25. Juli 2021 / 15:26 Uhr

Triathletin Laura Lindemann: Medaillen-Ankündigung im Freundebuch

Triathletin Laura Lindemann: Medaillen-Ankündigung im Freundebuch

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Laura Lindemann beim Einschwimmen im Odaiba Marine Park in Tokio.
Laura Lindemann beim Einschwimmen im Odaiba Marine Park in Tokio. © Privat
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Olympische Spiele: Die Potsdamerin Laura Lindemann zählt bei den Olympischen Spielen in Tokio zu den Mitfavoritinnen auf eine Medaille.

Ihr großes Ziel, das verfolgt Laura Lindemann schon seit Kindheitstagen. „In jedes Freundebuch habe ich früher geschrieben, dass ich irgendwann einmal eine Medaille bei Olympia gewinnen will“, erzählt die Potsdamerin. Am späten Montagabend (23.30 Uhr/ARD) will sie ihren Namen nicht nur in ein Freundebuch einschreiben, sondern im Idealfall in die Siegerliste des olympischen Triathlon-Rennens. Die 25-Jährige zählt zum Kreis der Mitfavoritinnen, die vergangenen fünf Jahre hat sie mit ihrem Heimtrainer Ron Schmidt auf diesen Tag hingearbeitet – und dabei griffen sie auch schon mal zu extremen Mitteln.

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Im letzten Trainingslager vor der Abreise, am Gardasee in Italien, baute die Potsdamer Trainingsgruppe ein Zelt auf, stellte Heizlüfter und Luftbefeuchter rein und simulierte so die schwül-heißen Bedingungen in Tokio, während sie auf der Rolle Rad fuhr. „Das Training im Zelt war ganz schön hart, weil die Luft drin steht und man auf der Rolle keinen Fahrtwind spürt. Bei weniger Watt hatte ich schon einen höheren Puls“, erzählt Laura Lindemann von der Auswirkung des Klimas auf die Leistung.

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Vor zwei Jahren, beim Testwettkampf in Tokio, kam sie schon gut mit den Bedingungen zurecht, sicherte sich als Sechste schon damals das direkte Ticket für die Spiele. Über 30 Grad Wassertemperatur herrschte 2019 im Odaiba Marine Park mit der Rainbow Bridge im Hintergrund. Aus diesem Grund haben die Veranstalter auch Pumpen entlang der Schwimmstrecke installiert, die kälteres Wasser aus der Tiefe nach oben fördern, wie Ron Schmidt berichtet.

Der ist allerdings nicht vor Ort, aufgrund der Corona-Bestimmungen durfte neben den insgesamt vier deutschen Sportlern nur eine Mini-Delegation nach Tokio reisen, darunter der Mannschaftsarzt. Täglich telefonieren Lindemann und Schmidt zweimal, um das Training aus der Ferne zu koordinieren. „Das ist schon eine besondere Situation. Für mich ist das vermutlich schwieriger als für Laura“, sagt Schmidt.

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Der Coach weiß auch, dass er sich auf seine Athletin verlassen kann, wenn es darauf ankommt. „Sie ist ein Wettkampftier, sie ist voll fokussiert“, sagt ihr Heimtrainer, mit dem sie schon seit ihrem Wechsel vom Schwimmen zum Triathlon vor knapp zehn Jahren zusammenarbeitet.

Gestört wurde die Vorbereitung allerdings durch ihre Corona-Erkrankung im Frühjahr. „Ich hatte sehr geringe Symptome“, sagt Lindemann selbst. In den zwei Wochen Quarantäne durfte sie überhaupt keinen Sport machen, auf einem Laufband ging sie spazieren. „Das hat mich schon zurückgeworfen, es war gerade in den ersten Wochen danach im Training deutlich zu spüren“, erzählt die gebürtige Berlinerin, Schmidt beziffert den Trainingsausfall auf rund sechs Wochen.

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Kurz darauf nahm die WM-Dritte von 2020 schon in Yokohama an einem Rennen der WM-Serie teil – und wurde nur 30. Im Nachhinein sei der Wettkampf für das Kennenlernen der Abläufe, beispielsweise der Corona-Testungen, gut gewesen. Und Mitte Juni triumphierte Lindemann bei der Supersprint-EM in Kitzbühel, dort gewann sie aus vollem Training heraus. „Das war natürlich für die Motivation sehr gut“, erzählt Lindemann.

Aktuell liegt ihr Fokus noch auf dem Einzelrennen, doch schon in der Nacht zu Samstag (0.30 Uhr) steht die Mixed-Staffel auf dem Programm, ein Wettbewerb, der in Tokio Premiere im olympischen Programm feiert. Nacheinander gehen Jonas Schomburg, der in der Bundesliga wie Lindemann für Triathlon Potsdam startet, Justus Nieschlag und Anabel Knoll die Distanz über 300 Meter Schwimmen, 6,8 Kilometer Radfahren und 2 Kilometer Laufen an. „Ich habe auf beiden Wettbewerben den gleichen Fokus, nur sind im Moment meine Gedanken sehr beim Einzelrennen“, sagt Lindemann. In dem ist eine deutlich längere Distanz zu bewältigen: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen.

Ihr Trainer ist sich noch nicht sicher, ob er den Wettbewerb tatsächlich – auch aufgrund der nervlichen Anspannung – anschauen kann. „Ich werde am Montag bestimmt nervös rumtigern“, sagt Schmidt, der seiner Athletin die Erfüllung ihres Medaillenwunsches durchaus zutraut – „bei beiden Rennen. Warum soll sie nicht zwei Medaillen holen?“

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