08. Juli 2021 / 16:32 Uhr

Ausholen zum Wurf ins Finale: Das nehmen sich Brandenburgs Werfer für Olympia vor

Ausholen zum Wurf ins Finale: Das nehmen sich Brandenburgs Werfer für Olympia vor

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Voller Fokus: Clemens Prüfer bewies dieses Jahr schon Top-Form. 
Voller Fokus: Clemens Prüfer bewies dieses Jahr schon Top-Form.  © imago images/Sven Simon
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Während die Diskus-Asse diese Saison schon Top-Leistungen zeigten, hoffen die Speer-Spezialisten, dass beim Höhepunkt der Knoten platzt. Und alle wollen in den Kreis der Besten.

Kristin Pudenz, Clemens Prüfer, Bernhard Seifert und Julian Weber: Ein Quartett vom Potsdamer Bundesstützpunkt hat den weiten Wurf zu den Olympischen Spielen in Tokio geschafft. Und unisono betonen die Vier, was für sie der große Reiz an ihrem Sport ist: Das Suchen und Finden des richtigen Gefühls bei den technisch so komplexen Disziplinen. „Es sind ganz viele Feinheiten, viele kleine Rädchen, die ineinander greifen müssen. Dabei die richtige Abstimmung zu schaffen, dass es einfach passt, ist die tolle Herausforderung“, sagt Pudenz.

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Faire Vorgeschichte beim Speerwurf

Bei ihr und Diskuskollege Prüfer passte es diese Saison schon sehr gut. Beide glänzten mit persönlichen Bestleistungen. Aber die Speerspezialisten Seifert (alle SC Potsdam) und Weber (USC Mainz) haben zwar die Olympia-Qualifikation geschafft, 2021 hingegen noch nicht die Spitze des Könnens erreicht. „Wir haben beide mehr drauf als wir bisher abrufen konnten. Jetzt geben wir Vollgas, dass in Tokio der Knoten platzt“, sagt Weber.

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Er startet für seinen Mainzer Heimatverein und ist vorigen Herbst aus Rostock nach Potsdam gewechselt, um bei seiner Freundin in Berlin leben zu können. Der 26-Jährige ist zufrieden mit dem Schritt, lobt die hiesigen Bedingungen, Trainer Burkhard Looks und die Trainingsgruppe um Seifert. Zwischen den beiden herrscht schon eine lange sportliche Konkurrenz, aber ebenso intensive Freundschaft. Wie respektvoll ihr Umgang miteinander ist, zeigte sich 2019. Damals stieß Seifert im Frühjahr mit neuer Bestleistung von 89,06 Metern in den Weltklasse-Kreis vor, verzichtete aber nach Formschwäche im weiteren Saisonverlauf auf seinen WM-Start in Doha – zugunsten von Weber, der nachrückte und letztlich Platz sechs belegte. Seifert erhielt dafür den Fair-Play-Preis des Deutschen Sports. „Dass wir jetzt beide gemeinsam zu Olympia fahren, ist mega“, sagt Weber. „Wir werden es genießen“, ergänzt Seifert.

Prüfer steigert sich um fast vier Meter

Mit seiner Saisonbestleistung (81,28) ist er nur 36. der Weltjahresbestenliste, Weber (84,95) belegt Platz 13 in der Liste, die vom überragenden Offenburger Johannes Vetter (96,29) angeführt wird. „Ich bin optimistisch, dass wir uns gut präsentieren werden. Die Qualifikation für das Finale der besten Zwölf ist mein Ziel“, sagt Sommerspiele-Neuling Seifert. Weber, der in Rio Neunter wurde und 2016 mit 88,29 Metern seine eigene Bestmarke aufstellte, peilt die Top 8 an. „Wir wollen da rocken“, meint er.

Julian Weber möchte besser sein als 2016 - damals belegte er Platz neun bei Olympia in Rio.
Julian Weber möchte besser sein als 2016 - damals belegte er Platz neun bei Olympia in Rio. © imago images/Beautiful Sports

Das nehmen sich auch Pudenz und Prüfer für ihre erste Olympiateilnahme vor. Die Schützlinge von Trainer Jörg Schulte sind derzeit Achte beziehungsweise Neunter der Saison-Weltrangliste. Dreimal in Folge wurde Pudenz deutsche Meisterin, hat ihre Bestleistung dieses Jahr erneut gesteigert. 66,31 Meter sind es nun. „Nach meiner kontinuierlichen Entwicklung ist Olympia der nächste Schritt“, sagt die 28-Jährige. Prüfer gesteht: „Die Verschiebung der Spiele um ein Jahr war für mich glücklich. 2020 wäre ich noch nicht so gut gewesen.“ Dieses Jahr gelang der erhoffte Leistungssprung. Fast um vier Meter verbesserte sich der 23-Jährige auf 67,41. „Nach viel gutem Training hatte sich was Starkes angedeutet. Aber dass es so explodiert, war schon krass und hat alle Erwartungen übertroffen.“ Nun soll es auch in Tokio passen. Für ihn und das gesamte Potsdamer Wurf-Quartett.