05. Januar 2022 / 21:09 Uhr

Oliver Seidler: Keiner war so oft für Sky in Wolfsburg wie er

Oliver Seidler: Keiner war so oft für Sky in Wolfsburg wie er

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
So oft wie kein anderer in dieser Saison für Sky in Wolfsburg am Mikrofon: Oliver Seidler.
So oft wie kein anderer in dieser Saison für Sky in Wolfsburg am Mikrofon: Oliver Seidler. © Roland Hermstein
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Er war Stadionsprecher beim VfL Wolfsburg, jetzt ist Oliver Seidler als Sky-Kommentator immer wieder in der VW-Arena zu Gast. Vor der Rückrunde traut er dem VfL noch den Sprung nach oben zu – aber er sagt auch: „Die Mannschaft muss als Einheit auftreten“

Mal Michael Born, mal Kai Dittmann, mal Wolff Fuss - wenn Sky ein Bundesliga-Spiel des VfL Wolfsburg überträgt, wechselten die Kommentatoren regelmäßig durch. Einer aber war in der Hinrunde besonders oft am Mikrofon in der VW-Arena: Oliver Seidler. Das war kein Zufall - hat allerdings nichts mit seiner Wolfsburger Vergangenheit zu tun.

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"Wegen der Corona-Situation haben auch wir versucht, unsere Reisetätigkeiten so weit wie möglich zu beschränken", erklärt Seidler, der in Hannover wohnt. "Und da hat sich das eben angeboten." Heißt: Bei fünf der sieben VfL-Heimspiele, die Sky übertrug, war Seidler dabei. Immer mit dem Anspruch, neutral zu sein - auch wenn er von 1999 bis 2006 einer der Stadionsprecher in Wolfsburg war. "Wenn mich jemand fragt, erzähle ich gern von dieser Zeit. Wir haben den Umzug vom Elsterweg in die Arena mitgemacht. Der VfL war dabei einer der ersten Klubs mit Stadion-TV, ich bin stolz darauf, dass ich in dieser spannenden Phase dabei sein durfte. Aber ich gehe damit nicht hausieren." Allerdings, so viel Verbundenheit gesteht sich der 56-Jährige ein: "Wenn ich mal schnell auf Bundesliga-Ergebnisse gucke, geht mein Blick meistens schon als Erstes zum VfL..."

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Dass man ihm auch mal unterstellt, zu unkritisch oder zu kritisch mit dem VfL umzugehen, gehört zum Job. „Der Ton in der Gesellschaft insgesamt, auch uns Kommentatoren gegenüber, ist allerdings rauer geworden.“ Beispiel: In der vergangenen Saison hatte Seidler vor einem Schalke-Spiel die richtige Aussprache des S04-Profis Matthew Hoppe recherchiert. Die Familie des US-Amerikaners bestätigte, dass der Nachname „Hoppie“ ausgesprochen wird. Anschließend, so erzählt er, „habe ich Beleidigungen und auch eine Morddrohung erhalten.“ Die Ausschläge seien größer geworden, sagt der Sky-Kommentator: „Zwischen ´alles super´ und ´alles Schrott´ passen manchmal keine 90 Minuten.“ Wer sich über das Instagram-Profil an Oliver Seidler wendet, kann aber eigentlich immer in einen direkten Dialog mit ihm treten. „Wenn es nicht zu unsachlich ist, wird alles beantwortet. Klar, höre ich gerne das Lob, aber auch die Kritik ist wichtig. Meistens merke ich, dass Kleinigkeiten zu Aufregern werden können – oft ist der Dialog auch echt inspirierend.“

Seidler ist ursprünglich Radio-Mann, arbeitet auch immer noch gelegentlich bei Antenne Niedersachsen, ist dazu auch bei den Champions-League-Spielen auf Amazon Prime im Einsatz oder macht Ablauf-Regie für Bewegtbild-Übertragungen von Firmen. Bei Sky ist er zudem oft auch als Handball-Kommentator dabei.

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Dass Corona Einfluss auf seinen Job und auch auf den Fußball nimmt, spürt er immer wieder. "Ich muss mir vor jedem Spiel genau anschauen, welche Regeln gerade in dem jeweiligen Bundesland gelten. Und die Abläufe vorm Spiel sind anders, meistens muss in der unmittelbaren Vorbereitung ein kurzes Telefonat mit der Presseabteilung das Gespräch mit Trainern oder Verantwortlichen ersetzen. Da geht schon ein bisschen was verloren." Und über sein bisher letztes VfL-Spiel, das 2:3 gegen Köln Mitte Dezember vor nur 5000 Zuschauenden, sagt der 56-Jährige: "Wenn da am Ende eine andere Energie von den Rängen kommt, geht es vielleicht anders aus."

Die VfL-Hinrunde mit dem Trainerwechsel und der Niederlagen-Serie am Schluss bewertet Seidler durchaus kritisch, aber für die Rückrunde ist klar: "Wenn dieser Kader mit seiner individuellen Qualität wieder das abruft, was er kann, dann wird Wolfsburg auch noch einmal an die internationalen Plätze ran schmecken." Aber dazu müsse die Mannschaft "wieder mehr als Einheit auftreten, das sah nicht immer danach aus". Und: Rutsche man tiefer unten rein, könne es gefährlich werden, denn die Konkurrenz ist schon länger im Abstiegskampf-Modus. "Wenn man beispielsweise sieht, wie sich Bielefeld am Ende der Hinrunde den Sieg in Leipzig regelrecht erfightet hat, dann wird klar: Wer da unten drin ist, für den wird es nicht leicht." Für die Wolfsburger gelte darum: "Wenn sie weiterhin ihren Fokus nicht scharfstellen und ihr Potenzial nicht abrufen, dann droht auch dieser Mannschaft Gefahr."

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