25. März 2021 / 17:44 Uhr

Olympia 2021: Fackellauf startet, Scoccimarro auf der Zielgeraden

Olympia 2021: Fackellauf startet, Scoccimarro auf der Zielgeraden

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Das Olympische Feuer ist mit einem Jahr Verspätung auf dem Weg nach Tokio: Judo-Ass Giovanna Scoccimarro ist es auch.
Das Olympische Feuer ist mit einem Jahr Verspätung auf dem Weg nach Tokio: Judo-Ass Giovanna Scoccimarro ist es auch. © DPA/IJF
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Was haben das Olympische Feuer und Giovanna Scoccimarro gemeinsam? Beide sind auf dem Weg nach Tokio. Doch während der Fackellauf am heutigen Donnerstag erst gestartet ist, befindet sich das Judo-Ass aus Lessien bereits auf der Zielgeraden Richtung Olympische Spiele 2021. Binnen sieben Tagen stehen noch zwei Starts bis zur Benennung des Kaders für Japan an.

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Die Olympische Fackel ist unterwegs. An diesem Donnerstag entzündeten die japanischen Fußballerinnen, die 2011 in Deutschland Weltmeister wurden (unter anderem dank eines 1:0 nach Verlängerung im Viertelfinale gegen Deutschland in Wolfsburg) in Fukushima die Flamme auf ihrem Weg nach Tokio. Während der Fackellauf gerade gestartet ist, befindet sich Judo-Ass Giovanna Scoccimarro im Endspurt auf Tokio. Die Lessienerin, die für den MTV Vorsfelde kämpft, kann das Ticket, das sie schon für 2020 gelöst hatte, in den kommenden Tagen auf 2021 umbuchen. Binnen einer Woche wird die 23-Jährige bei zwei Grand Slams auf der Matte stehen, dort kann sie ihren Startplatz in der 70-Kilogramm-Klasse für Deutschland endgültig bestätigen.

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Läuft's für Scoccimarro nach Plan, sind nach Tiflis und Antalya allerletzte Zweifel am Olympia-Start ausgeräumt. Bis zum 7. April will der Deutsche Judobund (DJB) den Olympia-Kader benennen. Veränderungen sind danach im Normalfall ausgeschlossen, weitere Wettkämpfe dienen nur noch der persönlichen Verbesserung in der Rangliste. Demnach fallen nur noch Tiflis und Antalya in die Wertung. Bei beiden Wettbewerben ist auch Scoccimarros einzige nationale Konkurrentin Miriam Butkereit (Glinde) am Start. Spannend: Gewinnen beide in Tiflis ihre Pools, kommt es im Halbfinale zum direkten Duell.

Butkereit überzeugte zwar zuletzt mit Silber beim Grand Slam in Tel Aviv, hat aber nicht nur aufgrund der schlechteren Platzierung in der Olympia-Quali-Rangliste gegenüber der Lessienerin (nur eine Deutsche kann pro Gewichtsklasse teilnehmen) die deutlich schlechteren Karten: Denn Scoccimarros Nominierung des Kaders für 2020 behält grundsätzlich ihre Gültigkeit. Eine Hintertür lässt sich der Verband aber offen: In Ausnahmefällen könne es zu Änderungen kommen. Die offizielle Nominierung durch den Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes erfolgt zwischen Ende Mai und Anfang Juli.

Am Mittwoch ging's jedenfalls erst einmal per Flieger nach Georgien, in Tiflis kämpft Scoccimarro am Samstag um Medaillen, dann geht's weiter in die Türkei. In Antalya (am Freitag den 2. April) will die Lessienerin erneut überzeugen, so den zuletzt gezeigten Turnier-Rhythmus - bei dem sich Topplatzierungen mit frühem Ausscheiden abwechselten - durchbrechen. Konstant sollen die Leistungen sein. Dass Scoccimarro zur Weltspitze gehört, hat sie zuletzt Anfang des Jahres mit Bronze beim Masters in Doha (Katar) bewiesen.

Das Vorbereitungs-Trainingslager auf die Grand Slams lief jedenfalls gut. "Wir hatten in Köln internationale Partnerinnen aus Holland und Polen, da konnten wir die Zeit für viele Randoris nutzen", sagt Scoccimarro, die in den Trainingskämpfen schon Grifftechniken einbauen konnte, die sie einstudiert hatte. "Wir haben in Köln an der Grifferöffnung und dem Griffkampf gearbeitet. Sie sitzen noch nicht hundertprozentig, aber ich habe ein gutes Gefühl."

Bevor die MTV-Judoka nun im Wettkampf gefordert wird, war sie das bereits in Sachen Logistik. Denn zurück in Deutschland ist sie erst wieder am Ostersamstag (3. April). Kurios: Für den Flug nach Tiflis durfte Scoccimarro 40 Kilo an Gepäck einplanen, für die Weiterreise in die Türkei sind es dann noch 25. "Für Georgien kann ich noch viele Sachen mitnehmen, auch Getränke." Danach allerdings sollte das Gepäck um fast 40 Prozent Gewicht reduziert sein Da ist es eher von Vorteil, dass man wegen der Corona-Regeln sowieso das Hotel nicht verlassen und nichts einkaufen kann. Aber, so sagt sie mit einem Schmunzeln mit Blick auf die Weiterreise: "Wenn du mal ein Special-Getränk haben willst, wird das schwierig, 'ne Cola ist wohl nicht drin." Das allerdings ist wiederum letztlich nur Nebensache, denn obwohl es nichts wiegt - so richtig Gewicht hat nur das Olympia-Ticket.

Als Weltranglisten-Achte ist Scoccimarro bei beiden Grand Slams jetzt an Nummer 2 gesetzt, rutschte in Tiflis noch von Rang vier nach oben, da die französische Delegation aufgrund eines dritten Corona-Falls (zwei hatte es zuvor bei einem Trainingslager der Männer gegeben) ihr komplettes Team für Georgien zurückzog. Davon betroffen auch Weltmeisterin Margaux Pinot und die Weltranglisten-Ersten Marie-Eve Gahie. Scoccimarro hatte schon vor der französischen Absage gesagt: "Ein besserer Setzplatz ist immer schön, überhaupt einen zu haben aber schon ein Luxus." Am heutigen Donnerstag gab's die Auslosung fürTiflis: Das Vorsfelder Judo-Ass startet am Samstag gegen Shaked Amihai (Israel).

Es ist für sie der Auftakt zu zwei spannenden Grand Slams binnen sieben Tagen auf der Zielgeraden Richtung Tokio. Auf dem Heimflug aus der Türkei hätte die Lessienerin dann kurz vor der Benennung des Olympia-Kaders natürlich am liebsten zwei Medaillen im Gepäck.