30. Juli 2021 / 16:32 Uhr

Viel Spaß muss sein: Der Olympia-Plan von Jacob Schopf

Viel Spaß muss sein: Der Olympia-Plan von Jacob Schopf

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Zunächst gewann Jacob Schopf im Kajak-Einer, später ließ er noch den Zweier-Triumph folgen.
Hat meist gut lachen: Der 21-jährige Jacob Schopf gilt in Tokio als Medaillenkandidat. © Szilard Koszticsak/MTI/AP/dpa
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Der Potsdamer Kajakspezialist Jacob Schopf will bei seiner ersten Olympia-Teilnahme groß abräumen – und ganz entspannt bleiben.

Spaß muss es machen, das findet Jacob Schopf besonders wichtig. Die Begründung liefert er gleich mit: „Ich mache alles aus Spaß“, sagt der Kajakspezialist des KC Potsdam im OSC. Im pflichtbewussten Deutschland, wo im Alphabet lange vor dem Spaß so landestypische Wörter wie Arbeit, Disziplin, Einsatz und Ordnung stehen, scheint das gar nicht so einfach, erst recht nicht beim Kajak. Da kommt der Spaß eigentlich erst nach so unlustigen Vokabeln wie quälen, leiden und schinden. Wie passt das also zusammen – erfolgreich Kajak fahren und Spaß haben?

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Ganz einfach, meint Schopf, der aus Mahlsdorf-Süd stammt: „Ich gehe alles ein bisschen witziger an, mache auch mal doofe Sprüche. Im Wettkampf bin ich eher der lockerere Typ.“ Bei diesen Olympischen Spielen will er das wieder demonstrieren, sogar in zwei Disziplinen: dem Kajak-Einer und dem Kajak-Zweier. Am Montag steht im Einer der erste Vorlauf an, einen Tag später steigt das Finale. Im Zweier ist Schopf am Mittwoch im Vorlauf gefordert, wiederum einen Tag später geht’s um Medaillen.

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Für ganz schön mutig halten einige Experten Schopf, weil er bei seinen ersten Olympischen Spielen im jungen Alter von 21 Jahren gleich zwei Wettkämpfe auf sich nehmen will. Schopf ist das egal, „Olympia war schon immer mein Traum“, sagt der 1,85 Meter große und 73 Kilogramm schwere Modellathlet. Und da er jetzt nun mal schon dort ist, nimmt er halt gleich das Maximum mit. „Ich darf mich nur nicht zu sehr reinverkrampfen“, sagt Schopf.

Im Zweier sitzt der Wahl-Potsdamer mit Max Hoff in einem Boot, einem nicht mehr ganz so jungen Athleten, der aus Nordrhein-Westfalen stammt und theoretisch auch sein Vater sein könnte. Kurz nach den Spielen feiert Hoff seinen 39. Geburtstag, Generationenboot wird die Paarung Schopf/Hoff deshalb gerne genannt. Trotzdem seien beide gleichberechtigt, bevormundet werde er nicht, erzählt Schopf.

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Dass auf hoher See nur der liebe Gott hilft, wie es so schön heißt, stimmt ja nur zur Hälfte; die andere Hälfte macht ein gutes Team aus, und nur so, wenn alles perfekt abgestimmt sei – die Kommandos, die Paddelschläge, überhaupt: das Timing – könne man auch Erfolg haben, erklärt Schopf. „Das erste Kommando nach 50 bis 80 Metern gebe ich, die weiteren zwei Max.“ Dem Zufall soll in den japanischen Wassern nichts überlassen werden.

Früh hat sich abgezeichnet, dass Schopf nun bei Olympia um Medaillen fahren kann. Als Achtjähriger nahm er das erste Mal ein Paddel in die Hand, losgelassen hat er es gefühlt nicht mehr. „Ich habe davor Fußball ausprobiert, Karate, dies und das“, sagt Schopf. Richtig glücklich wurde er nur auf dem Wasser. „Das war gleich ein Riesenspaß“, erzählt Schopf. In den Booten des KKC Berlin, dem Köpenicker Kanusportclub, hängte er bald die Konkurrenz ab, feilte an der Technik und einer Sportkarriere. Der Weg führte an die Flatow-Oberschule, die Trainingseinheiten wurden härter, aber der Spaß nicht geringer. „Wenn man in einer Leistungsklasse ist, kann man das mit dem Quälen“, sagt Schopf.

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Köpenick („da habe ich viel Zeit verbracht“) wurde irgendwann zu klein für den begabten Kanuten. Und als klar war, dass Schopfs Trainer im vermeintlichen Olympia-Jahr 2020 in Rente gehen würde, wechselte der Nachwuchsmann die Stadt. „Potsdam hat mir sehr gut getan“, sagt Schopf, „auch wenn Berlin selbstverständlich immer die Stadt meines Herzens bleibt.“

In den märkischen Gewässern aber scheint der Spaßfaktor für Schopf noch ein wenig höher. Die sportlichen Bedingungen seien einfach überragend, findet Schopf, die Kolleginnen und Kollegen wie der ruhmreiche Ronald Rauhe auf Topniveau. Längst hat Schopf seinen Lebensmittelpunkt nach Potsdam verlegt. Freundin, Wohnung, Studium – Schopf hat es sich gut eingerichtet, damit ihn nichts vom Sport ablenkt. Bisher scheint das ganz gut zu klappen. „Potsdam ist überragend“, sagt Schopf, der sich schon zweimaliger Welt- und einmaliger Europameister nennen darf. Jetzt soll bei Olympia der ganz große Coup gelingen. „Wir fliegen hin, weil wir um die Medaillen mitkämpfen wollen.“ Die Form stimme, „man setzt sich Ansprüche.“

Einzig die Zuschauer fehlen, Schopf bedauert das. Im Endspurt sei das schon „krass“, meint Schopf, „wenn die Meute jubelt und brüllt“. In Tokio hätten eigentlich auch Schopfs Familie und enge Freunde mitgelitten. „Die wollten da sein, wollten mir an der Strecke die Daumen drücken“, erzählt Schopf. Nun muss er die Qualen im Wasser allein erdulden – aber den Spaß kann Schopf eh niemand nehmen.

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