25. März 2020 / 10:48 Uhr

"Wären unwürdige Spiele geworden": Das sagen die Hannover-Stars zum Olympia-Aus

"Wären unwürdige Spiele geworden": Das sagen die Hannover-Stars zum Olympia-Aus

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sind erleichtert über die Olympia-Absage: Julian Real, Igor Wandtke und Luna Bulmahn (von links nach rechts).
Sind erleichtert über die Olympia-Absage: Julian Real, Igor Wandtke und Luna Bulmahn (von links nach rechts). © imago images/Chai v.d. Laage / Gabriela Sabau / Witters / imago/Schiffmann
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Nun ist es beschlossene Sache: Die Olympischen Spiele in Tokio werden auf das Jahr 2021 verschoben. Bei den Hannoveraner Olympia-Kandidaten ruft die Entscheidung einhellige Reaktionen hervor.

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Erleichterung macht sich breit bei Hannovers Olympiastars. Die Entscheidung, die Sommerspiele in Tokio angesichts der Corona-Pandemie auf 2021 zu verschieben, nimmt gewaltigen Druck von den Athleten. Igor Wandtke, Hannovers bester Judoka, drückt es deutlich aus: „Es wären unwürdige Spiele geworden. Daran kann kein Sportler ein Interesse haben.“

Die Erleichterung über die Verschiebung wirft für Wandtke eine Reihe weiterer Fragen auf, die nun geklärt werden müssen. Muss er wieder in den Zweikampf für den Startplatz in Tokio? Wann werden die Spiele generell stattfinden? „Die Kette zieht sich nun nach unten durch“, sagt er. Für ihn beginnt nun so etwas wie eine Ruhephase. Der 29-Jährige fährt in seine Heimat Lübeck zurück, kümmert sich um Familie und Freunde. „Der Druck, sich zwanghaft auf die Spiele vorbereiten zu müssen, ist endlich weg. Die einzig vernünftige Entscheidung.“

Das ist Hannovers Judo-Europameister Igor Wandtke:

Igor Wandtke beim Judo-Grand-Prix 2014 in Düsseldorf gegen Jonathan Allardon aus Frankrich. Zur Galerie
Igor Wandtke beim Judo-Grand-Prix 2014 in Düsseldorf gegen Jonathan Allardon aus Frankrich. ©

Real bringt Wasserball im Freien ins Gespräch

Für Wasserballer Julian Real von Waspo 98 ist wichtig, dass es nun Klarheit gibt. „Die Entscheidung war unabdingbar, die Gesundheit aller steht im Vordergrund“, sagt der 30-jährige Kapitän der Nationalmannschaft. Zwar würde durch die Verschiebung auch seine persönliche Planung für die nächsten zwei Jahre über den Haufen geworfen, „aber das steht ja in keinem Verhältnis zu dem positiven Effekt“.

Bis Ende Mai hat der Deutsche Schwimmverband alle Wettkämpfe und Veranstaltungen abgesagt. „Aber es ist ja Platz für neue Denkmodelle“, sagt Real. Der Sommer sei durch die Absage nun frei. „Vielleicht kann man den Wasserball dadurch wieder ins Freie bringen“, sagt der Weltklasseverteidiger. Die Bundesliga, die Play-offs und die Pokalendrunde könnten also womöglich um Monate später über die Bühne gehen. „Man muss aber natürlich abwarten, wie dann die Lage ist“, betont Real.

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Sprinterin Bulmahn will runterkommen

Erleichterung über die Absage macht sich bei Hannovers bester Sprinterin bemerkbar. Luna Bulmahn, deutsche Meisterin über die 400 Meter, sagt, dass eine Durchführung der Spiele mit dem olympischen Gedanken nichts zu tun gehabt hätte. Sie will die Zeit nutzen, um runterzukommen, den Stress der vergangenen Wochen und Monate hinter sich zu lassen. „Diese Entscheidung ist für die Gesellschaft und jeden Sportler eine Erleichterung.“

"Jetzt haben wir endlich Klarheit"

Hochsprung-Star Imke Onnen, im Januar zu Hannovers Sportlerin des Jahres gekürt, fand die Hängepartie vor der Olympiaabsage auch „suboptimal, jetzt haben wir aber endlich Klarheit“. Die 25-Jährige wäre eigentlich seit dem vergangenen Samstag im Trainingslager in Südafrika, jetzt wohnt sie bei ihrem Freund Falk Wendrich in Soest, er ist ebenfalls Hochspringer. Onnen will in freiwilliger Quarantäne abwarten, sie hat nach zuletzt vielen Fahrten mit der Bahn und leichten Erkältungssymptomen Sorge, das Coronavirus möglicherweise zu ihrer Familie in Hannover zu tragen.

Gibt es Sicherheit, fährt die Athletin sofort los: „Ich habe solche Sehnsucht.“ Dass Onnen mit ihrer Quali-Höhe von 1,96 Metern bereits sicher für die Spiele in Tokio qualifiziert war und nun unklar ist, wie und ob sie 2021 dabei sein kann, ist gerade nicht ihr Hauptproblem. „Wir werden sehen, wie das geregelt wird. Zur Not springe ich eben noch mal so hoch. Oder höher.“