28. Juli 2021 / 15:03 Uhr

Michael Rummenigge zum Olympia-Aus: Mitleid mit Stefan Kuntz – Appell an die Verbände 

Michael Rummenigge zum Olympia-Aus: Mitleid mit Stefan Kuntz – Appell an die Verbände 

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stefan Kuntz scheiterte mit seiner Olympia-Auswahl bereits in der Vorrunde.
Stefan Kuntz scheiterte mit seiner Olympia-Auswahl bereits in der Vorrunde. © dpa (Montage)
Anzeige

SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge analysiert den kurzen und eher freudlosen Olympia-Auftritt der deutschen Fußballer. Er erklärt, warum er die Absagenflut versteht und regt eine Reform an. 

Stefan Kuntz tut mir leid. Er hat die deutsche U21-Nationalmannschaft 2017 und 2021 jeweils zum EM-Titel geführt, nun musste er sich bei den Olympischen Spielen auf eine von Beginn an aussichtslose Mission einlassen. Wegen der Absagenflut standen ihm in Tokio nur 18 von 22 möglichen Spielern zur Verfügung, große Stars fehlten in seinem Kader. Die Folge war erwartbar: Aus nach der Gruppenphase. Viel Sinn hat die deutsche Teilnahme am Turnier unter diesen Umständen nicht ergeben. Ein wenig peinlich war es auch. Doch will man die Vereine und die Profis, die freiwillig auf die Reise nach Japan verzichteten, wirklich kritisieren? Ich sage: Nein!

Anzeige

Alle Klubs befinden sich in der Vorbereitung, für die Spieler geht es um Stammplätze, es gab im Sommer zahlreiche Trainerwechsel - da reist man nicht mal eben zu einem Turnier, das hierzulande ohnehin keine große Bedeutung hat. Ich erinnere mich an 1984, als auch ich kurz zu den Kandidaten für die Spiele in Los Angeles zählte. Uli Hoeneß hat damals gesagt, dass es besser wäre, wenn ich in München bliebe. Gesagt, getan. Ich habe nicht weiter nachgedacht und wollte helfen, den Trophäenschrank des FC Bayern weiter zu füllen. Von einer olympischen Medaille habe ich als Profi-Fußballer nie geträumt.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich halte Olympia für eine tolle Veranstaltung, aber der Fußball spielt dort zumindest aus europäischer Sicht keine große Rolle. Wie man dies ändern könnte? Mit deutlichen Regeln. Ich würde mir wünschen, dass alle entscheidenden Verbände vorgeben, dass die Teilnehmer mit ihren aktuellen U21-Nationalmannschaften wirklich verbindlich und ohne Absagen durch die Hintertür antreten müssen. Die Kader könnten dann mit drei älteren Spielern verstärkt werden. Das würde zumindest Planungssicherheit und Klarheit schaffen. So, wie es derzeit läuft, wird es auch dem olympischen Gedanken nicht gerecht.