22. Juli 2021 / 22:41 Uhr

Erstes deutsches Olympia-Fahnenträgerduo: Wahl für Ludwig und Hausding eine "Riesenehre"

Erstes deutsches Olympia-Fahnenträgerduo: Wahl für Ludwig und Hausding eine "Riesenehre"

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Patrick Hausding und Laura Ludwig führen die deutsche Olympia-Delegation als Fahnenträgerpaar in das Olympiastadion von Tokio.
Patrick Hausding und Laura Ludwig führen die deutsche Olympia-Delegation als Fahnenträgerpaar in das Olympiastadion von Tokio. © Getty Images
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Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio werden die Beachvolleyballerin Laura Ludwig und der Wasserspringer Patrick Hausding vorangehen. Die beiden Athleten führen die deutsche Olympia-Delegation als Fahnenträgerpaar ins Stadion. Trotz der leeren Ränge ist die Vorfreude bei beiden groß.

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Nach dem Anruf von Niclas Hildebrand ratterte das Kopfkino von Laura Ludwig. Es sei Top Secret, man müsse sich sofort treffen und ohne Umwege, hatte der Beachvolleyball-Chef gemeint, und um höchste Geheimhaltung gebeten. Ludwig hatte da ihr erstes Training gerade hinter sich und war geschockt: "Ich dachte sofort an Kontakt, an einen positiven Fall." PCR-Test, Corona, Olympia-Aus – die Gedankenkette war keine positive. Der Fall ist auch positiv, doch einer der ganz anderen Art. Denn kurz danach erfuhr die Rio-Olympiasiegerin, dass sie zur Eröffnung der Olympischen Spiele am Freitag (13 Uhr, MESZ) gemeinsam mit Wasserspringer Patrick Hausding die deutsche Fahne ins Olympiastadion von Tokio tragen wird. Es ist eine Premiere, ein "Zeichen für Geschlechtergerechtigkeit", wie es DOSB-Präsident Alfons Hörmann in Tokio formulierte.

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Es ist eine Wahl der Öffentlichkeit und des "Teams D". Seit Rio 2016 so praktiziert, war es unter je fünf Kandidaten bei den Männern eine, so DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker, "hauch-hauch-, hauchdünne Entscheidung". Denn mit 22,65 Prozent hatte der 32-Jährige einen Vorsprung von sieben Hundertstel Prozent-Punkten gegenüber Turner Andreas Toba. Auch Hausding ("Schon die Nominierung war eine Ehre") hatte so seine Probleme, es zu realisieren. "Ich dachte, alle Kandidaten treffen sich noch mal. Erst als die Tür zuging und ich mit Laura allein war, habe ich es gecheckt." Dass er dafür sein Training ausfallen lassen musste, habe sich "in jedem Fall gelohnt". Denn es ist für jeden Sportler eine Riesenehre.

2008 trug Basketball-Profi Dirk Nowitzki die Fahne. Als er davon erfuhr, hatte er Tränen in den Augen. Sechs Jahre später war es Tischtennis-Star Timo Boll. Und jetzt das Novum. Zum ersten Mal hat Deutschland zwei Fahnenträger. Das Internationale Olympische Komitee macht es möglich. "Es ist eine Riesenehre, dass wir das als Team machen dürfen", sagte Ludwig, die im Voting mit 30,94 Prozent mehr als zehn Prozentpunkte Vorsprung auf Turnerin Elisabeth Seitz hatte.

Vermutlich letzte Spiele für Ludwig, Hausding hört sicher auf

Für Ludwig sind es nach dem Gold-Coup von Rio mit Kira Walkenhorst ihre vierten Spiele, ihre ersten als Mutter und mit neuer Partnerin Margareta Kozuch. Vieles deutet darauf hin, dass es auch die letzten der 35-Jährigen sind. Für Hausding, der nach Silber 2008 in Peking im Synchronspringen und Bronze 2016 in Rio vom Drei-Meter-Brett bei seinen vierten Spielen seine dritte Medaille ins Visier nimmt, sind es definitiv die letzten. Für den 32-Jährigen rückt sein Job als Lehrer in den Vordergrund. Wie viele Sportlerinnen und Sportler sich hinter ihnen versammeln, ist aber noch offen.

Auch das Wie des Tragens, denn es gibt nur eine Fahne. "Ich hoffe, wir reißen uns sie nicht gegenseitig weg", flachste Ludwig. Für Hausding ist nur wichtig, "dass die Fahne nicht kaputt geht, runterfällt oder wir über unsere Füße stolpern". Dass erstmals ein Duo vorneweg läuft, passt ins Bild, denn Zuschauer wird es bis auf einige Funktionäre und Journalisten im Kasumigaoka National Stadium nicht geben. Gespenstisch findet Ludwig diese Aussicht nicht: "Klar wäre es um einiges grandioser, wenn es Zuschauer geben würde. Aber es sind immer noch Olympische Spiele." Und langweilig werde es auch nicht. "Wir machen unsere eigene Stimmung."

Davon ist Beachvolleyball-Chef Niclas Hildebrand überzeugt. Selbstredend: Der "Ludwig-Schocker" freut sich, "dass unsere Sportart so auch im Fokus steht. Jetzt setzen wir alles daran, dass wir dem auch sportliche Erfolge folgen lassen."