05. März 2021 / 17:11 Uhr

Oliver Richter nach Rückzug des Strausberger Oberliga-Teams: "Trainer und Spieler wurden alleine gelassen"

Oliver Richter nach Rückzug des Strausberger Oberliga-Teams: "Trainer und Spieler wurden alleine gelassen"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Oliver Richter trat im Oktober 2019 den Trainerposten beim FC Strausberg an und stand zuvor viele Jahre beim Brandenburgligisten TuS Sachsenhausen in der Verantwortung.
Oliver Richter trat im Oktober 2019 den Trainerposten beim FC Strausberg an und stand zuvor viele Jahre beim Brandenburgligisten TuS Sachsenhausen in der Verantwortung. © Oliver Schwandt
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NOFV-Oberliga Nord: Der 37-Jährige hatte den Trainerposten beim Team aus dem Landkreis Märkisch-Oderland im Oktober 2019 übernommen. Wie und ob es für ihn im Sommer weitergeht, stehe noch nicht fest.

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Oliver Richter ist ein Mann der klaren Worte und selten um eine Aussage verlegen. So stand der 37-Jährige auch nach dem am Donnerstagabend verkündeten Oberliga-Rückzug des FC Strausberg, bei dem Richter seit Oktober 2019 in der Verantwortung ist, Rede und Antwort. Wie er und seine Spieler von der Entscheidung des Vorstandes erfuhren und wie es für ihn in der kommenden Saison weitergeht, berichtet er im SPORTBUZZER-Interview:

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Herr Richter, wie viele Nachrichten trudelten nach der Veröffentlichung der Strausberger Pressemitteilung am Donnerstagabend ein.

Oliver Richter: Das Handy steht quasi nicht still. Ich habe mir in den vergangenen Jahren ein gutes Netzwerk aufgebaut, dementsprechend groß war die Resonanz.

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Seit wann wussten Sie, dass in Strausberg in der kommenden Saison nur noch Landes- und kein Oberliga-Fußball mehr gespielt wird?

Wir Trainer haben es am Donnerstagabend um 19.15 Uhr erfahren, die Spieler um 19.30 Uhr. Wenig später ging das offizielle Statement des Vereins online. Dieses trug der Vorstand uns quasi vor. Raum für Fragen blieb nicht.

Es wurden nicht mal Sie als Cheftrainer im Vorfeld informiert?

Seit dem Lockdown Anfang November herrschte zwischen Trainerteam und Vorstand Funkstille. Schon vorher war die Kommunikation alles andere als optimal. Vor gut einer Woche berief der Vorstand für den gestrigen Donnerstagabend eine Videokonferenz ein. Da bin ich schon hellhörig geworden. Als ich gesehen habe, dass die Mannschaften bis zum heutigen Freitag um 15 Uhr für die Oberliga melden mussten, hatte ich eine Vorahnung. Aber eine Vorabinformation gab es nicht.

Chris Berg, der noch bis zum Saisonende beim SV 1919 Woltersdorf (Landesklasse Ost) Trainer sein wird, wurde als Ihr Nachfolger verkündet. Zu Ihnen stand in der Mitteilung des Vereins kein einziges Wort. Sind Sie aktuell denn noch Trainer des FCS?

Ich habe ein gültiges Arbeitspapier bis zum 30. Juni. Wir wollen uns nächste Woche mit der Mannschaft zusammenschalten und besprechen, wie wir im Fall einer Saisonfortsetzung mit der für alle überraschenden Situation umgehen werden. Unser Ziel ist es natürlich, uns im Fall der Fälle mit Anstand aus der Oberliga zu verabschieden. Das sind wir allein wegen der Wettbewerbsgleichheit allen anderen Vereinen schuldig.

"Wir werden – so denn der Spielbetrieb überhaupt wieder aufgenommen werden wird – diese Saison in der Oberliga noch zu Ende spielen und haben allen Spielern das Angebot unterbreitet, unseren Weg auch danach mitzugehen", heißt es im Vereinsstatement. Mit Ihnen wurde demzufolge nicht über eine weitere Zusammenarbeit gesprochen?

Dass mit den Spielern bereits gesprochen wurde, ist eine Lüge. Das stimmt einfach nicht. Ich habe den Verein bereits im vergangenen Oktober darüber informiert, dass ich meinen zum 30. Juni 2021 auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde. Daraufhin wollte man mich zunächst sofort von meinen Aufgaben entbinden, hat sich dann aber doch dagegen entschieden. Jetzt wurde meine Entscheidung als Anstoß dafür genommen, sich von der Ober- in die Landesliga zurückzuziehen. Das möchte ich entschieden zurückweisen.

Haben Sie eine Verlängerung beim FCS frühzeitig ausgeschlossen, weil Sie schon bei einem neuen Verein im Wort stehen.

Nein. Die Arbeit mit der Mannschaft und meinem Trainerteam hat super viel Spaß gemacht: Ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass alles schlecht war. Wir hatten viel Freude in der Kabine und eine richtig gute Mischung. Wir stehen trotz nur zehn Punkten auf einem Nichtabstiegsplatz und haben gerade mit den Heimsiegen gegen Greifswald und Hertha 03 Zehlendorf Ausrufezeichen gesetzt. Wir hatten einen Plan. Außerhalb der Kabine hat der Spaß leider aufgehört. Ich wünsche meinem Nachfolger alles Gute und hoffe, dass er mehr Veränderungen anschieben kann, als uns das möglich gemacht wurde. Die Jungs tun mir jetzt am meisten leid. Einige wie Anton Hohlfeld und Pierre Vogt haben eine ähnliche Situation vor wenigen Jahren schon bei Germania Schöneiche erlebt. Das ist kein schönes Gefühl. Dass in der Pressemitteilung des Vereins der Eindruck erweckt wird, wir wären eine reine Söldnertruppe, ist ungerecht. Wir haben einige Jungs im Kader, die schon vier, fünf Jahre im Team sind.

Steht schon fest, wie es für Sie im Sommer weitergeht?

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Nein. Aufgrund der allgemein unklaren Situation herrscht auf dem Trainermarkt so gut wie keine Bewegung. Ich hoffe, dass bald Klarheit herrscht - wie auch immer diese aussieht. Dann höre ich mir gerne alles an und bin für verschiedene Sachen offen - ob Männer- oder Nachwuchsbereich. Ich möchte wieder eine Aufgabe finden, an der ich Spaß habe und gemeinsam mit einem Team etwas aufbauen kann.

Sie kommen ursprünglich aus Berlin und sammelten in knapp vier Jahren beim Brandenburgligisten TuS Sachsenhausen ihre ersten Erfahrungen in Brandenburg.

Das Drumherum in Brandenburg passt schon sehr gut. Viele Rasenplätze, tolle Sportanlagen und viele Zuschauer. Oftmals ist das Spiel des jeweiligen Heimatvereins am Wochenende das Highlight. Das ist etwas Besonders und anders als in Berlin.

Vor allem im fußballverrückten Oberhavel?

Auf jeden Fall. Das muss man einfach erlebt haben. Die Leute da sind positiv verrückt und es macht einfach Spaß, dort tätig zu sein.

Sie wohnen unweit des Sportplatzes vom Landesligisten Grün-Weiss Ahrensfelde. Wäre das nicht ein reizvoller "Arbeitsweg"?

Trainer in Ahrensfelde ist Sven Orbanke - und das ist auch gut so. Sven und ich kennen uns seit Jahren und schätzen unsere Arbeit sehr. Er macht mit seinem Team eine sehr gute Arbeit.