23. Januar 2021 / 06:00 Uhr

Kaul, Schwanitz, Kämna & Co.: So denken Deutschlands Topsportler über Olympia in Tokio

Kaul, Schwanitz, Kämna & Co.: So denken Deutschlands Topsportler über Olympia in Tokio

Stefan Döring und Frank Schober
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Niklas Kaul, Christina Schwanitz, Lennart Kämna und viele weitere Athleten haben sich gegenüber dem SPORTBUZZER zu den Spekulationen um eine mögliche Olympiaabsage geäußert. 
Niklas Kaul, Christina Schwanitz, Lennart Kämna und viele weitere Athleten haben sich gegenüber dem SPORTBUZZER zu den Spekulationen um eine mögliche Olympiaabsage geäußert.  © imago/AFLO/Sven Simon/Laci Perenyi/Panoramic/Montage
Anzeige

Absagen oder antreten? Sechs Monate vor dem geplanten Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio steht das gesamte Event im Schatten der Corona-Pandemie. Wie gehen Deutschlands Topathleten mit der Situation um. Der SPORTBUZZER hat sich bei Niklas Kaul, Christina Schwanitz, Lennart Kämna & Co. umgehört.

Anzeige

In sechs Monaten sollen in Tokio die Olympischen Sommerspiele eröffnet werden. Aber ist dies angesichts der weiterhin weltweit grassierenden Corona-Pandemie wirklich realistisch? Eine Frage, die natürlich auch unter Deutschlands Top-Athleten diskutiert wird. Der SPORTBUZZER hat sich bei Sebastian Kaul, Christina Schwanitz, Lennart Kämna & Co und die Sportler zu der aktuellen Situation und ihren Plänen befragt.

Anzeige

Lennart Kämna (Radsportler): "Aktuell ist geplant, dass wir Sportler zwei Wochen vor den Spielen in Quarantäne müssten – das wäre mitten in der Tour de France. Wenn ich mich also entscheiden müsste, würde ich lieber die Tour fahren."

Max Hartung (Fechter): "Ich habe Höhen und Tiefen im Training. Ich will in Tokio mit meiner besten Technik antreten, dafür kann ich die Zeit gut nutzen. Manchmal macht sich aber auch das Gefühl breit, dass es generell nicht vorangeht."

Mehr zu den Olympischen Spielen

Christina Schwanitz (Kugelstoßerin): "Ich versuche mich schlau zu machen, weil ich mir die Frage stelle, was die Langzeitfolgen der Coronaschutz-Impfung sein können. Ich bin kein Impfgegner, habe alle möglichen Impfungen erhalten – meine Kinder auch. Aber als Sportlerin ist der Körper mein Kapital."

Imke Onnen (Hochspringerin): "Ich bin glücklicherweise schon für die Olympischen Spiele qualifiziert. Es geht für mich jetzt darum, mich nach einer kleinen Verletzung wieder in Form zu bringen. Aber ich plane definitiv mit einer Austragung der Spiele. Ich bin hochfokussiert und habe das große Ziel in Tokio zu springen. Im Training ist aber viel Spontanität und Flexibilität gefragt."

Niklas Kaul (Zehnkämpfer): "Ich habe kein Problem damit, mich impfen zu lassen. Das macht aber nur Sinn, wenn die Risikogruppen schon geimpft wurden. Eine Priorisierung für Sportler halte ich nur für sinnvoll, wenn keine Leben bedroht sind."

Annekatrin Thiele (Rudern): "Es macht einfach noch viel Spaß, sich mit anderen zu messen. Und ja: Die eventuell vierte Olympiateilnahme reizt mich nach wie vor sehr."

Peter Kretschmer (Kanurennsport): "Ich bin im Olympiatunnel, die Corona-Maßnahmen um mich herum sind mir egal, für mich ist wichtig, dass ich trainieren kann."

Tina Dietze (Kanurennsport): "Nichts ist planbar. Aber ich halte am Traum von meinen dritten Spielen fest – auch wenn diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so stattfinden werden können, wie ich Olympia kenne."

Maximilian Schachmann (Radsport): "Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen steht für mich zur Debatte. Aber in diesem Jahr wird sich noch viel ändern, wir müssen also abwarten. Wenn ich die Statistiken zu den Toten sehe, sind junge Menschen weniger gefährdet. Deshalb bin ich dafür, dass zuerst alle Risikogruppen geimpft werden, bevor Sportler drankommen. Ich bin dafür, dass man sich an diesen Plan hält."

Damian Wierling (Schwimmen): "Ich trainiere jetzt Vollgas in der Hoffnung, dass die Spiele stattfinden. Ich muss auf höchstem Niveau schwimmen, weil ich mich noch qualifizieren muss. Eigentlich war meine Qualifikation für April 2020 geplant – doch dann wurde alles abgesagt. Ich bin zwar bei der ISL geschwommen, habe aber keine Quali-Wettbewerbe gehabt. Eine Verunsicherung ist aber nicht da, ich glaube, dass wir noch die Möglichkeit haben werden. Irgendwas wird ja corona-konform möglich sein. Ich muss mich nur darauf verlassen, dass ich an dem einen Tag voll da bin, dafür trainiere ich jetzt und habe im vergangenen Jahr auch ein paar Dinge umgestellt."

Felix Auböck (österreichischer Schwimmer): "Ich kann mir Olympische Spiele aktuell nicht vorstellen. Der Verstand sagt, es geht nicht. Es wäre ein unfairer Wettkampf, weil wegen des Virus immer wieder Konkurrenten ausfallen könnten. Aber wir haben bei der ISL gesehen, dass die Bubble auch im Schwimmen funktionieren kann. Letztes Jahr war mein Leistungsniveau auf einem Topniveau. Mit der Zeit wäre ich immer im olympischen Finale gewesen. Zu akzeptieren, dass es keine Spiele gäbe, obwohl ich derzeit so gut wie noch nie bin, würde mir schwer fallen."