23. Juli 2021 / 07:57 Uhr

Pappbetten und Corona-Schutz: So leben die deutschen Athleten im Olympischen Dorf von Tokio

Pappbetten und Corona-Schutz: So leben die deutschen Athleten im Olympischen Dorf von Tokio

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Im olympischen Dorf müssen die deutschen Athleten auf Luxus verzichten.
Im olympischen Dorf müssen die deutschen Athleten auf Luxus verzichten. © IMAGO / Belga
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Wenn die Athleten der Olympischen Spiele von Tokio nicht gerade im Wettbewerb sind, verbringen sie ihre Zeit im Olympischen Dorf. Viel Komfort gibt es dort allerdings nicht, die Zimmer sind spartanisch eingerichtet. Außerhalb steht der Corona-Schutz im Vordergrund. Judoka Igor Wandtke und Ruderer Max Appel gewähren dem SPORTBUZZER Einblicke hinter die Kulissen.

Olympisches Dorf, Haus 20, Etage 8, Appartement 802 – das ist die Tokio-Adresse von Judoka Igor Wandtke (30). Zwei Etagen unter ihm wohnt Ruderer Max Appel (28). Da bei den Corona-Spielen der Zutritt ins Herzstück für Journalisten in der internationalen Zone, einer Art hölzerner Vorgarten, endet, geben die deutschen "Village People" dem SPORTBUZZER einen exklusiven Einblick in ihr Kurzzeitreich. Und das ist besser gesichert als die Kronjuwelen. Hochsicherheitstrakt und Wohlfühloase also.

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Im klimatisierten Zwei-Zimmer-Appartement mit Balkon teilt sich Wandtke mit dem Nürtinger Sebastian Seidl die vier Wände. Und die sind japanisch spartanisch? "Eher deutlich drunter. Das macht alles den Eindruck, als ob das nach Olympia kernsaniert wird. Die Trennwände sind kahle Rigipsplatten, die Schrauben sind nicht mal zugespachtelt." Eine Ecke für eine Küche kann er auch nicht erkennen. Zwei Betten, Nachtschrank, Minikleiderschrank mit zwei Einlageböden – das war’s.

Das Besondere: Das Bett ist aus umweltfreundlicher Pappe. Der Hersteller verspricht, dass sie einem Gewicht von 200 Kilogramm standhält. Einen Belastungstest hat Wandtke noch nicht gemacht – und nach ersten Dellen an der Kante auch nicht vor. Dafür will er sich den Härtegrad der Matratze noch einstellen. "Das soll möglich sein, ich muss nur noch herausfinden, wie."

Mundschutz auf Laufbändern, Essen hinter Plastikwänden

Max Appel, der sich mit seinen Doppelvierer- und den Doppelzweier-Jungs das Appartement teilt, hat den Flur mit "Team-D-Plakaten" aufgehübscht. Bei seinen ersten Olympischen Spielen saugt der in Hamburg lebende gebürtige Ratzeburger das eingeschränkte Dorfleben auf: "Die Straße der Nationen mit all den Flaggen, an jeder Ecke taucht ein Sportler aus einer anderen Nation auf – echt cool. Ich habe ja keinen Vergleich zu früher."

Judoka Igor Wandtke und Ruderer Max Appel berichten aus dem Leben im olympischen Dorf.
Judoka Igor Wandtke und Ruderer Max Appel berichten aus dem Leben im olympischen Dorf. © Getty Images / IMAGO / Eibner (Montage)

Village-Plaza, Souvenirshop, Instagram-Foto vor den olympischen Ringen – Appel hat alles mitgenommen. Mit Abstand – denn das ist die gelebte Dorfregel. Die gilt auch im Gym, dem offiziellen Dorfkraftraum mit Laufbändern, Hanteln, Kardiogeräten – allem, was das Sportlerherz so braucht.

Wandtke hat das Dorffieber (noch) nicht gepackt. Wie auch: Er hat Rio 2016 erlebt, als das Dorf noch Partyzone war. Corona, die strengen Regeln und die unerträgliche Hitze nehmen ihm den Spaß. Dass man im Gym selbst auf den durch Plastikwände getrennten Laufbändern Mundschutz tragen muss, lässt ihn gar fremdeln. "Essen in der Kantine gibt es auch nur mit Einweghandschuhen, die noch bevor man sie übergestreift hat auch schon wieder kaputt sind." Am Tisch fühlt er sich dann umgeben von drei Plastikwänden eingepfercht wie in einer Box. Das Plus: "Das Essen ist super."