06. Februar 2019 / 15:29 Uhr

Oliver Neuville: Ich habe immer alles für den Verein gegeben

Oliver Neuville: Ich habe immer alles für den Verein gegeben

Oliver Schubert
Ostsee-Zeitung
Oliver Neuville (l.) und Mohammed Emara bejubelten 1998 den Führungstreffer des FC Hansa in Bochum. Hansa siegte mit 3:2 und verhinderte den Abstieg.
Oliver Neuville (l.) und Mohammed Emara bejubelten 1998 den Führungstreffer des FC Hansa in Bochum. Hansa siegte mit 3:2 und verhinderte den Abstieg. © Imago
Anzeige

Oliver Neuville gehörte zum Team, dass 1999 in Bochum den Abstieg des FC Hansa Rostock verhinderte. Zum „Legendenspiel“, bei dem sich am 26. Mai im Ostseestadion die Teams von einst aus Rostock und Bochum gegenüberstehen, kommt Neuville sehr gern.

Anzeige
Anzeige

Am 26. Mai, steigt im Ostseestadion Rostock das große Jubiläums-Spiel „20 Jahre Wunder von Bochum“ – die Neuauflage des Spiels, dass dem FC Hansa Rostock in der Saison 1998/99 in letzter Sekunde den Klassenerhalt in der ersten Fußball Bundesliga bescherte.

Einer der „Helden“ von damals ist Oliver Neuville, der mit einem Tor und zwei Vorlagen maßgeblichen Anteil am 3:2-Erfolg hatte – und zudem durch den markanten Turban auch optisch ins Auge fiel. Die OZ sprach mit Oliver Neuville über das anstehende Ereignis und seine Erinnerungen.

Wie gut sind Ihre Erinnerungen an Bochum 1999?

Das Spiel ist zwar schon lange her, aber ich erinnere mich noch immer sehr gern daran. Vor dem Spiel war die Anspannung sehr groß, weil wir wussten, dass egal wie die anderen Spiele ausgehen, wir in jedem Fall gewinnen mussten, um uns zu retten. Wir haben dann auch sehr gut angefangen und sind 1:0 in Führung gegangen. Und plötzlich bekamen wir innerhalb von sechs, sieben Minuten gleich zwei Gegentore und wir hatten nur noch eine Viertelstunde Zeit, um das Spiel zu drehen. Das ist uns zum Glück gelungen und deshalb sprechen wir heute vom „Wunder vom Bochum“ mit einer hervorragenden Stimmung. Nach dem Spiel haben wir mit 10 000 Hansa-Fans in Bochum im Stadion gefeiert. Als wir in Rostock angekommen, waren so viele Leute am Hotel „Neptun“ – das war Wahnsinn. Für mich war es ein tolles Erlebnis, weil ich wusste, dass es mein letztes Spiel für Hansa war. Deshalb war es einmalig für mich.

Kaum zu glauben, dass es schon 20 Jahre her ist, oder?

Es kommt mir gar nicht so lange vor, Ich war ein bisschen überrascht, dass es tatsächlich schon 20 Jahre sind. Ich habe vor neun Jahren aufgehört, Fußball zu spielen. Auch das kommt mir gar nicht so lange vor. Ich finde es in jedem Fall schön, dass wir uns wiedersehen. Auch das die Bochumer mit Peter Peschel und den anderen Spielern zugesagt haben, finde ich sehr gut.

*Wie wichtig war dieses Spiel in Ihrer Karriere? *

Dass ich nach Leverkusen wechseln würde, war seit Januar bekannt. Und die erste Zeit danach, war nicht so einfach für mich, weil die Fans ein bisschen sauer darüber waren. Aber danach haben sie gesehen, dass ich immer alles gegeben habe und wichtige Tore geschossen habe. Und von daher war es schön, dass es mit dem Klassenerhalt am Ende geklappt hat. Das war vielleicht auch der Grund, dass ich nie, wenn ich mit Leverkusen in Rostock gespielt habe, ausgepfiffen wurde. Das hat sicher ganz viel mit dem Spiel in Bochum zu tun gehabt. Und es war gut für mich, dass ich meine Karriere weiter Schritt für Schritt entwickeln konnte ohne als Absteiger gegangen zu sein.

Haben Sie während des Spiels irgendwann mal daran gedacht, sich aufgrund der recht schweren Kopfverletzung auswechseln zu lassen?

Nein, niemals. Ich muss ehrlich sagen, dass mir gar nicht klar war, wie schwer die Verletzung war. Natürlich hatte ich gemerkt, dass es am Ohr geblutet hat und dass der Doktor mich sofort auswechseln wollte. Aber ich habe gesagt: ,Nein, nein. Ich habe keine Schmerzen, ich spiele weiter.' Bei einem anderem Spiel, das vielleicht nicht so wichtig gewesen wäre, hätte der Doc drauf bestanden, dass ich rausgehe. Aber in dem Moment habe ich mich gut gefühlt und wollte nicht raus.

*Wie lief das „Zusammenflicken“ an dem Tag ab? *

Der Doc hat er mir einen Verband gemacht und mich in der Pause mit drei Stichen genäht – und ich habe nichts gemerkt und hatte keine Schmerzen, so sehr war ich drin im Spiel. Nach dem Spiel wurde ich dann noch mal mit sechs Stichen genäht, da war alles ok. Die großen Schmerzen kamen erst am Tag danach.

Gibt es den Turban eigentlich noch?

Keine Ahnung wo der geblieben ist, der ist nach dem Spiel sicher in den Müll geflogen.

*Welche Erinnerungen an die Party bei der Rückkehr in Rostock haben Sie noch? *

Sehr gute Erinnerungen. Als wir angekommen sind, ist der Bus bis zum Hotel Neptun gefahren. Da waren so viele Leute, wir haben ganz oben gefeiert und sind dann irgendwann in die Disco gegangen und haben bis in den frühen Morgen einfach nur gefeiert.

Das machen die Spieler von Hansa Rostock, die 1999 zum Kader beim emotionalen Saisonfinale gegen VfL Bochum (3:2) gehörten, heute:

 Martin Pieckenhagen: Nach Trainertätigkeiten beim SV Waren (Co-Trainer) und FC Mecklenburg Schwerin (Sportlicher Leiter und Cheftrainer) war der ehemalige Torhüter im Jahr 2007 kurzzeitig für die Würzburger Kickers in der 2. Liga als Torwarttrainer aktiv. Der Drittliga-Abstieg sollte verhindert werden, doch daraus wurde nichts. Kurz nach dem Seitenwechsel wurde er als neuer Sportvorstand beim FC Hansa Rostock vorgestellt. Zur Galerie
Martin Pieckenhagen: Nach Trainertätigkeiten beim SV Waren (Co-Trainer) und FC Mecklenburg Schwerin (Sportlicher Leiter und Cheftrainer) war der ehemalige Torhüter im Jahr 2007 kurzzeitig für die Würzburger Kickers in der 2. Liga als Torwarttrainer aktiv. Der Drittliga-Abstieg sollte verhindert werden, doch daraus wurde nichts. Kurz nach dem Seitenwechsel wurde er als neuer Sportvorstand beim FC Hansa Rostock vorgestellt. ©
Anzeige
LESENSWERT

Sie gehören bis heute zu den beliebtesten Hansa-Spielern aller Zeiten. Wie glücklich macht Sie das?

Ich bin schon stolz darauf. In Leverkusen und Gladbach, wo ich auch von den Fans als Lieblingsspieler gefeiert wurde, ist es ähnlich. Die Leute mögen mich auch heute noch sehr. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich immer alles für den Verein gegeben habe, für den ich gespielt habe. Und das haben die Leute immer gemerkt. Und das ist es, was die Fans von einem Spieler sehen wollen. Natürlich hat es mir sehr geholfen, dass ich direkt nach meinem Wechsel zu Hansa gleich recht viele Tore gemacht habe. Da ist man sicher auch gleich ein bisschen schneller beliebt.

Am 26. Mai kommt es nun zur Neuauflage des Spiels – dieses Mal im Ostseestadion. Wie groß ist die Vorfreude?

Ich freue mich sehr drauf. Ich war in den letzten Jahren ein paar Mal in Rostock, zum Beispiel beim Spiel von „Paule gegen Marteria“ 2015 dabei. Da sind immer sehr schöne Erinnerungen für uns, aber vor allem auch für die Fans. Beim „Marteria-Spiel“ war das Ostseestadion brechend voll. Das war eine richtig geile Atmosphäre. Ich hoffe, dass wir es auch dieses Mal hinbekommen. Außerdem ist Rostock eine schöne Stadt. Wenn ich die Möglichkeit habe, dort hinzufahren, dann mache ich das sehr gern.

Mit welchen Spielern von damals haben Sie noch Kontakt? Reden Sie hin und wieder über das Spiel?

Guten Kontakt habe ich vor allem mit Martin Pieckenhagen. Ich freue mich sehr für ihn, dass er neuer Sportdirektor bei Hansa ist. Auch mit Marko Rehmer habe ich regelmäßig Kontakt und mit Thomas Gansauge, der in Chicago lebt. Ich habe ihn im vergangenen Jahr besucht, weil wir mit Gladbach ein Trainingscamp gemacht haben. Und da habe ich mich sehr gefreut, Thomas zu sehen und mit ihm über alte Zeiten zu reden.

Auf wen freuen Sie sich besonders? Wen haben Sie lange oder seitdem gar nicht mehr gesehen?

Auf Victor Agali freue ich mich. Wir haben schon telefoniert und uns über das Spiel unterhalten. Ich habe vor ein paar Tagen die Telefonnummer vor Igor Pamic bekommen und werde ihn anrufen. Ich würde mich sehr freuen, wenn er kommt. Auch wenn er damals in der Winterpause gegangen ist, er gehört einfach zur Truppe dazu und muss dabei sein. Er ist jetzt Trainer in Montenegro und hat hoffentlich Zeit, dabei zu sein.

Wie fit sind Sie noch? Trauen Sie sich 90 Minuten noch zu oder wird „munter durchgewechselt“?

Mal gucken, das Tempo wird sicher nicht so hoch sein. Ich denke, ich kann noch ganz gut mithalten. Ich weiß ja auch nicht, wie viele Spieler da sein werden und überhaupt noch richtig mitspielen können. Aber wir bekommen die 90 Minuten schon rum, keine Angst.

Es werden auch eine Menge bekannter Ex-Profis aus Bochum dabei sein – die nehmen das Spiel auch ernst…

Ich glaube, auch wenn es ein Jubiläumsspiel ist und es ja eigentlich um nichts geht, dass Jeder gewinnen will. Jeder Spieler ist so ehrgeizig, dass er als Sieger vom Platz gehen will. Ich bin mir sicher, dass wir mehr Tore sehen werden als beim 3:2 damals.

ANZEIGE: Hoodie und T-Shirt mit deinem Vereinsnamen! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Mecklenburg Vorpommern
Sport aus aller Welt