24. März 2020 / 17:39 Uhr

Olympia-Absage: So sehen es die heimischen Betroffenen Grolla und Scoccimarro

Olympia-Absage: So sehen es die heimischen Betroffenen Grolla und Scoccimarro

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Von der Olympia-Absage betroffen: Judoka Giovanna Scoccimarro und Para-Leichtathlet Phil Grolla.
Von der Olympia-Absage betroffen: Judoka Giovanna Scoccimarro und Para-Leichtathlet Phil Grolla. © DPA (2)/Marina Mayorova
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Die Entscheidung musste kommen und nach einigem Eiertanz kam sie am Dienstag auch: Die Olympischen Spiele in Tokio werden 2020 nicht stattfinden, sondern auf 2021 verschoben. Das trifft auch heimische Sportler, darunter Judo-Star Giovanna Scoccimarro und Paralympics-Kandidat Phil Grolla. 

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"Corona ist jetzt praktisch überall"

Die Absage - für die Lessienerin Giovanna Scoccimarro, die für den MTV Vorsfelde startet, kam die Absage nicht mehr überraschend. "Corona ist jetzt praktisch überall auf der Welt." Sie gibt zu: "Ich war lange optimistisch gewesen, hatte gehofft, dass es nicht so schlimm wird, die Olympischen Spiele wie geplant stattfinden." Vergangene Woche wurde sie dann von der knallharten Realität regelrecht überrollt. Denn sie war im Trainingslager auf Lanzarote gewesen - "da waren wir ein wenig abgeschottet von dem ganzen Geschehen, haben nicht so viel mitbekommen". Doch auf dem Rückflug hatten sie einen Corona-Verdachtsfall mit im Flugzeug. Nun sitzt Scoccimarro in Heim-Quarantäne mit ihrer Hannoveraner Judo-Stützpunkt-Kollegin Pauline Starke. Scoccimarro: "Wir saßen im Flugzeug weit weg von dem Corona-Fall, uns geht es gut."

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Viele Fragen

Die Absage für 2020 kann Deutschlands beste Judoka der 70-Kilo-Klasse nachvollziehen. "Es ist besser, die Spiele zu verschieben." Zugleich aber tun sich viele Fragen auf. Etwa: Gilt die Qualifikation? "Denn als Sportler weiß man nie, ob die noch einmal gelingt." Wird es noch die Chance auf Vorbereitungswettkämpfe geben? Was machen die Aktiven, die noch Normen brauchen? Die VW-Angestellte, die im Februar in Düsseldorf bem Grand Slam ihre Olympia-Nominierung zementiert hatte, hofft, "dass wir alle gesund bleiben, möglichst schnell dieser Virus bekämpft wird und es bald einen Impfstoff gibt".

Judo-Grand-Slam in Düsseldorf: Der Medaillenkampf von Giovanna Scoccimarro. Zur Galerie
Judo-Grand-Slam in Düsseldorf: Der Medaillenkampf von Giovanna Scoccimarro. © Marina Mayorova

Phil Grolla ist so einer, der noch die Norm braucht: für die Paralympics in Tokio im Anschluss an die Olympischen Spiele. Die sind auch verschoben. "Das ist die richtige Entscheidung", sagt der Sprinter des VfL Wolfsburg, weiß aber auch: "Für die Sportler ist es natürlich hart, weil man auf diesen Höhepunkt hingearbeitet hat."

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Vorbereitung muss neu gedacht werden

Für ihn könnte es von Vorteil sein, weil er die Norm noch brauche. Doch Fragen bleiben: Kann man die Norm überhaupt noch schaffen, jetzt, wo man nur noch eingeschränkt trainieren kann? Grolla etwa sprintet mit einem Freund im Wald, macht Übungen daheim - die Klubanlagen dürfen nicht genutzt werden. Die Form wird eher schwächer, das Verletzungsrisiko steigt, zudem komme bei vielen Sportlern hinzu: "Man hat sich auf den Jahreshöhepunkt ausgerichtet, das muss alles neu gedacht werden." Der Leichtathlet etwa hatte nach dem Abitur ein Jahr beim Bundes-Freiwilligen-Dienst angehängt, weil "die Unterstützung des Vereins sehr gut ist und das gut mit der Paralympics-Vorbereitung gepasst hätte". Für 2020.