14. Januar 2020 / 11:07 Uhr

Olympia-Kandidaten im Trainingslager: Schuften, wo andere Urlaub machen

Olympia-Kandidaten im Trainingslager: Schuften, wo andere Urlaub machen

Peter Stein und Stephan Henke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Kanuten (u.r.), Geher (o.r.), Bahnradsportler (o.l.) und Para-Schwimmer düsen zur Vorbereitung um die ganze Welt.
Die Kanuten (u.r.), Geher (o.r.), Bahnradsportler (o.l.) und Para-Schwimmer düsen zur Vorbereitung um die ganze Welt. © Bob Foy, privat, Verein - MAZ-Grafik
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Brandenburgs Olympia- und Paralympics-Kandidaten düsen derzeit durch die Welt, um sich unter optimalen Trainingsbedingungen auf die Sommerspiele in Tokio vorzubereiten.

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Der Countdown läuft erbarmungslos. Nur noch 193 Tage sind es, bis am 24. Juli die XXXII. Olympischen Sommerspiele in Tokio eröffnet werden, einen Monat später beginnen am 25. August die XVI. Paralympischen Sommerspiele. Um optimal auf die Wettkämpfe in Japans Hauptstadt – die im Sommer mit Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit gerade für die Ausdauersportler extreme klimatische Bedingungen erwarten lässt – vorbereitet zu sein, düsen Brandenburgs Olympia-Kandidaten derzeit durch die ganze Welt. Es geht darum, unter optimalen klimatischen Voraussetzungen hohe Trainingsumfänge zu realisieren, um so die Grundlagen für die olympische Saison zu legen. Der SPORTBUZZER hat nachgefragt, wer wann und wo trainiert.

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Kanurennsport: Die Top-Athleten um die Olympiasieger Sebastian Brendel, Jan Vandrey und Franziska John vom KC Potsdam weilten bereits im November/Dezember für dreieinhalb Wochen in Melbourne/US-Bundesstaat Florida. In Indian Harbour Beach herrschten Top-Bedingungen, spulten Brendel und Co. 30 Trainingsstunden pro Woche ab. „Es ist für die Athleten ganz wichtig, ein optimales Umfeld zu haben – und das hast du beim Urlaubsfeeling in Florida. Nebenher schwimmen die Delfine. Das trägt auch zur besseren Erholung und Regeneration nach den harten Einheiten bei“, sagt Trainer Ralph Welke.

In Bildern: Das war der 22. Stadtsportball in Potsdam.

Lisa Rühl (l.) und Kathleen Friedrich führten als Moderatorinnen durch den Abend. Zur Galerie
Lisa Rühl (l.) und Kathleen Friedrich führten als Moderatorinnen durch den Abend. © Friedrich Bungert

„Im Winter quasi im Sommer trainieren zu können, ist auch von der Motivation her die halbe Miete. Wir haben dort einen 7,5 Kilometer langen Kanal, kommen also hin und zurück auf 15 Kilometer. Das ist abwechslungsreich“, schildert der 60-Jährige. „Es gab insgesamt nur zwei Tage, an denen wir ein langes Trainingsshirt und die Spritzdecke nutzen mussten. Solch tolles Wetter macht das Trainingspensum erträglich“, schilderte ein braun gebrannter Tamas Gecsö nach der Rückkehr aus Florida. Auch Kanadier und Franzosen waren dort. Und weil alles so perfekt passt, geht es nach zehn Tagen im heimischen Kienbaum vom 27. Januar bis 21. Februar wieder nach Florida. Später folgen noch Trainingslager in Sabaudia/Italien und in Sevilla/Spanien.

Leichtathletik/Gehen: Die Geher Teresa Zurek, Saskia Feige, Nils Brembach, Christopher Linke und Hagen Pohle vom SC Potsdam trainieren derzeit unter Anleitung von Bundes- und Heimtrainer Ronald Weigel in Dullstroom/Südafrika auf 2000 Meter Höhe. „Wenn man im Januar in der Höhe trainieren will, muss man gezwungenermaßen auf die Südhalbkugel ausweichen, in unseren Breitengraden liegt dann doch etwas viel Schnee“, meint Pohle. Bei 20 bis 30 Grad und beständigem Wetter können hohe Umfänge von 200 Kilometern in der Woche realisiert werden. Weil Selbstversorgung angesagt ist, schwingen die Sportler nach dem Training den Kochlöffel.

Nach Dullstroom (bis 31. Januar) geht es noch einmal nach Potchefstroom/Südafrika vom 24. Februar bis 17. März. Dann folgen erste Wettkämpfe. Trainingslager im April in Flagstaff/US-Bundesstaat Arizona, in Oberhof/Thüringen (24. Mai bis 6. Juni) und ein abschließendes Höhencamp auf dem Belmeken/Bulgarien (21. Juni bis 16. Juli). Die olympischen Geh-Wettkämpfe finden ja am 6./7. August in Sapporo statt.

Leichtathletik/Werfer: Die Werfer um die deutsche Meisterin im Diskuswerfen, Kristin Pudenz, und Speerwerfer Bernhard Seifert vom SC Potsdam trainieren im Januar in Kienbaum. Im März geht es für Pudenz und Co. nach Belek/Türkei.

Schwimmen: Rücken-Ass Christian Diener vom 1. Potsdamer SV absolviert ab 6. Februar ein zweieinhalbwöchiges Höhentrainingslager in Nairobi/Kenia. „Das haben wir schon mal durchgeführt und damit gute Erfahrungen gemacht“, sagt Trainer Jörg Hoffmann. „Schönes Wetter ist einfach hilfreich, um im Freibecken auf der 50 Meter Bahn trainieren zu können.“ Überhaupt werden in allen Sportarten Trainingsstandorte aufgesucht, in denen die Sportler und Trainer in den letzten Jahren gute Erfahrungen sammeln konnten. Denn als eiserne Regel gilt: Keine Experimente im Olympia-Jahr. Im März folgt ein Trainingslager in Fort Lauderdale/US-Bundesstaat Florida.

Rudern: Hans Gruhne vom RC Potsdam bereitet sich mit den Skull-Männern des Nationalkaders vom 23. Januar bis 9. Februar in Lagoa Sul/Portugal auf die Saison vor. Der Olympiasieger war bereits im Dezember in Avis/Portugal im Trainingslager. Daniela Schultze aus dem deutschen Doppelvierer trainiert derzeit in Ourense/Spanien. Auch die Riemenruderinnen sind ab 26. Januar bis 10. Februar dort und dann noch einmal ab Ende Februar.

Para-Leichtathletik: Cheftrainer Ralf Paulo kennt die Reise- und Trainingsziele für seine Sportler: Stellenbosch/Südafrika (13. Januar bis 3. Februar), Dubai/Vereinigte Arabische Emirate (1. bis 17. März), Lanzarote (10. bis 24. April).

Aktuelles vom Brandenburger Sport

Para-Schwimmen: Die Para-Schwimmer von Stützpunkttrainer Maik Zeh aus Potsdam mit den schon für Tokio qualifizierten Verena Schott, Gina Böttcher und Maike Naomi Schnittger waren bereits in Belek/Türkei und trainieren dann auf Lanzarote (28. Januar bis 18. Februar und 1. bis 22. April).

Triathlon: Die Potsdamer Triathleten um Medaillenkandidatin Laura Lindemann reisen am Montag nach Potchefstroom/Südafrika. Drei Wochen gute Trainingsbedingungen und gutes Klima seien die Gründe für die Wahl – anders als bei der französischen Insel La Reunion im Indischen Ozean, wo gut zwei Wochen trainiert wird. „Dort gibt es den gleichen Hitzestress wie in Tokio und wir können viele Dinge testen, die bei der Hitze wichtig werden“, sagt Trainer Ron Schmidt.

Bahnradsport: Brandenburgs Sportlerin des Jahres Emma Hinze (RSC Cottbus) trainiert mit ihren Nationalmannschaftskollegen wie Maximilian Levy aktuell in Kapstadt/Südafrika. Eigentlich arbeitet sie unheimlich gerne unter den „Top-Bedingungen“ in Cottbus, sagt die 22-Jährige. „Jedoch ist das Wetter in Deutschland gerade zu kalt und in Cottbus haben wir eine offene Bahn, das heißt, dass da auch schon einmal Schnee in der Mitte der Bahn liegen kann. Somit ist es hier momentan angenehmer für uns“, erzählt die Bahnradsportlerin.

Moderner Fünfkampf: Die Modernen Fünfkämpfer aus Potsdam hatten prominente Trainingspartner bei ihrem zweiwöchigen Trainingslager. Chad le Clos (Südafrika), Katinka Hosszú (Ungarn) und Sarah Sjöström (Schweden), allesamt Schwimm-Olympiasieger, und Zehnkampf-Olympiasiegerin Nafissatou Thiam (Belgien) waren ebenfalls in Stellenbosch/Südafrika. „Man kommt aus dem ganzen Alltagstrott und Stress mal raus. Man hat seine Ruhe und kann sich voll auf das Training konzentrieren“, sagt der deutsche Meister Fabian Liebig. „Trainer und alle Athleten leben zusammen, man muss nicht kochen, hat kurze Wege – das ermöglicht alles größere Trainingsumfänge.“