20. März 2020 / 06:44 Uhr

Rätselraten wegen Olympia 2020: So gehen deutsche Athleten mit der Unsicherheit um

Rätselraten wegen Olympia 2020: So gehen deutsche Athleten mit der Unsicherheit um

Roman Gerth und Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Deutsche Olympia-Hoffnungen wie die Ruderer oder Speerwerfer können sich wegen des Coronavirus nicht wie erhofft auf die Spiele vorbereiten.
Deutsche Olympia-Hoffnungen wie die Ruderer oder Speerwerfer können sich wegen des Coronavirus nicht wie erhofft auf die Spiele vorbereiten. © imago images/Montage
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Für viele Athleten ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen ein Lebenstraum. Aktuell wissen sie angesichts der Coronavirus-Pandemie nicht einmal, wie sie für Olympia 2020 in Tokio trainieren sollen.

Es klingt wie eine Szene aus einem Actionfilm. „Wir haben uns in der Nacht zu Samstag auf den Weg nach Faro in Portugal gemacht. Wir mussten schnell über die Grenze“, sagte der deutsche Kanute Ronald Rauhe dem SPORTBUZZER. Eigentlich trainierte er mit der deutschen Olympiaflotte in Sevilla. Doch die Coronavirus-Pandemie zwang das Team zum Abbruch des Trainingslagers – und zu einer Flucht aus Spanien. Rauhe: „Wir mussten Taxifahrer dazu überreden, uns rüberzufahren. Dann sind wir in einer Kolonne mit vier oder fünf Autos über die Grenze, haben im Hotel ein paar Stunden geschlafen. Am Samstagmorgen sind wir nach München geflogen.“

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Viele deutsche Sportler mussten zuletzt fluchtartig ihre Trainingslager, in denen sie sich für die Olympischen Spiele in Tokio fit machen wollten, verlassen. Einige wie die Speerwerfer um Olympiasieger Thomas Röhler und Andreas Hofmann haben in „einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Sachen zusammengepackt“ und die Türkei verlassen, wie Röhler dem SPORTBUZZER sagte. Andere – wie die Judoka – saßen zuletzt auf Teneriffa fest.

Die Kritik an der Olympia-Austragung in Tokio nimmt zu

Es sind nur Beispiele für die Pro­bleme deutscher Sportler, die in diesen Tagen in eine ungewisse Zukunft blicken. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hält an der Austragung der Olympischen Spiele in Tokio fest. Doch die Kritik daran nimmt zu. „Eine Vorbereitung unter normalen Umständen ist nicht möglich“, sagt Röhler. „In manchen Ländern gibt es keine Einschränkungen. Es gibt einfach unterschiedliche Voraussetzungen. Deshalb würde ich mich über eine Verschiebung der Olympischen Spiele freuen, um die Ausgangslage für alle auf null zu setzen.“ Hofmann ist noch zögerlicher: „Das Sportlerherz schlägt für Olympia. Ich hoffe nicht, dass die Olympischen Spiele abgesagt werden, weil ich seit Jahren darauf hinarbeite.“ Andererseits gehe die Gesundheit vor.

Wenn die Olympischen Spiele am 24. Juli tatsächlich eröffnet werden sollen, müssen sich zudem viele Sportler noch qualifizieren. Allerdings finden seit der Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie keine Wettkämpfe mehr statt. „Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht, wie die Nominierung für die Olympiamannschaft erfolgen kann. Es steht alles in den Sternen“, sagt Rauhe. Viele Athleten können kaum richtig trainieren. „Es ist schwer als Wassersportler, ohne die Möglichkeit, ins Becken zu springen, die gesamte Fitness aufrechtzuerhalten“, sagt der deutsche Topschwimmer Marco Koch. Kanute Rauhe ist ratlos: „Wir können unseren Beruf nicht ausüben, weil alles geschlossen ist.“ Speerwerfer Hofmann geht die Situation derweil offensiv an: „Wir müssen voll trainieren und hoffen, dass es weitergeht.“

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Wie das aussehen soll, ist noch unklar. Der Deutsche Olympische Sportbund hat sich gegen ein „Quarantäne-Trainingslager“ im Bundesleistungszentrum in Kienbaum bei Berlin entschieden. Dies stand zuletzt für alle Olympia-Kader-Athleten zur Debatte.

Speerwerfer Hofmann: "Finanziell ist die Situation schwierig für alle"

Ein Problem bleibt aber ohnehin: Durch ausgefallene Wettkämpfe fehlen Einnahmen durch Start- und Preisgelder. „Finanziell ist die Situation schwierig für alle“, sagt Speerwerfer Hofmann. „Zu einem gewissen Grad sind wir auf Preisgelder angewiesen“, stimmt Koch zu. Aktuell bekommen Sportler weiter die Förderung der Deutschen Sporthilfe, werden von Vereinen und Sponsoren unterstützt – oder sind bei Behörden wie Zoll und Bundespolizei angestellt. Dennoch schmerzt die – sportliche und finanzielle – Ungewissheit. „Wir leben schließlich vom Sport“, sagt Hofmann.