18. Februar 2022 / 07:57 Uhr

Olympia-Farce um Katharina Althaus und Co.: Warum beim Skispringen etwas nicht passt

Olympia-Farce um Katharina Althaus und Co.: Warum beim Skispringen etwas nicht passt

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das deutsche Team um Karl Geiger (l.) und Katharina Althaus wurde beim Mixed-Wettbewerb im Skispringen disqualifiziert.
Das deutsche Team um Karl Geiger (l.) und Katharina Althaus wurde beim Mixed-Wettbewerb im Skispringen disqualifiziert. © IMAGO/Xinhua/AFLOSPORT (Montage)
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Die vielen Disqualifikationen beim Skispringen sorgten bei den Olympischen Winterspielen in Peking für Aufsehen. Nach der Farce im Mixed-Wettbewerb wollen Trainer und Offizielle in Norwegen über die Anzugkontrolle sprechen.

Karl Geiger wollte die Olympia-Farce im Skispringen am liebsten abhaken: "Nach dem Mixed-Team sind die Emotionen hochgekocht. Aber das ist passiert, wir können es nicht mehr ändern und es ist jetzt vorbei." Das Drama zu Beginn der Spiele mit der Disqualifikation von fünf Fliegerinnen, darunter die deutsche Katharina Althaus, und deren Teams lässt sich tatsächlich nicht mehr rückgängig machen. Die Diskussion über die Konsequenzen hat jedoch gerade erst begonnen.

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Voraussichtlich in Norwegen (3. bis 6. März) soll es eine Krisensitzung geben. Dann werden die Männer- und Frauen-Teams erstmals nach dem Olympia-Debakel wieder gemeinsam im Weltcup an einem Ort sein. Die in die Kritik geratenen Materialkontrolleure Mika Jukkara (Männer/Finnland) und Agnieszka Baczkowska (Frauen/Polen) werden sich viele Fragen gefallen lassen müssen, im Mixed bei den Spielen in Peking wurde beispielsweise der Anzug von Althaus moniert.

Damen-Bundestrainer Andreas Bauer dürfte also vorn mit dabei sein bei den Fragenstellern. Er ist als technischer Delegierter des Internationalen Skiverbandes FIS in Norwegen dabei und wird als deutsches Mitglied der Materialkommission und des Sprungkomitees über die Konsequenzen der Farce mitentscheiden. "Meine Lebenserfahrung sagt, dass man immer beide Seiten hören muss. Deswegen würde ich eine Sondersitzung begrüßen", sagt Bauer.

Der Oberstdorfer hat eine Menge Vorschläge im Gepäck, wie man solch imageschädigenden Vorfälle für den Flugsport künftig verhindern kann. Einer davon wird bereits in der Skisprung-Szene sehr positiv diskutiert: Ab kommender Saison könnten die Materialkontrollen oben am Schanzenturm vor dem Absprung statt unten nach der Landung im Auslauf stattfinden. Das hätte den Vorteil, dass die Springer auf jeden Fall in der Wertung bleiben, wenn sie einmal in die Anlaufspur gegangen sind. "Das ist schon seit Jahren mein Vorschlag", sagt Bauer. Bisher wird oben an der Schanze nur das sogenannte Schrittmaß der Anzüge kontrolliert. Unten folgt dann der Test, ob auch der Rest der strengen Regeln wie die beschränkte Luftdurchlässigkeit und die Form der Anzüge (Körpermaß plus drei Zentimeter bei den Männern, Körpermaß plus vier Zentimetern bei den Frauen) passt.

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Vorwürfe hinsichtlich der Messmethodik werden laut

Genau das wurde Althaus zum Verhängnis, bei der der Anzug nach eigener Aussage "am Hintern" zu groß war. Es gab von den fünf von der Disqualifikation betroffenen Springerinnen jedoch Vorwürfe, dass die Messmethodik gegenüber der sonstigen Praxis geändert worden und so lange gesucht worden sei, bis ein Fehler gefunden wurde. "Natürlich werden Limits ausgereizt, aber ich glaube einfach nicht, dass jemand total betrügen wollte. Jede der Topnationen hat einen Schnittcomputer, der dafür sorgt, dass jeder Anzug mit dem gleichen Maß für die jeweilige Springerin herauskommt", so Bauer. Wenn also im Weltcup und dem olympischen Einzelspringen alles in Ordnung gewesen sei, könne das im Mixed-Springen nicht anders gewesen sein. Um die Materialkontrollen künftig zu erleichtern, könnte sich Bauer vorstellen, dass mit einem überall eng anliegenden Anzug gesprungen wird.

Vielleicht der wichtigste Punkt in Bauers Agenda ist jedoch eine bessere Bezahlung der Materialkontrolleure im Skispringen. Bisher steht den Honorarkräften Jukkara und Baczkowska im Weltcup lediglich ein Tagessatz von 96 Schweizer Franken plus Anreise, Kost und Logis zu. Bauer: "Skispringen ist eine Profisportart und wir müssen die Kontrolleure besser bezahlen."

Ob die in der kommenden Saison noch Jukkara und Baczkowska heißen, wird sich zeigen. Die Kritik am Personal ist speziell aus den betroffenen Topnationen Deutschland, Österreich, Norwegen und Japan nach der Olympia-Farce riesig. Bundestrainer Stefan Horngacher hatte nach dem "Kasperltheater" sogar angekündigt, dass er über einen Rücktritt von seinem Posten nach Saisonende nachdenken werde.

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