere Länder haben das: Conte, Simeone, Guardiola, Zidane. Wen haben wir bei uns?

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Bierhoff als DFB-Präsident? "Für ein politisches Amt fühle ich mich noch zu jung"

Matthäus, Effenberg oder Ballack haben sich nicht durchgesetzt oder noch nie in der Bundesliga gearbeitet.

Genau. Miro Klose hat seine Trainerlaufbahn gestartet. Metzelder und Borowski sind beim Lehrgang. Auch da müssen wir mehr Wert auf die individuelle Förderung legen. Es gibt viele sogenannte Laptoptrainer, die jung angefangen haben, und ältere, erfahrene. Im Ausland ist der Mix da größer.

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Wer wird DFB-Präsident und haben Sie überlegt, selbst zu kandidieren?

Ganz ehrlich: Nein! Ich möchte mich um den Sport kümmern und habe da genug spannende Aufgaben. Für ein politisches Amt fühle ich mich noch zu jung. Natürlich möchte man bei einem Verband, an dem man hängt, etwas bewegen. Die Art und Weise, wie wir uns hier und da präsentiert haben, gibt Anlass für Kritik, das wissen wir, das müssen wir annehmen. Aber ich möchte in erster Linie in den sportlichen Themen daran mitwirken, dass sich unsere Wahrnehmung wieder verbessert.

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