27. Dezember 2019 / 08:38 Uhr

Olympia 2020 in Tokio: Wie viele Leipziger lösen das Ticket?

Olympia 2020 in Tokio: Wie viele Leipziger lösen das Ticket?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Olympia
Auch in Tokio 2020 wird um olympische Medaillen gekämpft. Doch wie viele Leipziger werden mitkämpfen? © Jean-Christophe Bott
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Das vorolympische Jahr ist zu Ende – die Qualifikation für Tokio 2020 startet in die heiße Phase. Wie stehen die Chancen, dass Leipziger Athleten in Japan zahlreich vertreten sind?

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Leipzig. LVZ-Sportchef Frank Schober bewertet die hiesigen Topathleten und wagt eine Prognose, wer die Mühlen der Quali erfolgreich meistert. Die Prognose steht unter der Voraussetzung, dass keine Verletzungen oder Krankheiten die Sportler aus der Bahn werfen.

Kanuslalom: Bei den Paddelartisten sollte die Quali längst abgeschlossen sein. Andrea Herzog (20) wurde Ende September in Spanien Weltmeisterin und löste ihr Ticket souverän. Damit ist die Canadierspezialistin die einzige Leipzigerin aller Sportarten, die schon zu Weihnachten fest für Tokio planen konnte. LKC-Kollege Franz Anton hat ein nervenaufreibendes Jahr hinter sich. Erst holte er gegen Sideris Tasiadis (Augsburg) einen großen Rückstand auf, dann hatte der Titelverteidiger aus Leipzig bei der WM einen Matchball, den er am leeren Tor vorbeischoss. Bei der EM Mitte Mai müssen beide Rivalen erneut gegeneinander antreten. Wer als bester europäischer Nachrücker den Quotenplatz holt, ist auch namentlich qualifiziert. Chancen: Herzog 100 Prozent, Anton 50 Prozent.

Kanurennsport: Kajak-Olympiasiegerin Tina Dietze (SG LVB) paddelt ihren dritten Spielen entgegen, auch C2-Mann Peter Kretschmer (SC DHfK) stand 2012 auf dem obersten Treppchen und will dieses Gefühl noch einmal erleben. Beide holten 2019 in ihren Bootsklassen den Quotenplatz für Deutschland und besitzen als Mitglieder der Kernmannschaft nun einen Bonus. Schwer wird die Aufgabe für DHfK-Canadierfahrerin Johanna Handrick. Deutschland hat nur zwei Startplätze, die Leipzigerin gilt zu Jahresbeginn als Nummer 5. Chancen: Dietze 95 Prozent, Kretschmer 85 Prozent, Handrick 5 Prozent.

Kugelstoßer Storl sollte es schaffen

Leichtathletik: Mit rund 2000 Teilnehmern ist im Olympischen Dorf fast jeder fünfte Sportler ein Leichtathlet. Neben den Normen gibt es über die Weltrangliste eine Hintertür. In der 4x100-m-Staffel hat das Männer-Quartett das Ticket noch nicht sicher, es dürfte aber Weltranglistenposition 16 schaffen. Fester Bestandteil der Staffel sind Roy Schmidt und Marvin Schulte (SC DHfK), diese Position gilt es zu bestätigen. Mit Deniz Almas (VfL Wolfsburg) greift ein weiterer Sprinter des hiesigen Stützpunktes an.

DHfK-Läufer Robert Farken hat mit einer Höhentrainingskette in Südafrika die Grundlage für weitere Steigerungsraten gelegt – eine Leistungsexplosion ist auch nötig, um sich über 800/1500 m auf 1:45,20 oder 3:35,00 min zu steigern. Marcus Schöfisch (lauftraining.com) hat es im Marathon noch schwerer. Nach einem Ermüdungsbruch trainierte der 32-Jährige alternativ. Nun absolviert er die ersten Laufkilometer, um sich für den Hannover-Marathon Ende April fit zu bekommen.

Kugelstoßer David Storl dürfte die geforderten 21,10 Meter schaffen, wenn er sich gesundheitlich weiter stabilisiert. Für Speerwerferin Christine Winkler (beide SC DHfK) sind 64 Meter ein hartes Brot.

Chancen: Storl 90 Prozent, Schmidt und Schulte 75 Prozent, Farken 60 Prozent, Winkler 15 Prozent, Schöfisch 5 Prozent.

Kein Starter im Judo, Ringen oder Fechten

Schwimmen: Nachdem 2012 und 2016 kein Leipziger bei Olympia dabei war, sieht die Welt seit der Verpflichtung von Trainer Frank Embacher besser aus. Marie Pietruschka gehörte 2018 und 2019 zur Nationalmannschaft, doch die Staffelplätze sind stark umkämpft. SSG-Kollege David Thomasberger will den Einzelstart über 200 m Schmetterling. Immerhin ist seine Bestzeit schneller als die Norm, diese Zeit muss er noch einmal abrufen. Lisa Graf startet weiter für Berlin-Neukölln, trainiert aber nun bei Frank Embacher. Sollte sie erneut Olympia schaffen, würde dies dem Leipziger Stützpunkt zugerechnet. Chancen: Pietruschka 70 Prozent, Graf und Thomasberger je 80 Prozent.

Wasserspringen: Ein DHfK-Springer auf den olympischen Brettern in Tokio wäre wohl eine Sensation. Stephan Feck hat nach anhaltenden Rückenbeschwerden aufgehört. Friederike Freyer war bei der ersten Weltcup-Quali im Dezember weit weg von der Spitze. Die DSV-Springer tun sich ohnehin schwer im Kampf um Quotenplätze. Letzte Möglichkeit ist der Weltcup im April. Chance für Freyer: unter 5 Prozent.

Judo/Ringen/Fechten: Der Judo-Bundesstützpunkt verschwindet 2021 nach 30 Jahren aus der Nordanlage des Sportforums. Der Stützpunkt der Ringer und Fechter ist noch sehr jung, hier wird im Nachwuchs die Grundlage für eine (hoffentlich) rosige Zukunft gelegt. In allen drei Kampfsportarten wird es keine Leipziger Starter in Tokio geben. Judoka Marie Branser – sie wechselt im Januar von den Sportlöwen zum SC DHfK – strebt den Olympiastart für Kongo an. Dies ist trotz ihres zweiten Platzes bei den African Open im November in Dakar kein Selbstläufer. 2016 hatte Simon Yacoub (JCL) eine Wildcard für Palästina erkämpft.

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Olympiaticket für Felix Groß fast safe

Rudern: Nach zwei Mal Silber krönte Annekatrin Thiele ihre Karriere in Rio mit Olympiagold. Schafft die DHfK-Skullerin ihre vierte Teilnahme? Eine Rippenverletzung hat die 35-Jährige 2019 zurückgeworfen, bei der WM schaffte sie im Einer nur das C-Finale und verpasste den Quotenplatz. Auch beim Langstreckenauftakt der Saison in Dortmund blieb sie als Siebte unter ihren Möglichkeiten. Doch die gebürtige Thüringerin ist eine Kämpferin. Sie hat schon manchen Rückschlag weggesteckt, eine Rückkehr in ein Mannschaftsboot ist ihr zuzutrauen. Chance: 50 Prozent.

Radsport: Felix Groß ist mit seinen 21 Jahren längst ein fester Bestandteil des Bahnvierers. Das Olympiaticket ist fast safe. Nur ein Defekt, Sturz oder schwerer Wechselfehler kann dem Quartett bei der Heim-WM Ende Februar in Berlin einen Strich durch die Rechnung machen. Romy Kasper ist wie 2016 eine Kandidatin für die Straße, zuletzt war sie bei der WM Ersatzfahrerin. Chancen: Felix Groß 95 Prozent, Romy Kasper 60 Prozent.

Triathlon: Hinter der überragenden Laura Lindemann aus Potsdam ist noch ein Startplatz für die Mixedstaffel und zugleich fürs Einzelrennen frei. Kann sich Caroline Pohle (TriStars Markkleeberg) diesen sichern? Bei der Kadernominierung wurden ihr zwei Damen vor die Nase gesetzt, die Sächsin ist nur Perspektiv- statt Olympiakader. Das alles ist am 28. Mai Schall und Rauch, wenn das letzte Ticket in einem einzigen Rennen in Kienbaum vergeben wird. Caroline Pohles Aussichten stehen bei 30 Prozent, eine Mini-Chance hat auch Bianca Bogen (SC DHfK), die zunächst um die Teilnahme am Quali-Rennen kämpfen muss.

Semper und Weber mit Nationalteam gute Chancen

Sportschießen: Die besten Schützen der Region kommen aus Neiden bei Torgau. Trapspezialist Paul Pigorsch ist eine echte Größe, er schaffte bereits Weltklasse-Resultate. Doch die umkämpften Quotenplätze haben die Trap-Männer bisher verpasst. Chance: 50 Prozent.

Handball: Nach der verkorksten EM 2018 war Bundestrainer Christian Prokop bei den wichtigen Turnieren zurückhaltender beim Nominieren von DHfK-Spielern geworden. Nun sind mit Franz Semper und Philipp Weber wieder zwei Leipziger beim EM-Turnier dabei. Die Nationalmannschaft muss sich gewaltig strecken, um das Olympiaticket als Europameister oder als Turniersieger im April in Berlin zu schaffen. Wenn dies gelingt, können ein oder zwei Leipziger den Sprung nach Tokio schaffen. Dass Franz Semper ab 1. Juli in Flensburg unter Vertrag steht, tut nichts zur Sache – er wäre zu 99 Prozent ein Olympiateilnehmer aus Leipzig, wo er sich das Ticket über Jahre erkämpft hat. Chancen: 80 Prozent

Volleyball: Für die deutschen Volleyballer entscheidet sich ab 5. Januar in Berlin, ob es für Tokio reicht. Seit zwei Jahren ist der Leipziger Mittelblocker Anton Brehme fester Bestandteil der Auswahl. Der 19-Jährige spielt nach seiner Zeit am Stützpunkt in Berlin (VC Olympia) inzwischen in Lüneburg bei Hamburg. Chance: 25 Prozent

Bei gutem Verlauf 12-15 Leipziger in Tokio

Fußball: In Rio polierten Lukas Klostermann und Davie Selke die Leipziger Bilanz mit ihren Silbermedaillen auf. Derzeit gehört kein RB-Kicker zur Olympiaauswahl von Trainer Stefan Kuntz. Klostermann wird im Sommer 24. Er deutete an, dass ihn Olympia als einer von zwei älteren Spieler reizen würde. Doch derzeit gilt er als feste Größe im EM-Team von Jogi Löw. Dies wäre für RB in vielerlei Hinsicht besser, dann stünde er Julian Nagelsmann auch in der heißen Phase der Saisonvorbereitung zur Verfügung. Chance: 5 Prozent.

Fazit: Wenn die kommenden Wochen gut verlaufen, wäre Leipzig mit 12 bis 15 Athleten in Tokio dabei: drei oder vier Kanuten, drei bis vier Leichtathleten, zwei Schwimmern, zwei Handballern, einer Ruderin, einer Triathletin sowie ein oder zwei Radsportlern.

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