25. Juli 2021 / 14:14 Uhr

Olympia-Bronze im Wasserspringen und Bogenschießen: So läuft die erste deutsche Medaillen-Party

Olympia-Bronze im Wasserspringen und Bogenschießen: So läuft die erste deutsche Medaillen-Party

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Die Turmspringerinnen Tina Punzel (großes Bild l.) und Lena Hentschel (großes Bild r.) und die Bogenschützinnen Michelle Kroppen (kleines Bild l.), Charline Schwarz (kleines Bild mitte) und Lisa Unruh (kleines Bild r.) holten mit Bronze die ersten beiden Medaillen. 
Die Turmspringerinnen Tina Punzel (großes Bild l.) und Lena Hentschel (großes Bild r.) und die Bogenschützinnen Michelle Kroppen (kleines Bild l.), Charline Schwarz (kleines Bild mitte) und Lisa Unruh (kleines Bild r.) holten mit Bronze die ersten beiden Medaillen.  © IMAGO/Insidefoto/ITAR-TASS (Montage)
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Am Sonntag sollte der Bann endlich brechen - und tatsächlich bescherte geballte Frauenpower dem deutschen Team die ersten Medaillen. Die Turmspringerinnen Tina Punzel und Lena Hentschel holten überraschend Bronze. Lisa Unruh, Michelle Kroppen und Charline Schwarz machten es ihnen im Teamwettbewerb beim Bogenschießen nach.

Tina Punzel ist im Wärmebecken abgetaucht, Lena Hentschel schaut gebannt auf die Anzeigetafel. Keine 20 Meter weg von ihnen stehen die Italienerinnen Elena Bertocchi und Chira Pellacani auf dem Drei-Meter-Brett des Tokio Aquatic Centers. Es ist der finale Akt des Synchronspringens. Ein zweieinhalbfacher Salto rückwärts gehechtet entscheidet über Blech oder Bronze für Deutschland. „Wir wussten, die können den nicht so stabil. Und da hofft man natürlich, dass sie das unter Druck nicht hinkriegen, dass es für uns reicht“, gibt Punzel etwas später ihre Gedanken preis.

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Sehen kann sie den Sprung aber nur mit zusammengekniffenen Augen. Ihr Brille, im Wärmebecken hat sie die nicht dabei. Was sie sehen kann, dass es spritzt. Die Italienerinnen sind zu flach über dem Wasser eingetaucht. Und Spritzen ist beim Wasserspringen ein Fehler, ein grober Fehler. Als ihr Lena Hentschel zuruft, dass bei den Italienerin auf der Anzeigetafel nicht Platz drei steht, kommt die Botschaft so langsam an. Beide schlagen die Hände vors Gesicht. Freudentränen kullern. Und Bundestrainer Lutz Buschkow vollführt ein kleines Freudentänzchen. „Allein für diesen Moment, hat sich mein Augenlasern schon gelohnt“, verrät Hentschel später, dass auch sie kurzsichtig ist.

"Das I-Tüpfelchen, einfach unglaublich"

Olympia-Bronze. Gold geht an die Chinesinnen Shi Tingmao /Wang Ha, Silber an Jennifer Abel/Melissa Citrini Beaulieu aus Kanada. Doch für das deutsche Paar ist es nach dem Europameistertitel die Krönung einer überragenden Saison. Die Wasserspringerinnen holen für Team D die erste Medaille in Tokio. Für Hentschel ist es „das I-Tüpfelchen, einfach unglaublich“. In den Katakomben lässt sie die Medaille nicht los. So, als ob sie befürchtet, dass sie verloren geht. „So richtig realisieren kann ich es nicht, das braucht jetzt noch ein paar Stunden“, sagt die zierliche Berlinerin und Punzel ergänzt: „Das ist das, wofür wir fünf Jahre trainiert haben. Der Plan ist aufgegangen.“

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Ein Teil des Planes ist, dass Lena Hentschel (20) vor anderthalb Jahren ihren Wohnort von Berlin nach Dresden verlegt, ihr Abitur um ein Jahr gestreckt, die elfte Klasse in Sachsen komplett wiederholt hat. „Lena ist ein sehr hohes persönliches Risiko eingegangen, damit sie gemeinsam viel trainieren können. Denn das haben wir als wesentliche Reserve gesehen“, erklärt Buschkow. „Es war schwierig für mich, von zu Hause wegzuziehen“, gibt Hentschel zu. Aber sie sei mit einem Supergefühl an die Elbe gezogen. Dabei hatte sie immer Tokio im Blick. Die Corona-Pause spielte ihnen in die Karten. Sie hatten ein Jahr mehr Zeit, um als Team zusammenzuwachsen. Synchroner, stabiler seien sie geworden.

Hentschel kann "durchdrehen"

„Es hilft, wenn du jeden Tag gemeinsam trainierst, und dich nicht aller drei Wochen mal siehst.“ Zum Plan gehört auch, dass sie auf eine besondere Tokio-Vorbereitung setzten. Während Dresden schlief, standen beide nachts in der Schwimmhalle, um die Zeitverschiebung zu simulieren. Und wie wird gefeiert? „Ich hoffe, es gibt irgendwo ein Gläschen Sekt“, sagt Punzel. Da sie am Montag wieder Training und am Dienstag Wettkampf hat, werde es keine Riesenparty, aber eine kleine. „Und ich“, sagt Hentschel, „ich kann durchdrehen.“

Auch Bogenschützinnen mit Bronze

Im Olympischen Dorf konnten sie zumindest mit den Bogenschützinnen auf die Frauen-Power anstoßen. Denn die bejubelten kurz nach ihnen ihren bronzenen Schuss ins Glück. Lisa Unruh, Michelle Kroppen und Charline Schwarz besiegten im kleinen Finale Belarus mit 5:1 (55:48, 53:51, 55:55) - die erste Team-Medaille mit Pfeil und Bogen seit Sydney 2000. „Es ist überwältigend, ich freue mich riesig. Es war super, es war total spannend“, sprudelte es aus Unruh heraus.

Denn ausgerechnet der Berlinerin, die mit Silber in Rio das Bogenschießen wieder ins Rampenlicht geschossen hat, hatten zuvor im Halbfinale gegen Russland die Hände gezittert, als sie nur eine Zwei traf. Im Bronze-Match war sie es dann aber, die mit dem letzten Schuss, einem perfekten in die Zehn, für die Entscheidung sorgte. Und am Dienstag drückt sie ihrem Mann Florian im Einzel die Daumen. Vorher wird aber gefeiert.

"Wir gönnen es uns heute richtig und spielen Karten", scherzte die Unruh auf die Frage nach den folgenden Feierlichkeiten. Ihre Teamkollegin Michelle Kroppen wollte sich lieber spontan überraschen lassen. "Mal sehen was passiert, wenn wir nachher ins Dorf kommen. Vielleicht werden wir noch von jemanden gut empfangen. Aber wir haben nichts Großes vor, wir sind ja noch im laufenden Wettbewerb", sagte die 25-Jährige aus Jena.