03. Mai 2020 / 19:20 Uhr

Olympia 2021 sollte Symbol für Sieg über Corona werden - jetzt zweifeln die Verantwortlichen immer mehr

Olympia 2021 sollte Symbol für Sieg über Corona werden - jetzt zweifeln die Verantwortlichen immer mehr

Felix Lill
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Corona-Krise hat die Durchführung der Olympischen Spiele in Tokio vorerst unmöglich gemacht.
Die Corona-Krise hat die Durchführung der Olympischen Spiele in Tokio vorerst unmöglich gemacht. © imago images/Kyodo News
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Die Olympischen Spiele in Japan, die eigentlich für diesen Sommer geplant waren, sind schon ins Jahr 2021 verschoben. Doch noch immer ist unklar, ob sie wegen der Corona-Pandemie überhaupt stattfinden können. Inzwischen müssen das auch die Verantwortlichen eingestehen.

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Sollte das Virus auch im nächsten Jahr nicht unter Kontrolle gebracht sein, wird es keine Olympischen Spiele von Tokio geben. Nicht im Jahr 2020, nicht 2021, gar nicht. Wörtlich sagte Japans Premierminister Shinzo Abe in der vergangenen Woche vor dem Parlament in Tokio: "Wir müssen die Olympischen Spiele als Beweis für den Sieg der Menschheit über das Coronavirus abhalten. Wenn wir nicht in einer solchen Situation sind, wird es schwierig, die Spiele durchzuführen." Inhaltlich wiederholte er damit eine Aussage von Yoshiro Mori, Vorsitzender des Organisationskomitees. Der hatte gesagt, dass die Spiele auf keinen Fall ein weiteres Mal verschoben werden. Eher würde man sie ausfallen lassen.

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Politiker und Veranstalter wollen Tokio-Spiele als Symbol für Sieg über Corona

Zunächst sind solche Statements der Offiziellen vor allem eine Kampfansage. Wie auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) wünschen sich das Tokioter Organisationskomitee und der Premierminister eine Sportveranstaltung, die unter dem Banner des Siegs über Covid-19 stattfinden kann. Zugleich betonen Gesundheitsexperten seit Wochen, dass die Austragung von Olympia ohne einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus, der nicht nur für Athleten, sondern auch alle Zuschauer verfügbar wäre, unrealistisch ist.

Ob der Menschheit ein rechtzeitiger Sieg über das Virus gelingen wird, ist nun auch von offizieller Seite ungewiss. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass die Veranstalter auffällig hoch pokern. Immer wieder wurden große Versprechen gemacht. Häufig stellte sich später heraus, dass sie womöglich nicht eingehalten werden können.

Das IOC und Japan als Gastgeberland haben die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben. Der SPORTBUZZER hat dazu internationale Pressestimmen gesammelt. Zur Galerie
Das IOC und Japan als Gastgeberland haben die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben. Der SPORTBUZZER hat dazu internationale Pressestimmen gesammelt. ©

Spiele in Tokio sollten innovativste aller Zeiten werden

So sollte "Tokyo 2020" die futuristischsten Spiele aller Zeiten darstellen. Auf eine Weise trifft dies zwar bei jeder Auflage zu. Denn für sponsernde Unternehmen dient Olympia vor allem als Werbeeffekt und jedes Mal nutzen die Betriebe ihre Bühne am Rande der Spielstätten, um ihre neuesten Entwicklungen zu präsentieren. Die japanischen Veranstalter waren jedoch besonders darauf bedacht, zu betonen, dass ihre Spiele offenbar noch etwas moderner werden, als sie an einem anderen Ort hätten werden können. Japan würde als Hochtechnologiestandort strahlen.

So sollten neben 5G-Internet an allen möglichen Orten, wasserstoffbetriebenen und autonomen Autos als Transportmittel zwischen den Spielstätten auch Assistenzroboter vor den Stadien beeindrucken. Mit der nach derzeitigem Plan einjährigen Verschiebung der Spiele ist nun fraglich, wie neu und einzigartig solche Neuheiten in einem Jahr noch sein werden oder was die Betriebe womöglich stattdessen präsentieren könnten. Zudem haben Beobachter schon zu Bedenken gegeben, dass durch die nun schwierige wirtschaftliche Lage auch einige Sponsoren ihre Unterstützung aufkündigen oder zumindest finanziell reduzieren könnten.

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Null-Kosten-Versprechen hakt: Stadien und Infrastruktur wird nicht berechnet

In Sachen Finanzen deutlich schwerer wiegt aber eine andere Frage. Immer wieder haben die Veranstalter betont, "Tokyo 2020" werde die Steuerzahler nichts kosten. Erst auf Nachfrage betonten die Veranstalter dann, man beziehe sich dabei nur auf die operativen Kosten während der Spiele, also Strom, Catering, Sicherheit und so weiter. Solche Posten würden allesamt mit den Einnahmen durch Sponsoren, TV-Rechte und Tickets finanziert. Die Kosten für Stadionbauten und andere Infrastruktur zähle man dagegen nicht als Kosten, weil die Bevölkerung noch lange in der Zukunft davon profitieren würde.

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Mindestens 3 Milliarden Dollar Extrakosten durch Olympiaverschiebung

Diese viel kritisierte Sichtweise der Offiziellen lässt sich nun kaum mehr darstellen. Durch die Verschiebung fallen Zusatzkosten in Höhe von schätzungsweise zumindest 3 Milliarden US-Dollar an. Sie betreffen unter anderem Ausgaben für Sicherheit, Miete, Entschädigungen und weitere Posten. Von ihnen werden die Einwohner von Tokio und Japan kaum langfristig profitieren. Allerdings werden japanische Steuerzahler wohl zumindest einen Großteil dieser Kosten tragen müssen.

So stehen die Veranstalter zusehends unter Druck. Dies gilt vor allem für Premierminister Shinzo Abe. Seit er Ende 2012 sein Amt antrat, hat er den Japanern versprochen, mit seiner als "Abenomics" bekannten Wirtschaftspolitik durch hohe Staatsausgaben und eine lockere Geldpolitik neues Wachstum zu bescheren. Weil davon bisher nicht viel zu sehen war, hat er besonders große Hoffnung in erfolgreiche Olympische Spiele gesteckt, die im Jahr 2020 den Rekordwert von 40 Millionen Touristen und auch damit einen ökonomischen Stimulus bringen sollten. Bisher sieht es so aus, als hätte der Premier immer wieder den Mund etwas zu voll genommen. Mit seiner Äußerung, dass die Spiele kein weiteres Mal verschoben werden, hat er nun alles auf die Karte gesetzt. Auch, wenn die für die japanischen Betriebe und Menschen schon längst nicht mehr so gut aussieht, wie sie mal ausgemalt worden war.