02. August 2021 / 08:39 Uhr

So tickt 100-Meter-Olympiasieger Jacobs: Der schnellste Mann der Welt ist sich selbst ein Rätsel

So tickt 100-Meter-Olympiasieger Jacobs: Der schnellste Mann der Welt ist sich selbst ein Rätsel

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Lamont Marcell Jacobs holte über 100 Meter überraschend die Goldmedaille.
Lamont Marcell Jacobs holte über 100 Meter überraschend die Goldmedaille. © Getty (Montage)
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Nach seinem überraschenden Olympiasieg über 100 Meter fragt sich sogar die Leichtathletik-Welt: Wer ist Marcell Jacobs? Der Italiener legte einen Sprint vom Weitspringer zum schnellsten Mann der Welt hin.

Was sagen sie den US-Amerikanern, die sie nicht kennen, fragte ein US-Journalist Lamont Marcell Jacobs. Der Italiener hatte gerade den olympischen Sprintgipfel über die 100 Meter gewonnen und genau so schnell war er mit der Antwort: "Here I am!" Hier bin ich. Der schnellste Mann der Welt, der gerade das Erbe des Superstars a.D, Usain Bolt, angetreten hatte, ist ein Nobody in der Sprintwelt. Kaum einer kennt ihn, kaum einer weiß etwas über ihn. Selbst viele seiner Konkurrenten zuckten mit den Schultern. "Ich weiß nichts", sagte der Kanadier Andrew De Grasse, der Bronzemedaillengewinner: "Ich dachte, mein Hauptkonkurrent wären die Amerikaner. Ich dachte, die würden es bringen." Doch bis auf Fred Kerley brachten sie es nicht.

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Auch die italienischen Journalisten waren verblüfft, sogar Jacobs selbst. "Nein", sagte er, als er gefragt wurde, ob er gewinnen könnte. "Es ist unglaublich. Mein Traum war, anzukommen und ins Finale zu laufen. Und dann laufen ich im Finale und gewinne das Finale. Wunderbar." Er habe keine Worte, um das zu begreifen. "Ich glaube, ich brauche vier oder fünf Jahre, um das zu verstehen."

Für die Journalisten, gab er noch in der Mixedzone eine Kurz-Vita: Geboren in El Paso, Texas, zog er nach der Trennung seiner Eltern mit sechs Jahren mit seiner Mutter nach Italien. Seine Mutter ist Italienerin, sein Vater Amerikaner, "doch ich habe ihn erst vor einem Jahr das erste Mal gesehen". Er wächst am Südufer des Gardasees in Desenzano auf. Vor drei Jahren war Jacobs nur ein guter Weitspringer. Vor zwei Jahren erreichte er bei der WM das Halbfinale über 100 Meter. Jetzt ist er Olympiasieger.

Jacobs nannte zwei wichtige Änderungen auf dem Weg dahin: Die erste sei der Umzug nach Rom vor drei Jahren gewesen, wo er ein Team um sich herum aufgebaut hat - mit Trainer, Physiotherapeut, Chiropraktiker, Ernährungsberater und Mentaltrainer. Sein Mentaltrainer überredete ihn auch, wieder Kontakt zu seinem Vater aufzunehmen, "Das hat mir die Energie und den Willen gegeben, alles zu geben, um heute hier zu sein."